Spritzen-Attacke: Ex-Freundin zog Vorwurf zurück
Wiener angeklagt
Eine Eisenstädterin hatte einen Wiener angezeigt und behauptet, dieser habe ihr im Schlaf eine Drogenspritze verabreicht.
Der Wiener bekannte sich vor Gericht nicht schuldig.
© BVZ/Kirchmeir
Wegen dieses Vorwurfs und eines Zwischenfalls am 28. Oktober 2023 in einer Eisenstädter Wohnhausanlage musste sich der 31-jährige Wiener am 31. Jänner 2023 vor Gericht verantworten.
Beim Betreten des Gerichtsgebäudes hatte sich der Angeklagte auffällig verhalten. Deshalb fragte Richterin Doris Halper-Praunias zu Beginn des Prozesses: „Es besteht der Verdacht, dass Sie unter Drogeneinfluss stehen. Können Sie dem Gang des Verfahrens folgen?“
Der Wiener erklärte, er habe keine Drogen genommen. Er sei arbeitssuchend und lebe von der Sozialhilfe. Vermögen? „Nein, leider.“ Schulden? „Nein, Gottseidank.“
Zwei Vorstrafen sind im Strafregister des Angeklagten bereits eingetreten, davon eine wegen Körperverletzung.
Im Sommer 2023 hatte der Wiener eine Eisenstädterin kennengelernt und war mit ihr eine Beziehung eingegangen. Zuvor habe die Eisenstädterin mit einer Frau in einer Beziehung gelebt. Diese Ex-Freundin der Eisenstädterin gab später an, diese Beziehung habe zwölf Jahre gedauert und sei erst im Oktober 2023 beendet worden.
Opa sollte Taxifahrt von Wien nach Eisenstadt zahlen
Die Eisenstädterin und der Wiener nahmen sich am 28. Oktober ein Taxi von Wien in die burgenländische Landeshauptstadt. Zahlen sollte das Taxi der 89-jährige Großvater der Ex-Freundin der Eisenstädterin.
Als dieser sich weigerte, kam es zum Streit.
„Er hat mich mit dem Gehstock geschlagen“, behauptete der Angeklagte. Da habe er dem Pensionisten den Gehstock weggenommen und dessen Kapperl in einen Mistkübel geworfen.
Vorgeworfen wird dem Wiener seitens der Staatsanwaltschaft, er habe den 89-Jährigen zu Boden gestoßen und auf ihn eingetreten. Dabei habe der betagte Mann mehrere Verletzungen erlitten, unter anderem ein Peitschenschlagsyndrom.
Außerdem soll er der Ex-Freundin der Eisenstädterin einen Faustschlag auf den Kopf versetzt haben.
Drohgebärde des Halsabschneidens gezeigt?
Beide Frauen gaben an, der Wiener habe ihnen gegenüber eine Drohgebärde gezeigt, indem er mit dem Daumen über seine Kehle gefahren sei.
Erst am 14. Dezember 2023 erhob die Eisenstädterin dann bei der Polizei weitere Vorwürfe gegenüber dem Wiener. Dieser habe ihr am 25. Oktober 2023 eine Spritze verabreicht, während sie schlief. In dieser Spritze habe sich Substitol oder Kokain befunden. Danach habe sie einen Tag lang unter Übelkeit gellitten.
Auch habe ihr der Wiener das Handy weggenommen und verkauft.
„Zu dem Handy und irgendwelchen Spritzen bekenne ich mich auf keinen Fall schuldig!“, widersprach der Angeklagte. Auch habe er die Ex-Freundin der Eisenstädterin und deren Großvater nicht geschlagen.
Er sei lange im Substitutionsprogramm gewesen. „Ich habe es geschafft, dass ich jetzt fclean bin“, sagte der Wiener. Nur habe er mit der Eisenstädterin „ziemlich viel Kokain genommen“.
Im Hof der Eisenstädter Wohnhausanlage sei es am 28. Oktober nur zu einem heftigen Wortgefecht gekommen.
„Der Taxler wollte schon den Hund mitnehmen!“
Nach viel Streiterei habe der Opa der Ex-Freundin der Eisenstädterin die Taxifahrt bezahlt. „Der Taxler wollte schon den Hund meiner Freundin mitnehmen“, erinnerte sich der Angeklagte.
Die Ex-Freundin der Eisenstädterin sei dann „mit dem verdammten Stock auf mich losgegangen“, so der Angeklagte. „Es tat weh, da bin ich noch mehr ausgezuckt. Ich dachte, es reicht mir langsam.“
Zugeschlagen habe er „auf gar keinen Fall“.
„Ich schlag' keine Frauen, keine 90-jährigen Leute“, gab sich der Angeklagte völlig unschuldig.
Und die Geste des Halsabschneidens - das sei „nicht sein Stil“, so der Wiener.
Die Ex-Freundin der Eisenstädterin wurde als Zeugin befragt. Verwandt oder verschwägert mit dem Angeklagten? „Na, danke.“
Sei sei am 28. Oktober mittags von ihrer Mutter mit den Worten geweckt worden, ihr Opa sei „zusammengeschlagen“ worden.
Sie habe dann ihre Ex-Freundin getroffen. „Sie sagte, sie wurde von dem Angeklagten angejunkt und will zu mir zurück“, berichtete die 31-jährige Zeugin.
Im Innenhof der Eisenstädter Wohnhausanlage, wo die Frauen leben, sei sie von dem Angeklagten geschlagen und getreten worden, schilderte sie den Vorfall vom 28. Oktober.
Angeklagter: „Schlage keine Frauen“ - Opfer: „Ich habe Zeugen“
„Hätte ich nur einmal hingehaut, wäre sie k.o. gewesen“, warf der Angeklagte dazwischen ein. „Außerdem schlage ich keine Frauen.“
„Ich habe vier Zeugen!“, erwiderte die 31-Jährige.
Die danach befragte Ex-Freundin des Angeklagten zog ihre Vorwürfe hinsichtlich der angeblich verabreichten Spritze und des verkauften Handys vor Gericht zurück.
Den Vorfall mit der Spritze habe es gar nicht gegeben, beim Verkauf des Handys sei sie selbst dabei gewesen.
Der Prozess wurde vertagt. Eine Nachbarin, den den Vorfall in der Wohnhausanlage angeblich beobachtet hatte, soll als Zeugin befragt werden.