Madame Mensch & Frau Mademoiselle erobern Eisenstädter Landhaus
Portrait
Im Rahmen von „Landtag Unplugged“ traten am Dienstag die burgenländischen Kabarettistinnen Karin Maria Neuherz und Angelika Parik auf. Als „Madame Mensch und Frau Mademoiselle“ entführten sie in eine Welt zwischen Emanzentum und habsburgerischer Koketterie, geprägt von höfischen Affären und Anekdoten.
Angelika Barik und Karin Maria Neuherz bezaubern mit ihrem Programm „Madame Mensch und Frau Mademoiselle“. Im Rahmen von „Landtag Unplugged“ traten die beiden im Eisenstädter Landhaus auf, um eine Kostprobe ihres Könnens zu geben.
© Josef Steiger
Eigentlich arbeiten die beiden Neo-Künstlerinnen im sozialen Bereich. Die Tageswerkstätte in Neusiedl ist ihr berufliches Zuhause, in der sie mit ihren Klienten mit viel Einfühlungsvermögen und Liebe den Alltag leben.
Karin Maria Neuherz wuchs in Tadten im Seewinkel auf. 16 Jahre arbeitete sie in einem Büro, dann entschied sie sich aus familiären Beweggründen eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin zu absolvieren, die sie zu ihrer jetzigen Arbeit führte. Kreativität kann sie dort ausleben und vermitteln, darin findet sie sich auch selbst.
Wie das Leben so spielt, lernte sie in der Förderwerkstätte ihre Kollegin Angelika Barik kennen. Schnell entwickelte sich eine tiefe Freundschaft zur Neusiedlerin, die ebenfalls Quereinsteigerin in den sozialen Bereich war. Zuvor schloss sie eine Druckgrafikerausbildung ab, dann eine zweijährige Musicalausbildung.
Theater gespielt hat Angelika Parik schon immer, Bühnenluft zu schnuppern gefiel ihr, zum Beispiel die beim Laientheater in Frauenkirchen. Und auch in einem Chor hat sie mitgewirkt, eine Tatsache, die ihr später noch zugutekommen sollte.
© Josef Steiger, Josef Steiger
Freundschaft und mehr
Sieben Jahre ist es her, dass die beiden Frauen einander kennenlernten. 2024 dann der Schritt in eine gemeinsame künstlerische Zukunft. Oft plauderten die beiden Ladies, wie es so üblich ist, über das andere Geschlecht. Viele Parallelen fanden sie, nicht immer schnitten die Herren bei der Verhaltensanalyse gut ab. Stoff für ein Kabarett, wie Karin und Angelika fanden.
Nun hieß es das Sammelsurium an Erfahrungen in einem Programm zu verarbeiten. „CAtheCO“ - Cabaret**Theater**Comedy - nennen sie ihren Bühnenmix, „Madame Mensch und Frau Mademoiselle“ ihr aktuelles Programm. Worum es dabei geht?
Die G'schicht hinter der G'schicht ist folgende. Frau Mademoiselle entstammt dem Habsburgergeschlecht. Eine Großcousine Sisis ist sie, eine Frau der Jahrhundertwende, etwas altmodisch und sehr der Männerwelt zugetan. Bei einer Wanderung mit Großcousine Sisi stürzt sie in eine Gletscherspalte und war nie wieder gesehen. Der gute Ruf stand am Hofe über allem, also wurde über den Unfall Stillschweigen vereinbart.
Zurück in die Jetztzeit. Madame Mensch, alias Karin Maria Neuherz, findet bei einem Ausflug auf den Berg die Habsburgerin und taut sie auf. Ein Forschungsprojekt für die Wissenschaftlerin. Die Figur Madame Mensch wird komplett konträr gezeichnet. Eine Emanze, enttäuscht von den Männern, kritisch ihnen gegenüber und doch ein bisserl verhärmt.

