A bissl älter, ka bissl leiser: Christoph Fälbl zum 60er

Portrait

60 Jahre, fünf Kinder, unzählige Rollen und noch immer kein bisschen leise: Christoph Fälbl gehört zu den Konstanten der heimischen Bühnenlandschaft. Einer, der sein Publikum seit Jahrzehnten zum Lachen bringt, ohne sich je zu verstellen und gerade deshalb so nahbar geblieben ist. Zum runden Geburtstag blickt er nicht zurück, sondern lieber nach vorne. Mit trockenem Humor, Wiener Schmäh und einem feinen Gespür für die leisen Absurditäten des Alltags. Im BVZ-Interview erzählt er Nina Mayer von seinen Sommern in Podersdorf.

Nina Mayer interviewte den Schauspieler Christoph Fälbl anlässlich seines 60. Geburtstags im Café „Hawelka“ in Wien.

Nina Mayer interviewte den Schauspieler Christoph Fälbl anlässlich seines 60. Geburtstags im Café „Hawelka“ in Wien.

© Nina Mayer

Am 6. Mai wird Christoph Fälbl 60 alt. Ein Datum, das nach Rückschau, vielleicht sogar ein wenig nach Pathos klingt. Doch wer ihn kennt, weiß: Daraus wird wohl nichts. Statt einer feierlichen Bilanz gibt es bei ihm eher eine Pointe. Und statt Altersweisheit eine Melange aus Selbstironie, Gelassenheit und der Fähigkeit, das Leben nicht allzu ernst zu nehmen.

Geboren 1966 in Wien, wusste er früh, wohin die Reise gehen sollte. „Ich werde ein Moser!“, verkündete er schon als Volksschüler. Gemeint ist natürlich der Hans. Der Weg dorthin war allerdings kein vorgezeichneter. Zwar war der Traum vom Schauspiel früh da, doch das Leben hatte zunächst andere Pläne.

Neben der Bühne entwickelte sich eine zweite Leidenschaft: das Kochen. Ob in der Küche eines Kaffeehauses einer Freundin der Mutter, in dem er sich als Kind kurzerhand ein Schamerl an den Herd stellte, um sich geröstete Knödel zuzubereiten, oder bei der Großmutter zu Hause, er legte selbst Hand an. Seine berühmten „Fälbl-Palatschinken“ mit Nutella und Zitrone sind bis heute eine kleine Legende im privaten Umfeld.

Es lag also nahe, dass er nach der Schule als Koch und Kellner in der Gastronomie landete. Eine Zeit, die ihn nachhaltig prägte. Denn wer gelernt hat, mit hungrigen, ungeduldigen Gästen umzugehen, entwickelt ganz nebenbei ein feines Gespür für Timing, Tonfall und die Kunst, Menschen für sich zu gewinnen.

Die Schauspielerei kam nicht als plötzlicher Durchbruch, sondern Schritt für Schritt. Unterricht bei Herwig Seeböck ebnete den Weg, doch seinen ganz eigenen Humor konnte niemand lehren. Der ist trocken, manchmal leise, oft selbstironisch, immer nah dran am Leben.

In den 1990er-Jahren war Christoph Fälbl aus der österreichischen Fernsehlandschaft kaum wegzudenken. Serien wie „Kaisermühlen Blues“, „Kommissar Rex“, „Dolce Vita“, „Julia“ oder „Tohuwabohu“ gehörten zu seinem Repertoire. Doch so wichtig diese Stationen waren, sein eigentliches Zuhause fand er dort, wo er unmittelbar mit seinem Publikum in Kontakt treten kann: auf der Bühne.

Eine Rolle begleitete ihn dabei besonders lange: der „Bub“ im Kultstück „Der Watzmann ruft“. Von 1991 bis 2022 stand er in dieser Rolle auf der Bühne. Dass dabei am Ende auch Tränen flossen, überrascht wenig, schließlich war diese Figur über Jahrzehnte ein Teil seines Lebens geworden.

Auch musikalisch-theatralische Ausflüge prägten seine Laufbahn: 2006 stand er im Musical „Csaterberg“ in Oberwart auf der Bühne, gemeinsam mit Willi Resetarits, Schiffkowitz und Wolfgang Ambros, unter der künstlerischen Leitung von Christian Kolonovits.

So präsent er beruflich ist, so bodenständig zeigt sich Fälbl privat. Fünf Kinder im Alter von drei bis 25 Jahren sorgen für einen Alltag, der wohl turbulenter ist als so manches Kabarettprogramm. Und dennoch wirkt er entspannt – vielleicht, weil er gelernt hat, die Dinge mit einer gewissen Gelassenheit zu nehmen.

