Fertörakos: Seezugang soll noch heuer geöffnet werden

Nach 7 Jahren Sperre

Seit sieben Jahren werden Gäste beim ungarischen Seezugang in Fertörakos von einem Sperrgitter begrüßt. Das soll sich noch im Frühjahr 2025 ändern, heißt es am ungarischen Ufer des Neusiedler Sees. Auch die Debatte über das geplante Hafenprojekt nimmt wieder Fahrt auf.

Sperrgitter und Stacheldraht könnten beim einzigen ungarischen Zugang zum Neusiedler See in Fertörakos schon bald Geschichte sein.

Sperrgitter und Stacheldraht könnten beim einzigen ungarischen Zugang zum Neusiedler See in Fertörakos schon bald Geschichte sein.

© BVZ, Peter Wagentristl

Findet die unendliche Geschichte des Mega-Projekts in Fertörakos doch noch ein Happy End? Seit sieben Jahren ist der einzige ungarische Zugang zum Neusiedler See für die Öffentlichkeit gesperrt. Eigentlich hätte schon 2018 der Bau des neuen Hafenzentrums mit Hotel, „Ökozentrum“, Sportanlagen und vielem mehr starten sollen.

Fertörakos: Seezugang soll noch heuer geöffnet werden

© Greenpeace

Es kam aber ganz anders: die Proteste gegen den enormen Eingriff in die Natur rissen nicht ab - abgerissen wurde dafür der Bestand an Gebäuden am Hafen in Fertörakos. Danach passierte am riesigen brach liegenden Areal: nichts.

Hinter den Kulissen bewegte sich dagegen einiges: etliche Male wechselte die Zuständigkeit für das Projekt und die Betreibergesellschaft. Vor kurzem hat die ungarische Regierung mit Attila Barcza einen neuen Zuständigen für die Entwicklung der Region um den Neusiedler See bestimmt. Und der ließ gleich mit mehreren Sagern und Ankündigungen aufhorchen.

Ungarn sagt, was in Ungarn gebaut wird

Ende März lobte Bau- und Verkehrsminister János Lázár den neuen Regierungsbeauftragten nach einem Treffen: „Mit Attila Barcza übernimmt endlich jemand die Verantwortung für unseren See, dem das Schicksal der Region wirklich am Herzen liegt. Er setzt alles daran, dass nicht unsere österreichischen Nachbarn bestimmen, was am ungarischen Ufer gebaut werden darf.“

Fertörakos: Seezugang soll noch heuer geöffnet werden

© zVg

In ungarischen Medien wird von Regierungsseite häufig das Narrativ bedient, Österreich verbaue den See auf seiner Seite, wolle es den Ungarn aber verbieten. Teilweise auch mit dem Zusatz, dass so Konkurrenz unterbunden werden soll. Der ungarische Verein „Freunde des Neusiedler Sees“ (Fertő tó Barátai) wird etwa immer wieder als Gruppe „österreichischer Agenten“ dargestellt.

Die Neugestaltung des Projekts wird unter Einbeziehung von Experten der UNESCO erfolgen – jedoch so, dass auch die ungarische Bevölkerung die Nutzungsmöglichkeiten des Sees in gleichem Maße genießen kann, wie es die Menschen auf österreichischer Seite bereits tun. Attila Barcza, Ungarns Regierungsbeauftragter für die Entwicklung der Region Neusiedler See.

Unerwartete Wendung: Fertörakos bald wieder zugänglich?

Bis auf diese Unfreundlichkeiten in Richtung Österreich sind die Töne aus Ungarn aber durchaus erfreulich: Noch im Frühling sollen Hafenstraße, der Hafen mit 400 Anlegeplätzen und ein 150 Meter langer Steg wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden - erstmals nach sieben Jahren Sperrgittern und Stacheldraht. Das berichtet die ungarische Online-Plattform Népszava unter Berufung auf Barcza.

Überraschend neu ist auch die Betonung von Naturschutzanliegen von Seiten der ungarischen Behörden: „Die Erneuerung der Wassersportanlage kann nur unter Berücksichtigung des Schutzes der natürlichen Werte sowie der weltkulturerblichen Gesichtspunkte gedacht werden. Die Neugestaltung des Projekts wird unter Einbeziehung von Experten der UNESCO erfolgen – jedoch so, dass auch die ungarische Bevölkerung die Nutzungsmöglichkeiten des Sees in gleichem Maße genießen kann, wie es die Menschen auf österreichischer Seite bereits tun“, wird Barcza zitiert.

