Romeo, ach Romeo

NINAS LIEBES GEFLÜSTER

Nina Mayer (BVZ) geht der Ursache der Zweiradliebe der 50+-Männer auf den Grund.

Nina Mayer (BVZ) erzählt in ihrer Kolumne "Ninas liebes Geflüster" über die Geschichten hinter den Geschichten.

Nina Mayer (BVZ) erzählt in ihrer Kolumne "Ninas liebes Geflüster" über die Geschichten hinter den Geschichten.

© Nina Mayer

Lustig war es mit 16 Jahren das erste Mal selbstständig motorisiert unterwegs zu sein. Eine Vespa war die Sehnsucht vieler, die Erfüllung des Wunsches ein wahr gewordener Traum. Unglaublich cool kam man sich vor auf dem Moped. Mein Herz schlug für eine Enduro. Ihr wisst schon, die geländegängige Variante - höher und sportlicher.

Nun ja, mit Erlangen des B-Führerscheins und dem ersten eigenen Vierrad wurde der Vorgänger uninteressant. Schließlich kam etwas Besseres nach und der Mensch ist flexibel. Der Freiheit waren nun keine Grenzen mehr gesetzt.

Nun trägt es sich aber in meinem Freundes- und Bekanntenkreis zu, dass die in die Jahre gekommenen (vor allem) Herren, sich wieder eine Vespa zulegen. Acht Männer fallen mir spontan ein. Man soll's nicht glauben: Sie sind stolz auf die Dinger, obwohl einige von ihnen Luxuskarossen ihr Eigen nennen. Ihr ahnt es: ein klarer Fall von Midlife-Crisis.

Was sie sich beweisen wollen? Keine Ahnung! Vielleicht glauben sie, der frische Fahrtwind macht sie wieder jünger! Haha! Sexy sehen sie nämlich nicht gerade aus auf dem Bike. Herzig, irgendwie schon. „Mein Gott ...“, denkt man und kann ein Schmunzeln nicht unterdrücken ob der Freude in den Augen der Romeos.

Ob sie sich in dem Moment des Fahrglücks tatsächlich für Italiener halten oder einfach die Freiheit genießen, die sie sich in diesen kurzen Augenblicken gönnen, lassen wir ihr Geheimnis bleiben.

Ich gestehe euch jetzt was, aber sagt es bitte nicht weiter: Für einen kurzen, schwachen Augenblick liebäugelte ich auch mit so einem Spielzeug, entschied mich aber dagegen. Wenn schon will ich hinten drauf sitzen. Ist ja viel schöner, sich während der Fahrt anzuschmiegen, die Augen zu schließen und dann wirklich noch einmal dem Lebensgefühl nachzuspüren, das man hatte, als man mit 16 Jahren verliebt durch Eisenstadt bretterte. Enorm stolz auf das Moped und den Fahrer.