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Affären über Affären
Ja, da stoßen schon zwei Welten aufeinander und auf gegenseitiges Unverständnis. Was folgt ist eine langsame Annäherung. Madame Mensch, die anfänglich nur das „Korsett“ alter Zeiten sah, die Abhängigkeit von einem Ehemann im 19. Jahrhundert, erkennt mit der Zeit, dass das Leben für Frau Mademoiselle gar nicht so schlecht war und sie sich ihre Freiheiten herausnahm. Vor allem bewundert sie die Leichtigkeit und Verspieltheit der höfischen Dame.
Einen reichen Mann hatte diese an ihrer Seite, Liebe fand sie in ihren zahlreichen Affären. Da wäre zum Beispiel der fesche Reitlehrer gewesen, der Kutscher, ach ja, nicht zu vergessen, der Tanzlehrer, mit dem nicht nur Walzer praktiziert wurde. Oh la la!
Trotzdem versucht Madame Mensch, in ihrer Strukturiertheit und ihrem analytischen Denken folgend, Frau Mademoiselle zu einer modernen Frau zu formen, was ihr aber - dem Himmel sei Dank - nur bedingt gelingt. Die nymphomanisch Angehauchte bleibt sich treu.
Kennen Sie Luziwuzi?
Spannung erzeugen diese konträr gezeichneten Figuren und immer stärker tritt die Quintessenz zu Tage: Es braucht ein gutes Miteinander. Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht das Geschlecht. Das Schlimmste ist ein Verurteilen des Gegenübers. Erfahrungen muss sowieso jeder selbst sammeln, wichtig sei es, sich nicht von der Gesellschaft oder irgendwelchen Artgenossen einschränken zu lassen.
Viele Habsburgerfiguren werden uns im Programm der beiden Burgenländerinnen liebevoll und mit Augenzwinkern nähergebracht. Neben Sisi wären da zum Beispiel der Luziwuzi, Ludwig Viktor von Österreich, Bruder von Kaiser Franz Josef, der als schrägster Habsburger gilt. Ein Freigeist mit „speziellen Neigungen“, skandalös umwittert. Henriette von Nassau-Weilburg, die am Hofe in Wien den Christbaum eingeführt hat, Franz Ferdinand oder Gräfin Windisch-Graetz.
Im Landhaus wurde gelacht. Das Publikum fand Gefallen an den beiden Damen, die unter anderem schaulich darstellten, wie Männer den Christbaum ins Kreuz schlagen. Durchaus eine familiäre Herausforderung, die schon mal zu Streitigkeiten führen kann.
Weihnachtskeks wurden besprochen, die bei uns im Burgenland noch immer zärtlich „Krapferl“ genannt werden und die man - wie die höfische Dame verriet, nicht bei der Hofbäckerei Demel käuflich erwerben soll, sondern bei den burgenländischen Bäckerinnen.

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Eisenstädter Ende
Gereimt wurde viel von Madame Karin, unterbrochen noch mehr von Mademoiselle Angelika, der zu jeder Verszeile charmante, historische Anekdoterl einfielen. Gesungen wurde auch - ganz im Sinne von Florence Foster-Jenkins - laut und bekennend schön falsch.
Besonders belustigte folgende Gegebenheit: Der Luziwuzi hat's übertrieben und wurde nach Salzburg verbannt (soweit historisch belegt). Mademoiselle folgerte scharfsinnig: „Es hätt' ihn schlimmer treffen können . Eisenstadt!“Madame flüsterte in den heiligen Hallen des Landhauses: „Hör auf! Blamiere uns nicht! Wenn das der Dosko hört! Der ist eh so heikel auf sein Burgenland!“ Ja, wie gesagt: charmant mit viel Lokalkolorit.
Termine und News
Wer nun neugierig geworden ist, kann live bei den nächsten Programmen dabei sein: Am 28. November wird um 19.30 Uhr im“ Weinwerk“ in Neusiedl „Advent, Advent, das Vanillekipferl brennt“ gespielt, am 20. Dezember um 19 Uhr im „Martinsschlössl* in Donnerskirchen.
Nähere Infos gibt es auf den sozialen Medien Facebook und Instagram unter: „madame.mensch“.

© Nina Mayer