Am Kirtag: Begrapschte Besucher die Tochter eines Polizisten?

Situation eskalierte

Ein 59-jähriger Mann soll im April 2026 zuerst die Tochter eines hohen Polizeibeamten unsittlich berührt und dann ihren Vater mit der Faust geschlagen haben.

Bei der Toilette soll ein Kirtagsbesucher einer Frau aufs Gesäß gegriffen haben.

Bei der Toilette soll ein Kirtagsbesucher einer Frau aufs Gesäß gegriffen haben.

© Symbolbild: Shutterstock/PORNPI

Die Vorfälle sollen sich bei einem Kirtag im Bezirk Eisenstadt zugetragen haben. Am Mittwoch, 8. Juli 2026, musste sich der mutmaßliche 59-jährige Täter wegen versuchter schwerer Körperverletzung und sexueller Belästigung am Landesgericht Eisenstadt verantworten.

Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig. Sechs große Bier habe er an diesem Nachmittag im April am Kirtag bereits konsumiert gehabt, als er die Toilette aufsuchte. Später stellte die Polizei bei ihm eine Alkoholisierung von einem Promille fest.

„Ein bissl lustiger als normal“, habe er sich damals gefühlt, so der Angeklagte. Die ihm unbekannte 35-jährige Kirtagsbesucherin sei bei der Toilette an dem Tisch gestanden, wo das Personal saß.

„Ich schlängelte mich an ihr vorbei. Es kann sein, dass ich sie bei der Hüfte berührte“, sagte der Angeklagte.

„Ich sprach mit der Anlagenbetreiberin, da spürte ich einen kräftigen Grapscher am Gesäß“, schilderte hingegen die Frau den Vorfall. „So richtig fest. Die Hand blieb dort, ich drehte mich um und sagte: Was soll das? Hör' auf damit!“

Daraufhin sei sie von dem Mann als „Schlampe“ beschimpft worden. „Er sagte: Halt' die Gosch'n.“ Eine Drängerei habe es am WC nicht gegeben: „Es waren nicht so viele Leute dort“, sagte die Frau.

Am Rückweg ins Festzelt, wo ihr Mann, ihr Vater und dessen Lebensgefährtin saßen, seien ihr die Tränen gekommen, „weil mir bewusst wurde, was passiert ist“.

Der Vater der Frau, hoher Polizeibeamter in der Landespolizeidirektion, stellte unmittelbar danach den mutmaßlichen Grapscher zur Rede. „Ich sagte, greif' meiner Tochter nie wieder auf das Gesäß und auch keiner anderen Frau, sonst bekommst du Probleme“, so der Polizist in seiner Zeugenaussage vor Gericht. „Er legte mir amikal den Arm um die Schulter und sagte: Was willst'?“, so der Polizeibeamte weiter.

„Die Probleme begannen eine Stunde später“, behauptete der Angeklagte vor Gericht.

Da kam es nämlich im Pissoir der Kirtags-Toilette zu einem zufälligen Zusammentreffen des 59-Jährigen mit dem hohen Polizisten. „Auf einmal hatte ich eine Hand auf der Gurgel“, gab der Angeklagte an. „Du greifst meine Tochter nicht mehr an“, habe der Polizist gesagt. Er wäre beinahe bewusstlos geworden, so der Angeklagte.

„Ich zwickte und kratzte und schlug ihm zweimal mit der Faust auf den Kopf“, schilderte er die Situation.

„Wenn ich gewusst hätte, dass er drinnen ist, wäre ich nicht reingegangen“, sagte der Polizeibeamte vor Gericht. „Er sagte: Ich hau' dir gleich in die Gosch'n!“, erinnerte er sich. „Da hagelten schon die ersten Schläge.“

Erst jetzt habe er sich als Polizist zu erkennen gegeben, so der Zeuge weiter. „Ich sagte, ich stelle mich in den Dienst. Er schlug weiter auf mich ein. Ich sagte, du bist verhaftet“, berichtete der Beamte.

„Ich sah, wie ein Mann mit Fäusten auf ihn einschlug“, gab die Lebensgefährtin des Polizisten vor Gericht an, die sich auf die Suche nach ihrem Partner gemacht hatte, nachdem dieser auffällig lange nicht von der Toilette zurückgekehrt war. „Ich schrie: Aufhören!, und wollte mich dazwischenstellen.“

Ihr Lebensgefährte forderte sie jedoch auf, die Polizei zu rufen. „Das aggressive Verhalten hat mich schockiert“, sagte die Zeugin. Das Gesicht ihres Partners sei blutverschmiert gewesen, bei einem Schlag sei dessen Brille zu Boden gefallen.

Die Aussagen des Polizisten bezeichnete der Angeklagte vor Gericht als „richtigen Lügenbericht“.

„Ich bin lange im Geschäft, Frau Rat“, sagte der Polizist zur Richterin. „Ich wurde bewusst geschlagen.“

Nach dem Vorfall kam es im Krankenhaus zu einem weiteren Zusammentreffen des Polizisten mit dem 59-Jährigen. „Es war unangenehm“, so der Polizist. „Er ging zum Röntgen und sagte: Hoffentlich hast a bissl Geld im Börsel eing'steckt und schönen Gruß an deine Tochter.“

Befragt wurden auch jene Frau und ihr Enkel, die damals bei der Toilette am Kirtag Dienst gemacht hatten. Während die Frau einen gezielten Griff aufs Gesäß der Tochter gesehen haben und es „klatschen“ gehört haben will, relativierte ihr Enkel seine erste Aussage und wollte einen „gezielten Griff“ nicht mehr bestätigen.

Der Prozess wurde vertagt.