Rabiater Gatte spielte vor Frauenhaus Liebeslieder: Prozess

Bezirk Eisenstadt

Frau und Kind hatten im Frauenhaus Zuflucht gefunden. Der Ehemann, ein Rumäne, ließ seine Frau auch dort nicht in Ruhe.

Der Angeklagte erhielt eine Diversion: Er muss gemeinnützige Arbeiten verrichten.

Der Angeklagte erhielt eine Diversion: Er muss gemeinnützige Arbeiten verrichten.

© BVZ/Kirchmeir

Der 28-Jährige mit Wohnsitz im Bezirk Eisenstadt wurde von der Staatsanwaltschaft wegen Stalkings, fortgesetzter Gewaltausübung gegenüber seiner Frau, einer gefährlichen Drohung via Video und des Verstoßes gegen das Waffengesetz angeklagt.

Vor Gericht bekannte sich der 28-Jährige am 12. Februar 2024 nur zu einem Delikt schuldig: Er gab zu, ein Luftdruckgewehr und einen Elektroschocker besessen zu haben, obwohl er einem Waffenverbot unterlag, das im Zuge des Betretungsverbotes verhängt worden war.

Die Frau hatte sich von dem 28-Jährigen getrennt, weil dieser ihr gegenüber gewalttätig geworden war. Von 2020 bis Anfang 2022 sei sie geschlagen und getreten worden, hatte die Frau bei ihrer Einvernahme angegeben.

Alkoholisiert tauchte der Ehemann vor dem Frauenhaus auf

Obwohl er zu seiner Ehefrau keinen Kontakt aufnehmen durfte, hatte sich der Angeklagte von seinem Großvater im Auto zum Frauenhaus fahren lassen. Offenbar erheblich alkoholisiert, sang er dort rumänische Liebeslieder.

In einem live an seine 2.000 Facebook-Freunde übertragenen Video soll er auf Rumänisch gedroht haben, er werde „alle erhängen“.

„Sie fordern den Freundeskreis auf, das Video zu teilen, damit es zu 'der Schlampe gelangt'“, hielt die Richterin dem Angeklagten vor.

„Um meine Frau ging es nicht“, behauptete der Angeklagte. „Ich meinte jeden, der meinem Kind etwas Schlechtes antun will.“

„Wer wollte Ihrem Kind etwas Schlechtes antun?“, fragte die Staatsanwältin. „Keine bestimmte Person, nur allgemein“, antwortete der Angeklagte. „Und da sagen Sie, Sie wollen alle erhängen?“, wunderte sich die Staatsanwältin.

Video wurde live auf Facebook übertragen

Der Angeklagte gab zu, in betrunkenem Zustand herumgefahren und rumänische Lieder gespielt zu haben. 20 Bier und eineinhalb Liter Schnaps habe er damals getrunken. Bei dieser Gelegenheit soll auch das Video entstanden sein, das auf Facebook übertragen wurde. Man sieht darauf den Angeklagten mit dem Elektroschocker hantieren.

„Soll ich jemanden mit dem Elektroschocker erhängen, wenn ich nicht einmal ein Seil haben?“, gab sich der Angeklagte neunmalschlau.

Mehrfach war er angezeigt worden, weil er das Betretungsverbot nicht einhielt. „Bis August wusste ich nicht einmal, wo das Frauenhaus ist“, behauptete der Angeklagte. „Ich traf sie zufällig auf der Straße. Ich bin ein freier Mensch.“

„Hatte gegenüber eine Geliebte“

Er habe das Frauenhaus nur deshalb entdeckt, weil er „im Haus gegenüber eine Geliebte“ hatte. „Auf einmal kam sie heraus und fotografierte mich. Ich war geschockt“, sagte der Angeklagte.

Geschlagen habe er seine Frau, die er 2019 kennengelernt und 2021 geheiratet hatte, nie. Er habe seine Frau auch nie getreten oder zuhause eingesperrt. Das sei nur einmal „irrtümlich“ passiert. Aufgrund der Vorfälle befindet sich das Ehepaar jetzt in Scheidung.

Der Angeklagte wurde schließlich vom Vorwurf des Stalkings freigesprochen. Auch stellte sich heraus, dass er seine Frau nicht fortgesetzt sondern nur einzelne Male misshandelt hatte. Wegen dieser leichten Körperverletzungen, der Drohung im Video und des Verstoßes gegen das Waffenverbot erhielt er eine Diversion: Wenn der Rumäne 120 Stunden gemeinnützige Leistungen erbracht hat, wird das Strafverfahren gegen ihn eingestellt.

Hilfe bei Gewalt

Das Gewaltschutzzentrum Burgenland erreichen Sie unter:

Telefon: 03352 31420

Informationen finden Sie unter: www.gewaltschutz.at