Mit allen Sinnen

Ninas liebes Geflüster

Nina Mayer bekennt sich zu Printausgaben, Philosophenrunden und zeitlosen Musikklassikern.

Nina Mayer schreibt in ihrer Kolumne "Ninas liebes Geflüster" über die Geschichten hinter den Geschichten.

Nina Mayer schreibt in ihrer Kolumne "Ninas liebes Geflüster" über die Geschichten hinter den Geschichten.

© Nina Mayer

Ist es nicht etwas Wunderschönes, sich gemütlich in einen Sessel zu setzen und in einer Zeitung zu schmökern? Vielleicht in einem Café oder entspannt zu Hause im Wohnzimmer. Vielfältig die Auswahl der Artikel, da sollte für jeden etwas dabei sein.

Leider zeichnet es sich als Trend ab, dass Zeitungen immer mehr am Handy oder Computer gelesen werden, dass Informationen in Form von Kurzvideos, sogenannten „Reels“, den Lesern zugeführt werden. Infos möglichst schnell, möglichst grell und bunt, möglichst laut. Ich gestehe: ich bin kein Freund davon. Ich lese Zeitungen nur in ihrer ursprünglichen Form, liebe es, das Papier zu spüren, liebe den Duft der Druckerschwärze in meiner Nase und die Haptik des Papiers.

Langsamkeit liegt diesem Lesegenuss inne, eine gewisse Ruhe, die einen durchströmt, wenn man sich zwischen den Zeilen verliert. Eintauchen in die Welt der Kunst, sich der Literatur hingeben, schmunzeln zu amüsanten Kolumnen. Was gibt es Schöneres?

Sehen, riechen, fühlen - wofür haben wir Sinne? Das Wort „zeitlos“ drängt sich mir auf. Mit Musik ist es ähnlich. Denken wir an Lieder aus vergangenen Ären. „Something Stupid“, „My Way“, „Always On My Mind“. Klassiker, die nie ihren Charme und Stil einbüßen werden.

Ich durfte diese Woche den in Winden lebenden Maler Fritz Grubhofer besuchen. Nicht nur für Malerei schlägt sein Herz, auch der Philosophie und Literatur gibt er sich hin. Einer Offenbarung kam der Besuch in seinem Atelier gleich. Zwei Stunden verloren wir uns in Gesprächen über Nietzsche, Platon und Voltaire. Unglaublich gut tat das! Seinen Geist in andere Sphären zu lenken ...

Man nimmt sich keine Zeit mehr zum Träumen, zum Denken, zum Philosophieren. Schneller, unreflektierter Konsum, frei jeglicher geistigen Freiheit, frei jeglicher Kreativität, frei jeglichen eigenständigen Denkens.

Manchmal frage ich mich schon, wohin das führen soll. Fritz Grubhofer praktiziert sie noch, die Philosophenrunden. Und nein, Bildung und Wissen müssen nicht Voraussetzung für die Teilnahme an solchen sein. Einfach mit dem Partner oder Freunden zusammensitzen, über das Leben an sich sprechen, über Visionen, Fragen der Philosophie, Möglichkeiten.

Und dann einfach mal schauen, was dabei rauskommt.