Ein Hauch von Harmonie in Weiß

Ninas liebes Geflüster

Eisenstadt feierte.

Nina Mayer erzählt in ihrer Kolumne „Ninas liebes Geflüster“ über die Geschichten hinter den Geschichten.

Nina Mayer erzählt in ihrer Kolumne „Ninas liebes Geflüster“ über die Geschichten hinter den Geschichten.

© Nina Mayer

Am Wochenende fand eine Veranstaltung statt, die die ganze burgenländische Landeshauptstadt verwandelte: „Eisenstadt in Weiß“. Menschen in heller Kleidung auf Plätzen und in den Gasserln versammelt, das ging über einen Dresscode hinaus. Weiß wurde zum sichtbaren Zeichen einer Idee: Gemeinsamkeit.

Für einen Abend erschien Eisenstadt in einem anderen Licht. Die vertrauten Fassaden wirkten heller, die Wege durch die Stadt offener, die Begegnungen herzlicher. Das Weiß reflektierte nicht nur die letzten Sonnenstrahlen eines Sommertages, sondern auch jene besondere Atmosphäre, die entsteht, wenn viele Menschen Teil eines gemeinsamen Bildes werden.

Vielleicht berührt uns das deshalb so sehr, weil Weiß seit jeher für Aufbruch, Festlichkeit und besondere Momente steht. Es ist die Farbe großer Anlässe, die Farbe, die Bräute wählen, wenn sie einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Die Farbe unbeschriebener Seiten und neuer Geschichten.

Während andernorts oft das Trennende betont wird, setzte „Eisenstadt in Weiß“ auf das Verbindende – einfach durch die Kraft eines gemeinsamen Erlebnisses. So wurde aus einer Farbe Stimmung. Aus einem Abend eine Erinnerung. Und aus einer Stadt ein Ort, der für einige Stunden zeigte, wie schön Gemeinschaft aussehen kann.

Natürlich sieht es am Tag nach einem solchen Fest wieder anders aus. Die Harmonie ist vermutlich nicht mehr ganz so strahlend weiß wie die Kleidung dieses einen Abends. Die Menschen gehen wieder ihren gewohnten Debatten nach, Ansichten treffen aufeinander, und aus Gemeinsamkeit wird wieder Vielfalt, die höflichere Umschreibung für unterschiedliche Meinungen.

Umso schöner, dass Eisenstadt sich für einen Abend daran erinnert hat, wie verbindend ein gemeinsames Bild sein kann.