115 Apfelbäume im Klimatest
Streuobst-Monitoring
Seit 2014 ist die Streuobstfläche im Südburgenland laut einer neuen Kartierung um zehn bis 20 Prozent zurückgegangen. Ein burgenlandweites Projekt soll zeigen, wie junge Obstbäume mit Hitze, Trockenheit und anderen Folgen des Klimawandels zurechtkommen.
Die Streuobstbestände sind im Südburgenland im Zurückgehen.
© Verein Wieseninitiative
Ein Baum bekommt regelmäßig Wasser, der andere muss ohne zusätzliche Bewässerung auskommen. Manche Bäume werden gedüngt, andere wachsen völlig ohne Nährstoffzugaben. Was zunächst nach unterschiedlichen Auffassungen über die richtige Obstbaumpflege klingt, ist beim "Streuobst-Monitoring" des Vereins "Wieseninitiative" ausdrücklich erwünscht. Denn gerade diese Unterschiede sollen helfen, Antworten auf eine immer drängendere Frage zu finden: Wie können Streuobstbäume mit den veränderten Klimabedingungen zurechtkommen?
Insgesamt wurden 115 junge Apfelbäume der Sorte „Siebenschläfer“ im gesamten Burgenland verteilt. Dabei handelt es sich um eine spätaustreibende Lokalsorte aus dem Raum Burgauberg. Die Teilnehmer erhielten die Bäumchen kostenlos. Im Gegenzug berichten sie regelmäßig über deren Gesundheitszustand, die Bedingungen am Standort und die durchgeführten Pflegemaßnahmen. "Wir bekommen Rückmeldungen und werten die auch laufend aus", sagt Brigitte Gerger vom Verein "Wieseninitiative".
Von 100 bis 700 Meter Seehöhe
Die Bäume im Monitoring wachsen unter höchst unterschiedlichen Bedingungen. Ihre Standorte liegen zwischen 100 und 700 Metern Seehöhe, in ebenem Gelände oder an Hängen, auf südlich oder nördlich ausgerichteten Flächen. Manche stehen sonnig, andere schattig, manche sind dem Wind ausgesetzt, andere wachsen geschützt.
Auch die Böden unterscheiden sich. Sie reichen von sandig bis lehmig. Einige Bäume stehen in unmittelbarer Nähe versiegelter Flächen, andere weit davon entfernt. Etwa ein Drittel wurde in Gärten gepflanzt, die übrigen Bäumchen stehen an Wegrändern oder auf Streuobstwiesen.
"Gerade diese Vielfalt ist für das Monitoring wichtig. Denn nicht jeder Obstbaum wächst unter denselben Voraussetzungen. Was an einem Standort funktioniert, muss an einem anderen noch lange nicht die beste Lösung sein", heißt es von der "Wieseninitiative".
Gießen oder nicht gießen?
Besonders große Unterschiede gibt es bei der Pflege. Einige Teilnehmer:innen gießen ihre Bäumchen regelmäßig, andere überhaupt nicht. Manche versorgen sie mit Kompost, Hornspänen, Gesteinsmehl oder Mist. Wieder andere verwenden Pflanzenjauchen. Rund die Hälfte der jungen Apfelbäume wurde bisher gar nicht gedüngt.
Auch beim Baumschnitt gehen die Besitzer unterschiedlich vor. Einige haben ihre Bäumchen unmittelbar nach der Pflanzung geschnitten, andere noch nicht. Dazu kommen Maßnahmen wie ein Kalkanstrich, das Entfernen der Vegetation rund um den Stamm oder das Mulchen der Baumscheibe.
Die Projektverantwortlichen begrüßen diese unterschiedlichen Vorgehensweisen ausdrücklich. Sie erhoffen sich daraus Erkenntnisse, welche Pflegemaßnahmen für bestimmte Standorte besonders geeignet sind.
Streuobstflächen gehen zurück
Wie wichtig die Erhaltung der traditionellen Obstwiesen ist, zeigt die Entwicklung im Südburgenland. Laut einer aktuellen Kartierung ging die Streuobstfläche in den Bezirken Güssing und Jennersdorf seit 2014 um zehn bis 20 Prozent zurück. "Die Streuobstflächen gehen nach wie vor zurück. Es wird schon nachgepflanzt, vornehmlich im Hausgarten, aber in der freien Landschaft sind Streuobstbestände nach wie vor im Zurückgehen", sagt Gerger.
Und damit steht eine Landschaftsform unter Druck, die über Generationen das Bild der Region geprägt hat.
Eine zusätzliche Herausforderung ist der Klimawandel. Schon jetzt beeinflussen veränderte Wetterbedingungen die Streuobstwiesen der Region. Längere Dürreperioden, große Hitze und Starkregenereignisse dürften künftig häufiger und intensiver auftreten.
Gleichzeitig bringen mildere Winter nicht nur Vorteile. Wenn Obstbäume früher blühen, steigt die Gefahr, dass Spätfröste Schäden verursachen. Auch Teilnehmer des Monitorings haben die Auswirkungen der Wetterbedingungen bereits im vergangenen Jahr gespürt.
Durch ihre große Sortenvielfalt und die starkwüchsigen Bäume sind Streuobstwiesen an unterschiedliche Bedingungen gut angepasst. Dennoch müssen Wege gefunden werden, um sie auch unter den künftigen klimatischen Verhältnissen gesund zu erhalten.
Antworten für die nächsten Jahre
Die 115 Apfelbäume im Monitoring sollen in den kommenden Jahren weiter beobachtet werden. Dabei werden sowohl ihr Wachstum als auch ihr Gesundheitszustand dokumentiert.
Aus den gesammelten Erfahrungen möchten die Projektverantwortlichen im besten Fall Empfehlungen ableiten, die auf unterschiedliche Standorte abgestimmt sind. Ziel ist eine Baumpflege, die den Herausforderungen des Klimawandels besser gerecht wird.
Das Monitoring ist Teil des Projekts „Maßnahmen zur Erhaltung der Streuobstwiesen im Burgenland“ und wird vom Land Burgenland und der Europäischen Union gefördert.