Seit zwei Jahren ist er zudem wieder verliebt: Seine Partnerin Michelle Härle kommt ebenfalls aus der Branche. Eine Verbindung, die vieles erleichtert und manches komplizierter macht. Denn wenn beide proben, auftreten und unterwegs sind, wird die gemeinsame Zeit oft knapp. Umso wertvoller sind die Momente, die bleiben.

Dass sie dabei auch künstlerisch harmonieren, haben sie bereits bewiesen: Für die beiden wurde „Educating Rita“ neu gedacht, als moderne Interpretation im Stil von „My Fair Lady“. Ein gemeinsames Filmprojekt ist ebenfalls geplant, Details dazu bleiben jedoch noch streng geheim.

Auch auf der Bühne bleibt Fälbl weiterhin präsent: Im wiedereröffneten Gloria Theater steht er noch bis Anfang Mai in „Der nackte Wahnsinn“ auf der Bühne, weitere Produktionen wie „Zwei links, zwei rechts“ und „Hier sind Sie richtig“ folgen.

In Stockerau ist er diesen Sommer ebenfalls zu sehen, nachdem er dort zuletzt große Rollen in „Der Talisman“ und „Diener zweier Herren“ spielte. Parallel dazu tourt er mit seinem Kabarett „Fälbls Melange“ durch Österreich. Am 8. Mai macht er im Kunststadl in Pilgersdorf Station.

Eine besondere Verbindung hat der Schauspieler mit dem schelmischen Lächeln zum Burgenland. In Podersdorf besaß er über Jahre hinweg ein Mobilheim und einen Katamaran – ein Rückzugsort, der für ihn vor allem eines bedeutete: Freiheit. Die Weite des Neusiedler Sees, die entspannte Atmosphäre, das einfache Leben, all das ist für ihn bis heute Inbegriff von Erholung.

Das Älterwerden ist für Christoph Fälbl kein Problem, sondern Material. Programme wie „Midlifepause & Menocrisis“ zeigen, wie er persönliche Erfahrungen in Humor verwandelt. Er erzählt von Fitnessversuchen, körperlichen Zipperlein und dem ganz normalen Wahnsinn des Alltags.

Selbst ungewöhnliche Episoden finden ihren Weg in seine Geschichten: Während der Pandemie, als Erntehelfer fehlten, sprang er kurzerhand am Erdbeerfeld ein, landete aber schließlich im Verkauf der roten Beeren. Zweiteres war für ihn dann doch etwas einfacher und den Kunden gefiel's. „Lehrreich war’s“, sagt er trocken und man ahnt: Solche Erlebnisse verschwinden bei ihm nie einfach, sie werden irgendwann zu Pointen.

Der Traum vom eigenen Wiener Kaffeehaus begleitet ihn seit vielen Jahren. Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, reden, beobachten, Geschichten entstehen lassen. Doch ein Leben zwischen Bühne, Familie und Projekten lässt wenig Raum für ein eigenes Lokal.

Stattdessen hat er einen anderen Zugang gefunden. Im Café „Außergewöhnlich“ von Verena Augustin in Wien lebt er diesen Traum gewissermaßen mit. Dort arbeiten junge Menschen mit besonderen Bedürfnissen mit spürbarer Begeisterung im Service. Drei Tage im Café, drei Tage Ausbildung, ein Modell, das zeigt, wie Inklusion im Alltag funktionieren kann.

Für Fälbl ist dieser Ort mehr als nur ein Café. Er steht für eine Haltung, die ihm wichtig ist: dass Gemeinschaft nur funktioniert, wenn man einander unterstützt. Oder, wie man es auch im Theater kennt: eine Truppe ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Mitglied, das es mit allen Mitteln zu unterstützen gilt, denn jeder hat andere Stärken.

Mit 60 steht Christoph Fälbl mitten im Leben. Vielleicht ein bisserl darüber, wie er selbst sagen würde. Aber genau das macht ihn interessant. Weil er nicht so tut, als hätte er alle Antworten. Sondern weil er zeigt, dass das Leben auch ohne fertige Lösungen ziemlich gut funktionieren kann.

Und vielleicht ist es genau das, was ihn ausmacht: dass er nicht auf der Suche nach dem großen Finale ist, sondern nach der nächsten guten Geschichte, mit der er sich und anderen Freude bereiten kann.

Alles Gute zum Runden, lieber Christoph!