Der Fächer II

Ninas liebes Geflüster

Blicken wir zurück.

Nina Mayer erzählt in ihrer Kolumne „Ninas liebes Geflüster“ über die Geschichten hinter den Geschichten.

Nina Mayer erzählt in ihrer Kolumne „Ninas liebes Geflüster“ über die Geschichten hinter den Geschichten.

© Nina Mayer

Vergangene Woche schrieb ich die „Fächer-Kolumne“, wenn ihr euch erinnert. Dame. Theater. Fächer. Wut.

Nun hat sich eine Fortsetzung ergeben. Bei einer viel zu heißen Vernissage am Donnerstag traf ich liebe Freunde. Bruno und seine Lebensgefährtin – übrigens eine begnadete Malerin. Die Künstlerin hatte ironischerweise ebenfalls einen Fächer mit dabei, was mich dazu veranlasste, ihnen von meiner Fächer-Story zu erzählen.

Brunos schmunzelnde Anmerkung: „Du könntest eine Fortsetzung schreiben.“ Und dann erzählte er, dass der Fächer in früheren Zeiten kein harmloses Accessoire war - nicht einfach nur ein Kühlgerät für heiße Sommerabende.

Er war eine Sprache, eine nonverbale Grammatik aus Klappen, Neigen, Streichen. Eine Art höfischer Code, der dort begann, wo Worte unangebracht oder zu direkt gewesen wären. In dieser sogenannten „Fächersprache“ konnte ein einziges, anscheinend beiläufiges Bewegen mehr bedeuten als ein ganzer Absatz in einem Liebesbrief.

Auch das zarte Streichen über die Wange hatte seinen Platz in diesem diskreten Repertoire. Je nach Kontext, Geschwindigkeit und vermutlich auch der Dramaturgie des Moments konnte es als Signal von Zuneigung, Interesse oder zumindest wohlwollender Aufmerksamkeit verstanden werden. Die Details variieren je nach Quelle und Epoche, aber die Grundidee bleibt köstlich: Man flirtete mit Luftbewegung.

Wie sehr würde man sich heute manchmal wünschen, gewisse Botschaften wieder so elegant auszulagern. Kein undiskreten WhatsApp-Nachrichten, keine ungalanten Kurzkommentare, nur ein kaum merkliches Fächeln und alles wäre gesagt.

Ich muss gestehen: Nach dieser Vernissage ertappe ich mich bei einem belustigenden Gedanken. Vielleicht sollte ich mich auch mit so einem Requisit ausstatten. Nicht nur gegen Hitze, sondern als kulturelles Statement. Vielleicht versöhne ich mich dann mit dem Fächer und betrachte ihn nicht als Störobjekt, sondern als stilles Stück Kommunikationskunst.