Weinlese 2026: Trotz Trockenheit und Rebzikade vorsichtig optimistisch

Nicht viel, aber gut

Die Weinlese im Burgenland steht unmittelbar bevor. Nach Rekordhitze und außergewöhnlicher Trockenheit rechnen Wein Burgenland und Weinbauverband Burgenland heuer mit einer deutlich geringeren Erntemenge als im Vorjahr. Qualitativ zeigt sich das Traubenmaterial bislang aber überraschend gut.

Winzer Leo Sommer, Wein Burgenland-Obmann Herbert Oschep und Weinbauverbands-Präsident Andreas Liegenfeld zeigen sich für den heurigen Jahrgang optimistisch.

Winzer Leo Sommer, Wein Burgenland-Obmann Herbert Oschep und Weinbauverbands-Präsident Andreas Liegenfeld zeigen sich für den heurigen Jahrgang optimistisch.

© Markus Kaiser

"Die Zeit des Wein-Verteilens ist vorbei, die Zeit des Wein-Verkaufens ist gekommen", sagte Herbert Oschep, Obmann von Wein Burgenland, bei der traditionellen Weinlese-Pressekonferenz am Montag. Am Weltmarkt werde derzeit mehr Wein produziert, als konsumiert werde. Die Aufgabe bestehe daher zunehmend darin, die burgenländischen Winzer beim Verkauf ihres Weins zu unterstützen.

Mit Veranstaltungen, Kunst und Kultur sollen zusätzliche Bühnen für den Weinverkauf geschaffen werden. Als Beispiel nannte Oschep die "Rot-Goldene Traube", die heuer mit rund 800 eingereichten Weinen eine Rekordbeteiligung verzeichnete. Solche Veranstaltungen sollen nicht nur Aufmerksamkeit schaffen, sondern auch den Winzern wirtschaftlich etwas bringen.

Die Rekorddürre habe die Arbeit im Weingarten heuer besonders schwierig gemacht und neue Problemstellungen gebracht. Oschep rechnet mit 20 bis 30 Prozent weniger Ernte als 2025. Das vergangene Jahr sei sowohl qualitativ als auch quantitativ außergewöhnlich gut gewesen.

Die Frage könne daher nicht mehr nur lauten: "Wie wird der Jahrgang?" Diese Frage stamme aus einer Zeit, in der nicht jeder Jahrgang zur Reife gelangte. Heute müsse man sich vielmehr fragen: "Was machen wir aus dem Jahrgang?"

Winzer Leo Sommer zeigte sich nach seiner Tour durch die Weingärten am Vortag positiv überrascht: „Trotz der sichtbaren Auswirkungen der Hitze ist das Traubenmaterial hochqualitativ, mit hoher Zuckerreife bei gleichzeitig ausreichender Säure.“

Beim Blaufränkisch bestehe kein Erntestress, zudem zeige er eine elegante Gerbstoffstruktur. Welschriesling liefere hingegen eine gemischte Bilanz, da vor allem jüngere Anlagen unter der Hitze gelitten hätten. Furmint habe aufgrund seiner späten Reife und hohen Säure ein gutes Zukunftspotenzial.

Sommer sieht in der Struktur des burgenländischen Weinbaus auch Vorteile. Die Winzer könnten vom Grundprodukt über die Veredelung bis zur Vermarktung die gesamte Wertschöpfungskette selbst in der Hand behalten. Die Kleinteiligkeit ermögliche es zudem, schnell auf Veränderungen zu reagieren.

So könnten beispielsweise Weingärten von Zweigelt auf Blaufränkisch umveredelt oder Weine leichter ausgebaut werden. Viele kleine Flächen würden außerdem eine Form der Risikostreuung darstellen. Selbst in der Rekordhitze gebe es Lagen, die von den Bedingungen profitieren.

Als Zukunftsthemen nannte Sommer unter anderem die Wahl der Sortenunterlagen und das Wassermanagement. Vorausschauendes Arbeiten werde immer wichtiger. Auch die Weinlese müsse aufgrund der hohen Temperaturen wesentlich schneller erfolgen als im Vorjahr.

Der Start der Lese sei inzwischen deutlich früher möglich. Bereits 2024 begann sie am 22. August. Ein Start im August sei daher nicht mehr ungewöhnlich. Heuer sei mit einem Beginn rund zwei Wochen früher als üblich zu rechnen.

Weinbauverbands-Präsident Andreas Liegenfeld bestätigte die Einschätzung zur Menge. Die Ernte werde voraussichtlich in etwa auf dem Niveau von 2024 liegen, ebenfalls ein sehr warmer Jahrgang. Die Regenfälle der vergangenen Tage hätten zumindest etwas Entlastung gebracht.

"2025 war ein Jahrtausendjahrgang", sagte Liegenfeld mit Blick auf Qualität und Menge. Zudem sei aus diesem Jahrgang auch noch Wein vorhanden. 2026 zeige gleichzeitig, dass der Rebstock ein "Wunderwerk der Natur" sei und selbst Rekordhitze und Trockenheit gut aushalten könne. Ein Vorteil des trockenen Wetters: Mehltau sei kein Thema gewesen, die Trauben seien gesund.

Am Weinmarkt zeige sich ein differenziertes Bild. Während Weißwein eine gute Nachfrage und gute Preise verzeichne, habe es Rotwein derzeit schwerer. Das sei allerdings ein internationales Phänomen. Gerbstoff- und alkoholreichere Weine würden bei hohen Temperaturen weniger getrunken. In den Wintermonaten erwartet Liegenfeld für Rotwein wieder einen besseren Markt.

Der österreichische Markt sei für die heimischen Winzer ein wichtiger Rückhalt. Gleichzeitig dürfe man nicht zulassen, dass der österreichische Markt mit günstigeren Weinen aus dem Ausland überschwemmt werde. Die zentrale Frage sei daher, wo der burgenländische Wein noch besser präsentiert und bestehende Märkte weiter abgesichert werden könnten.

Auch die Rebkrankheit Flavescence dorée beschäftigt den Weinbau. Auf die Gesamtmenge habe sie derzeit noch wenig Einfluss, in einzelnen Anlagen, vor allem rund um den Eisenberg, seien allerdings bereits deutliche Rückgänge zu beobachten.

Laut Liegenfeld wurden die Winzer sensibilisiert und die rechtlichen Rahmenbedingungen gemeinsam mit den Behörden gut umgesetzt. Für 2027 sei allerdings mit mehr Fällen zu rechnen, da sich die heuer erfolgten Infektionen erst im kommenden Jahr zeigen könnten.

Als entscheidend bezeichnete Liegenfeld ein Zusammenspiel aus drei Maßnahmen: Nicht gepflegte Weingärten müssten entfernt werden, bei den Winzern brauche es Aufmerksamkeit und schnelles Handeln – etwa durch Blattproben und die sofortige Entfernung befallener Reben – und auch der Insektizideinsatz werde künftig eine Rolle spielen. Für 2027 soll es dabei Unterstützung für die Winzer geben.

"Diese Krankheit hört nicht an der Grundstücksgrenze auf", betonte Liegenfeld. Während sich Mehltau von einem schlecht bewirtschafteten Weingarten nicht automatisch auf einen guten ausbreite, sei das bei Flavescence anders. Beispiele aus Piemont und Bordeaux würden aber zeigen, dass die Krankheit auch wieder zurückgedrängt werden könne.

Unterstützung vom Bund erwartet sich Liegenfeld insbesondere bei der Beobachtung der Rebzikaden und bei der Entscheidungsfindung. Das entsprechende Zeitfenster liege zwischen Mitte Juni und Ende August.