Die Mü, die Tamburica und ein Stück Burgenland
Portrait/Interview
Ab Donnerstag, dem 2. Juli, laden die beliebten Tamburica-Abende im Arkadenhof der Csello-Mühle jeden Donnerstag wieder dazu ein, Musik zu erleben, die tief in der burgenländischen Seele verwurzelt ist.
Ein Tamburica-Abende in der Mü.
© Nina Mayer
Die Tamburica erzählt Geschichten: von Herkunft, Zusammenhalt, Sehnsucht und Lebensfreude. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis, warum diese Abende so gut funktionieren wie kaum eine andere Veranstaltungsreihe. Keine große Inszenierung, kein künstliches Spektakel, sondern Musik, die Menschen verbindet.
Die Wurzeln dieser Tradition reichen tief in die Geschichte der Burgenlandkroatinnen und Burgenlandkroaten zurück. Im 16. Jahrhundert kamen viele kroatische Familien auf der Flucht vor den Türkenkriegen in die Region und prägten das heutige Burgenland über Generationen hinweg mit Sprache, Brauchtum und Kultur.
Von Generation zu Generation
Ein zentrales Symbol dieser Identität wurde die Tamburica. Das Saiteninstrument entwickelte sich zum musikalischen Herz vieler kroatischer Gemeinden. Heute halten rund 35 aktive Ensembles dieses kulturelle Erbe lebendig. Es wird musiziert, gesungen und getanzt, oft generationenübergreifend. Viele Kinder wachsen mit den Klängen der Tamburica auf, lernen früh die Lieder ihrer Großeltern und tragen die Tradition weiter.
Dabei ist die Geschichte der Tamburica im Burgenland eigentlich noch vergleichsweise jung. Erst 1923 entstand in Baumgarten die erste Tamburica-Gruppe des Landes. Was damals mit wenigen Instrumenten begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einer lebendigen Kulturszene.
Selbst schwierige Zeiten konnten diese Tradition nicht dauerhaft verstummen lassen: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Gruppen neu gegründet, Musikschulen und Vereine begannen wieder mit der Ausbildung junger Musikerinnen und Musiker.

© Nina Mayer
Klang gewordene Heimat
Diese gelebte Leidenschaft ist bis heute spürbar. Wer einen Tamburica-Abend besucht, versteht schnell, warum die Musik Menschen berührt. Selbst dann, wenn diese die kroatische Sprache nicht sprechen. Die Lieder handeln von Liebe und Heimat, von Abschied und Wiedersehen, von Wein, Sommer und dem Leben selbst. Melancholie und Lebensfreude liegen dabei oft nur wenige Takte auseinander.
Im Csello entsteht daraus Jahr für Jahr eine besondere Atmosphäre. Unter freiem Himmel eines Sommerabends verschmelzen Musik, Gemeinschaft und Kulinarik zu einem Erlebnis, das zugleich gemütlich und emotional ist. Jede Woche präsentiert eine andere burgenländische Tamburica-Gruppe ihr Können und zeigt, wie lebendig diese Tradition geblieben ist.
Die Anfänge einer Erfolgsgeschichte
Das folgende Interview wurde mit Wolfgang Kuzmits, dem Obmann der Tamburica Trausdorf, geführt. Er gilt gewissermaßen als Initiator dieser Veranstaltungsreihe. Bereits vor rund 30 Jahren begann er gemeinsam mit der Tamburica Trausdorf in der Cselley Mühle die beliebten Dienstagsabende unter dem Titel „Tamburica am Lagerfeuer“ zu gestalten.
Damals stand vor allem die Romantik eines burgenländischen Sommerabends im Mittelpunkt. Rund um das Lagerfeuer wurde musiziert, gesungen und gemeinsam gefeiert. Nicht selten waren die Mitglieder der Tamburica zahlenmäßig stärker vertreten als das Publikum, was der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Im Gegenteil: Gerade diese familiäre Atmosphäre machte den besonderen Charme der Abende aus.

