Storchenstadt ist bereit für fliegende Sommergäste

Ruster Nesterputz

In der Storchenstadt stand am Montag der jährliche Nesterputz über den Dächern der Altstadt am Programm. Der Storchenverein Rust sorgt dabei für perfekte Bedingungen für die fliegenden Sommergäste.

Storchenverein Rust-Obmann Igor Smrtnik (2.v.r.) mit Storchenstation-Leiter und Gemeindearbeiter Rudolf Karassowitsch und seinen Kollegen Christian Lackner und Gerhard Karassowitsch beim jährlichen Nesterputz.

Storchenverein Rust-Obmann Igor Smrtnik (2.v.r.) mit Storchenstation-Leiter und Gemeindearbeiter Rudolf Karassowitsch und seinen Kollegen Christian Lackner und Gerhard Karassowitsch beim jährlichen Nesterputz.

© BVZ/, Peter Wagentristl

Was wäre Rust ohne Störche? Kaum vorzustellen, findet auch der Storchenverein der Freistadt Rust. Um den gefiederten Stadtpatronen also die besten Voraussetzungen zu schaffen, ist das Team von Obmann Igor Smrtnik und Storchenstation-Leiter Rudolf Karassowitsch fleißig im Einsatz. Besonders wichtig ist dabei der jährliche Nesterputz.

Die Großvögel nehmen jedes Jahr die weite Reise aus Afrika auf sich und lassen sich in ihrem Sommerquartier in Rust nieder - im gleichen Nest mit dem gleichen Partner. Damit es über den Dächern der Altstadt munter klappert müssen die Nester regelmäßig gepflegt werden.

Denn während manche Störche ihre Nester minimalistisch gestalten und ihr Nest sauber halten, gibt es auch Adebar-„Messies“. Da kommt es schon einmal vor, dass ein Nest mehrere hundert Kilo wiegt, extrem verdreckt ist und auch Baumaterial wie alte Fahrschläuche verwendet wird.

Dieses muss vom Storchenverein dann in Handarbeit mit einem eigens angekarrten Kran gesäubert, teilweise abgebaut und desinfiziert werden, damit sich die Störche auf ihre Haupttätigkeit - das Baby-Bringen - konzentrieren können. Wenn ein Nest bis zur Unbrauchbarkeit abgenutzt ist, wird es durch neue ersetzt.

Zum Einsatz kommt heuer auch eine Drohne, mit der die Qualität der Nester bequem vom Bildschirm aus kontrolliert werden kann. Das spart Zeit und Arbeit, da man nicht extra mit dem mobilen Kranwagen zur Inspektion ausrücken muss.

Der Ruster Storch sitzt im Welschriesling-Nest

Geflochten werden diese übrigens aus Welschriesling-Reben. Die Sorte eignet sich optimal für den Nesterbau, da sie besonders biegbar sind und gut halten. Das Weingut Karner produziert im Weingarten nicht nur Reben für die Nester, sondern auch den Storchenwein - ein Euro pro Flasche geht dabei als Spende an den Storchenverein. Der Storch profitiert also gleich doppelt.

Die ersten Störche haben ihre Nester in Rust übrigens bereits bezogen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um früh angereiste Sommergäste, sondern um Ruster Hauptwohnsitzler. Am Rathaus-Dach klappert es bereits im „Einser-Nest“. Die sogenannten „Winterstörche“ sind beispielsweise solche, die zu spät geschlüpft sind um die Reise in den Süden anzutreten, oder verletzte Tiere aus der Storchenstation von Leiter Rudolf Karassowitsch.

Insgesamt 50 Nester hat der Storchenverein in seiner Obhut, denn er versorgt auch die Herbergengeber in den Nachbargemeinden. In Oslip und Oggau sind es je drei, in Mörbisch vier und über den Dächern von Rust 36. Die übrigen vier entfallen auf die Storchenstation.

Die Störche sind schon im Anflug. Lang kann es nicht mehr dauern, bis sie nach Rust kommen. Storchenverein Rust-Obmann Igor Smrtnik ist zuversichtlich, dass die ersten fliegenden Sommergäste bald eintreffen.

Wer dem beliebtesten Vogel des Landes ein Zuhause geben will, kann sich übrigens beim Storchenverein ein Nest um 140 Euro bestellen.

Storchen-Population groß wie seit den 60ern nicht mehr

Ab den 60er-Jahren verzeichnete Rust einen starken Rückgang bei der Storchenpopulation, was schließlich auch motivierte Stadtbewohner zur Gründung des Storchenvereins bewegte. Mit ihrer Arbeit schafften die Tierfreunde die Trendumkehr. Im Vorjahr brüteten 23 Storchenpaare in der Wein-Metropole am Neusiedler See. Was für den See ein Segen war, setzte den Vögeln aber stark zu: überschwemmte Nester verhinderten einen Baby-Rekord im Vorjahr.

Dennoch: die Population wächst stetig, mittlerweile hat man das Niveau der 1960er wieder erreicht und liegt teilweise sogar darüber. Auch heuer ist wieder mit einem starken Jahrgang zu rechnen, in Rust hofft man, dass die Störche heuer wieder viele Babys bringen und es über der Altstadt laut klappert.

Bekommt der Storch Gesellschaft?

Derzeit ist es zwar noch Spekulation, aber nicht unberechtigt: Neben den Störche könnten sich am Neusiedler See künftig auch andere bunte Vögel niederlassen. Am Chiemsee schlagen seit einigen Jahren Flamingos ihr Sommercamp auf. Der Neusiedler See liegt dabei in der Einflugsschneise und wäre ein logischer Halt für die rosanen Großvögel, wenn der Platz am Chiemsee eng wird oder die Reise zu weit ist.

Einige Experten halten den Zuwachs durch Flamingos - dem Klimawandel sei „Dank“ - in näherer Zukunft jedenfalls für möglich. 2003 und 1995 gab es bereits Meldungen über Flamingo-Sichtungen am Neusiedler See. Auch beim Nationalpark Neusiedler See verzeichnete man in der Vergangenheit bereits exotische Sichtungen. Diese blieben aber krasse Ausnahmen - bisher.

Wie es aussehen könnte, wenn sich Flamingos am Neusiedler See ansiederln, verrät die AI.

Storchenstadt ist bereit für fliegende Sommergäste

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