Hab ich 'nen Zehner?

Ninas liebes Geflüster

Nina Mayer wartet auf die Heiligen drei Könige.

Hab ich 'nen Zehner?

Hab ich 'nen Zehner?

© Nina Mayer

Es gibt Bräuche, die sind so tief in unserer Kultur verankert, dass man sie kaum noch hinterfragt. Weihnachten zum Beispiel. Oder das kollektive Verdrängen des Wortes „Vorsätze“ ab dem 7. Jänner. Und dann gibt es den Tag der Heiligen drei Könige – jenes Datum, an dem plötzlich kleine Menschen mit Kronen vor der Haustür stehen und uns in einen inneren Ausnahmezustand versetzen.

Denn kaum klopft es, schießt einem die entscheidende Frage durch den Kopf: „Habe ich einen Zehner?“ Viele fragen sich auch: „Oder muss ich einen Zwanziger geben, weil neugierigen Nachbarn sicher auf der indiskreten Liste nachschauen, was man springen lassen hat.“ Also beginnt das hektische Suchen nach den Papierscheinen, die man gerade dann nicht zu Hause hat, wenn man sie braucht.

Die Sternsinger selbst wirken erstaunlich professionell. Sie singen tapfer auch dann weiter, wenn man sie mit einem Gesichtsausdruck anschaut, der zwischen „Rührung“ und „Wo ist mein Geld?“ pendelt.

Anschließend wird mit Kreide oder – der modernen Variante – Aufklebern die magische Formel an die Tür geschrieben: 20-C+M+B-26. Jedes Jahr wieder denken Menschen, das seien die Initialen der Könige. Und jedes Jahr wieder wird geduldig erklärt, dass es „Christus mansionem benedicat“ heißt. Was übersetzt so viel bedeutet wie: „Christus segne dieses Haus.“

Am schönsten ist der Moment, wenn man die Tür schließt, stolz auf den Segen blickt und froh ist, dass man die Tradition für dieses Jahr wieder abgehakt hat. Aber was soll man sagen: Was tut man nicht für Glück und Segen, die nun vielleicht eintreten. Und ganz ehrlich – wann sonst darf man verkleideten Königen Geld geben und fühlt sich danach noch ein bisserl moralisch überlegen?

In diesem Sinne: Lang leben die Heiligen drei Könige! Und möge im nächsten Jahr endlich jemand mit Karte zahlen können.