© Nina Mayer
Unvergessene Nächte in der „Mü"
Offiziell wurde von 20 bis 22 Uhr gespielt. Doch wenn die letzten Besucher gegangen waren, begann oft der inoffizielle Teil. Gemeinsam wurde das Klavier in den Innenhof der „Mü“ geschleppt, wo bis tief in die Nacht weiter musiziert wurde. Oft erklangen die letzten Lieder erst gegen drei Uhr morgens. Es waren unvergessene Zeiten voller Musik, Freundschaft und jener Lebensfreude, die bis heute den Geist der burgenländischen Tamburica prägt.
Im Gespräch erinnert sich Wolfgang Kuzmits an diese Anfänge, die Entwicklung der Veranstaltungsreihe und die Bedeutung der Tamburizza für das kulturelle Leben im Burgenland.

© zVg
INTERVIEW MIT WOLFGANG KUZMITS
Nina Mayer: Erinnern Sie sich noch an den ersten Tamburica-Abend im Csello?
Wolfgang Kuzmits: Sehr gut. Es war am 19. Juli 1994. Die Idee zu diesem Abend kam von Robert Schneider. Er wollte diese zutiefst burgenländische Volksmusik aus ihrem traditionellen Kleid herausholen. So hatte er die Idee, „Tamburica am Lagerfeuer“ jeweils am Dienstag im Juli und August im pannonischen Ambiente der Cselley Mühle zu veranstalten. Eigentlich ging es nur um die Liebe zur Musik und die Gaudi, die wir beim Spielen hatten. Robert grillte Spanferkel, wir musizierten.
Was macht den Reiz dieser Abende aus?
Kuzmits: Der Reiz liegt darin, dass diese Abende echt und ungezwungen sind. Zwischen Musikern und Publikum entsteht rasch eine besondere Verbindung. Wir spielen nicht nur für die Gäste, sondern mit ihnen. Es wird gesungen, mitgeklatscht und gemeinsam gefeiert. Wenn der Funke überspringt und alle Teil des Erlebnisses werden, ist das für uns das Schönste an einem Tamburica-Abend.
Wie haben sich die Tamburica-Abende im Laufe der Zeit verändert?
Kuzmits: Immer mehr Leute kamen, um mitzufeiern, das kulinarische Angebot wurde ausgeweitet. Früher spielten wir etwa 20 Jahre hinter dem Stadl, dann verlegten wir die Veranstaltung in den Innenhof. Plötzlich gab es eine Bühne, Ton- und Lichttechnik. Der Zauber und die Magie wurden dadurch aber auf keinen Fall weniger, denn unsere Spielfreude ist ungebrochen groß und das Ambiente der Mühle romantisch wie eh und je.
Warum funktionieren diese Abende so gut und sind jedes Mal ausverkauft?
Kuzmits: Das liegt sicher am mediterranen Charakter der Musik. Sommerflair kommt auf, Assoziationen mit Kroatien, der Klang der Tamburica erinnert an den einer Mandoline. Das berührt. Dazu die Melodieführung, die Sprache und sicher auch die traditionellen Trachten, in denen wir auftreten. Diese Abende in der Cselley-Mühle spiegeln burgenländische Tradition wider, begleitet von Speis und Trank.
Worauf dürfen sich die Besucher am ersten Abend freuen?
Kuzmits: Auf ein bunt gemischtes Programm. Natürlich sind traditionelle Lieder der Region dabei - ich denke zum Beispiel an „Sve ptičice iz gore“ und „Daj mi daj“ - aber auch modernere Schlager, wie „Večeras nas“ und „Plovi mala barka“.
Warum berührt diese Musik auch Menschen, die kein Kroatisch sprechen?
Kuzmits: Die Melodieführung ist besonders schön und leicht zugänglich, ohne dabei an musikalischer Qualität einzubüßen. Vor allem aber steckt in dieser Musik viel Herz und Emotion. Gefühle wie Freude, Sehnsucht oder Verbundenheit versteht man auch ohne Sprachkenntnisse – und genau das berührt die Menschen.
Welche Themen beinhalten die Lieder?
Kuzmits: Im Mittelpunkt steht vor allem die Liebe – in all ihren Facetten. Daneben greifen die Lieder Themen wie Freundschaft, Geselligkeit und den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft auf. Viele der eher melancholischen Stücke erzählen von Sehnsucht und Erinnerungen an die „alte Heimat“ und spiegeln die Verbundenheit mit den eigenen Wurzeln wider.
Was würden Sie jemandem sagen, der noch nie auf einem Tamburica-Abend war?
Wolfgang Kuzmits: Hinkommen, Augen schließen, genießen und dann einfach mitreißen lassen.
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