Niemand weiß keine Details nicht

Weiters ist nur bekannt, dass eine redimensionierte, naturverträgliche Version des eigentlich geplanten Mega-Projekts nun die bevorzugte Lösung zu sein scheint. Details gibt es aber auch nach sieben Jahren noch nicht, aktuelle erarbeite man konkrete Pläne für die weitere Entwicklung des Gebiets - unter Berücksichtigung der Rückmeldungen von Bürgern und Fachleuten erarbeitet.

Fertörakos: Seezugang soll noch heuer geöffnet werden

© BVZ, Peter Wagentristl

Einen Zeitplan oder einen Budgetrahmen für das Projekt gibt es derzeit nicht. Ein Happy End bei Ungarns einzigem Seezugang lässt also auf sich warten - die Signale aus dem Nachbarland klingen aktuell aber wesentlich positiver als in den vergangenen zwei Jahren.

Finanzierung wackelte, dann grätsche auch noch das Gericht dazwischen

Besonders still war es geworden, nachdem zuerst die Finanzierung für das Projekt ins Wanken geriet und dann auch noch ein Gericht den Bauplänen in der Mega-Variante einen Riegel vorschob - was den Betreibern möglicherweise gar nicht unrecht war, da so ein Gesichtsverlust vermieden werden konnte. „Wir halten uns ans Gerichtsentscheide“ ist ein besser vermarktbarer Grund, ein Projekt einzustampfen, als fehlende Finanzmittel.

Sieben Jahre stillstand schadeten Gemeinde enorm

Wer in den vergangenen Jahren oder Wochen in Fertörakos war, sieht dort zwei Schilder besonders oft: „eladó“ und „zárt“ - also „zu verkaufen“ und „geschlossen“. Auch Anrainer berichten der BVZ von geschlossenen Gasthäusern, leerstehenden Pensionen und gähnender Leere in einer einst florierenden Tourismusgemeinde. Sieben Jahre ohne einen von zwei Touristenmagneten (neben dem Felsentheater Fertörakos) haben sichtbare Spuren hinterlassen.

Fertörakos: Seezugang soll noch heuer geöffnet werden

© BVZ, Peter Wagentristl

Dass hier der Tourismus schleunigst wieder anlaufen muss, um einen weiteren Verfall zu verhindern, ist auch Gegnern des Projekts bewusst. Beim Verein Fertő tó Barátai betont man bei jeder Gelegenheit, dass man nicht generell gegen eine Modernisierung sei - im Gegenteil. Auch Greenpeace Ungarn sprach sich regelmäßig für eine ökologisch vertretbare Neugestaltung des Hafengeländes aus, dem vor dem Abriss scheinbar jeder Sanierungsbedarf attestierte.

Was sich allerdings niemand gewünscht hat: sieben Jahre Stillstand.

Regierungsvertreter, Nationalpark und Naturschützer gemeinsam am Tisch

Ende März kam es erstmals zu einem gemeinsamen Austausch zwischen den politisch Verantwortlichen, dem Nationalpark und den Naturschützern von Fertő tó Barátai. Projektbetreiber und Politik hatten zuvor angekündigt, Naturschützer und Einwohnerbedenken vermehrt einbinden zu wollen - und haben mit dem Treffen auch tatsächlich einen ersten Schritt Richtung Dialog und Partizipation gesetzt.

Das heißt aber noch nicht, dass sich auch alle Seiten einig werden. „Wir halten weiterhin konsequent an einer überlegten, maßvollen Rekonstruktion der Wassersportanlage fest, die sowohl den Respekt vor der Natur als auch die heutigen Anforderungen berücksichtigt“, schreiben etwa die ungarischen Freunde des Neusiedler Sees: „Weder ein Hotel, noch ein Campingplatz, Ökozentrum oder Kunstrasen-Fußballplatz werden innerhalb eines vierfach geschützten Gebietes gebraucht.“

Die Natur erholt sich

Während der Kahlschlag am Strand von Fertörakos für die Tier- und Pflanzenwelt einigen Schaden angerichtet haben dürfte, hat die Biodiversität nach sieben Jahren Stillstand einen Schub erlebt. Laut Berichten ungarischer Medien gebe es vermehrt Sichtungen von Vögeln wie Wildgänsen, Rotmilanen und Rohrweihen, die sich in Fertörakos niedergelassen haben.