„Im Schatten der Kraniche“: Bernadette Némeths kraftvoller Roman
Neues Buch
Bernadette Némeths neuer Roman behandelt die Stärke der Frauen vor dem Hintergrund des Steinbruchs in St. Margarethen.
Kreativ. In ihrem neuesten Roman widmete sich die Breitenbrunner Autorin Bernadette Németh dem herausfordendem Thema Kriegstraumata und den Auswirkungen bis in die Gegenwart.
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In ihrem neu erschienenen Roman „Im Schatten der Kraniche“ (Wieser Verlag) widmet sich Bernadette Németh einem sehr ernsten und auch schweren Thema: der Stärke der Frauen im Krieg, Zwangsarbeit in den Steinbrüchen im Zweiten Weltkrieg und dem Südostwall-Bau.
„Es ist eine Geschichte über drei Generationen, die auf historischen Fakten beruht. Die handelnden Personen sind jedoch frei erfunden“, erzählt sie. Der Roman spielt rund um den Steinbruch in St. Margarethen.
Die Autorin, eine Wienerin mit ungarischen Wurzeln, die nun mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Breitenbrunn lebt, ist im Zuge von Recherchen für ihren Reiseführer „111 Orte rund um den Neusiedler See, die man gesehen haben muss“ (Emons Verlag) auf das Thema Zwangsarbeit unter den Nazis gestoßen.
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„Zwangsarbeit gab es in fast allen Steinbrüchen und auch am Ende des Zweiten Weltkriegs beim Bau des Südostwalls. Es hat mich erschüttert. Es hat mich auch überrascht, wie schwer man als Nicht-Historikerin zu den geschichtlichen Hintergründen recherchieren kann“, so Németh zur Idee für ihren Roman.
„Es war mir aber ein sehr großes Anliegen, das Thema zu bearbeiten! Ich habe mich immer wieder gefragt, ob ich dem Thema auch gerecht werde, gerade weil es ein so schwieriges ist“, erzählt sie. Daher dauerte es über fünf Jahre, bis der Roman fertig war.
„Es ging mir auch darum, die Stärke der Frauen zu zeigen. Nicht nur die Männer an der Front litten im Krieg. Auch die Frauen mussten vieles ertragen: die Zerstörung um sie herum, die Besatzung und Bedrohung durch die fremden Soldaten. Ihnen wurden aber keine Denkmäler gesetzt, stattdessen wurde es als Selbstverständlichkeit betrachtet“, stellt sie fest. Dies bestätigen auch Zeitzeugenerzählungen ihrer Großmutter und ihrer Mutter, die den Krieg und die Nachkriegszeit in Budapest erlebten.
Doch auch in der Gegenwart werden die Kämpfe der Frauen im Alltag oft nicht gesehen. „Mir war von Anfang an klar, dass die Hauptperson in der Gegenwart eine Sängerin sein muss, die zunächst noch einen unbekannten Bezug zum Steinbruch hat. Ihr Stimmverlust steht auch für das Schweigen zwischen den Generationen. Die Themen Krieg und Zwangsarbeit werden kaum angesprochen“, so Németh.
„Auch die Figur des Intendanten zeigt, unter welchem Druck Frauen stehen und dass sie sich oft nicht dazu äußern können“, ergänzt sie. So bettet Németh historische Fakten in eine fiktive Geschichte mit lebensnahen Charakteren. Aufgrund des Themas war es auch nicht leicht, einen Verlag zu finden. „Ich bin daher sehr dankbar, dass die Kooperation mit dem Wieser Verlag geglückt ist“, erinnert sie sich.
Das Schreiben hilft mir, Dinge einzuordnen... Autorin und Medizinerin Bernadette Németh
Auch in ihren anderen Werken behandelt sie oft herausfordernde Themen, verpackt in Geschichten von fiktiven Charakteren. „Das Schreiben hilft mir, Dinge einzuordnen, die ich schwer begreifen und verarbeiten kann“, erklärt Németh. „Im Schatten der Kraniche“ ist ihr vierter Roman.
Ob Reiseführer, Sachbücher, Kinderbuch, Krimi, Roman, Kurzgeschichten oder Gedichte – die burgenländische Autorin und Wahl-Breitenbrunnerin Bernadette Németh ist ein literarisches Allround-Talent.
Mit dem Schreiben angefangen hat die praktizierende Medizinerin, die in einer Künstlerfamilie aufwuchs, schon in ihrer Kindheit. Ihre Eltern flohen aus dem kommunistischen Ungarn nach Österreich. Auch diese Erfahrungen prägen Némeths literarisches Schaffen.
Nachdem sie selbst Mutter wurde, kam sie auf die Idee, einen Reiseführer zu schreiben, „111 Orte für Kinder in Wien, die man gesehen haben muss“, dem bald der Reiseführer „111 Orte rund um den Neusiedler See, die man gesehen haben muss“ folgte. Dabei lernte sie die Regionen rund um den See besonders gut kennen, was auch in ihren anderen Werken bemerkbar ist.
Die übrigens auch für Leser aus der Region sehr interessant sind, weil Németh Landschaften und Menschen gut wiedergibt. Man erkennt beide sofort. Ein Beispiel dafür ist der Krimi „Neusiedler Tod“ (Gmeiner Verlag).
Zusätzlich verarbeitet Németh ihre alltäglichen Erfahrungen als Ärztin in Gedichten und Kurzgeschichten, und berührt so auch Patienten. „Einer meiner Patienten war ein Kind, das große Angst hatte. So schrieb ich eine Kurzgeschichte, in der es die Hauptfigur wurde“, erinnert sie sich.
Für ihre Arbeit erhielt sie diverse Auszeichnungen, zuletzt den „Burgenländerin“-Award im Jahr 2025 in der Kategorie „Kunst und Kultur“.