Die SPÖ-Prominenz feierte in Neudörfl mit eindringlichen Reden

150 Jahre Parteigründung

Zum Jubiläum am Gründungsort wurde „der Zusammenhalt in der Sozialdemokratie“ und die Warnung vor der „autoritären Wende“ beschworen. Leise interne Zwischentöne gab es auch. Im Vordergrund stand aber das Historische: Am 150. Jahrestag der Parteigründung wurde daran erinnert, dass man „nur gemeinsam“ wieder in Regierungsverantwortung kommen könne.

Die SPÖ-Prominenz feierte in Neudörfl mit eindringlichen Reden

© Wolfgang Millendorfer

Einen „Hauch Geschichte“ verspürte Neudörfls Bürgermeister Dieter Posch im Festsaal des Martinihofes: Vor genau 50 Jahren wurde hier unter dem späteren Bundeskanzler Bruno Kreisky das 100-jährige Jubiläum der Sozialdemokratie in Österreich begangen, jetzt begrüßte Andreas Babler als Bundesparteivorsitzender den vollen Saal.

Prominent besetzt waren die ersten Reihen: Alt-Bundespräsident Heinz Fischer hielt die Festrede, die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures gab mit Babler im Podiumsgespräch einen Ausblick auf kommende Herausforderungen, sprich Wahlen, Bundes-Gewerkschafter wie Josef Muchitsch, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Gäste aus den Länderorganisationen waren dabei.

Auch die burgenländische SPÖ war stark vertreten, neben den Funktionärinnen und Funktionären aus den Bezirken standen unter anderem die beiden Alt-Landeshauptmänner Hans Niessl und Hans Sipötz, die frühere Landtagspräsidentin Verena Dunst und ihr Vorgänger Christian Illedits oder der einstige Minister Norbert Darabos bei den Begrüßungen zu Beginn im Vordergrund.

Doskozil ließ „ein herzliches Freundschaft“ ausrichten

Aus dem aktuellen Regierungsteam war jedoch niemand dabei, die Landes-SPÖ repräsentierten Klubobmann Roland Fürst, Geschäftsführerin Jasmin Puchwein und zahlreiche Abgeordnete, darunter die beiden SPÖ-Parlamentarier Maximilian Köllner und Christian Drobits.

Die offiziellen Grußworte kamen, wie angekündigt, von Roland Fürst: Er richtete „ein herzliches Freundschaft“ von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil aus. Wie berichtet, nahm der Landeschef aufgrund seiner Operationswunde am Kehlkopf nicht an der Jubiläumsfeier teil.

Dass Doskozil und Babler vor genau einem Jahr im internen Wahlkampf um den Parteivorsitz Gegner waren, musste nicht extra erwähnt werden. Auch damals stand der Martinihof einmal im Mittelpunkt: Doskozil und Alt-Kanzler Christian Kern hatten im selben Saal Stimmung für die Vorsitzwahl gemacht.

In den Reden schwang dieses Mal der Aufruf zur „Einheit der Partei“ mit. Als erster Redner erinnerte sich Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Dieter Posch an seine Sozialisation bei den Roten Falken und Kindefreunden: „Und wer immer so etwas erlebt hat, der wird sich nicht nach tagesaktuellen Umfragen richten, sondern nach seiner Gesinnung.“

„Miteinander reden“

Seine Begrüßung schloss Posch mit einem Appell: Trotz unterschiedlicher Wege müsse man „miteinander und nicht übereinander reden“. Doris Bures knüpfte an: „Wir müssen auch ,Freundschaft‘ meinen, wenn wir es sagen!“

In seiner Rede konzentrierte sich Klubchef Fürst auf das Burgenland: Immerhin feiere man heuer 60 Jahre sozialdemokratische Landeshauptmänner im Land. Die Voraussetzung sei, „dass man Wahlen gewinnt und in die Regierung kommt. Das ist uns, glaube ich, im Burgenland gelungen“, erwähnte er die absolute Mehrheit, inklusive Seitenhieb auf die Regierung Kurz.

Dann zählte Fürst sämtliche burgenländische SPÖ-Kernthemen auf: Mindestlohn, Pflege, Gesundheit oder Energie – und selbst ein weiterer Seitenhieb auf die Opposition und deren Kritik an der Budgetpolitik war drinnen. Man werde den „burgenländischen Weg weitergehen“, kündigte Fürst an, und: „Es muss doch klar sein, dass eine erfolgreiche Sozialdemokratie im urbanen Raum anders handeln muss, als im ländlichen Raum.“

Das Ziel sei dennoch ein gemeinsames: „Ich bin zuversichtlich, dass wir die nächsten Wahlen auf allen Ebenen gewinnen werden und können, wenn wir zusammenhalten und im Sinne unserer Gründerväter Verantwortung tragen.“

Babler warnt und motiviert

An Bundesparteichef Andreas Babler und der Zweiten Nationalratspräsidentin Bures lag es schließlich, die „Richtungsentscheidungen“ bei der Europa- und Nationalratswahl zu beschwören: Er warnte vor einer „autoritären Wende“ unter einer schwarz-blauen Bundesregierung, vor „Angriffen auf demokratische Instanzen“, gegen die man seitens der SPÖ klar auftreten wolle: „Diese Demokratie zu schützen, darum geht es“, sagte der Parteichef.

Dass die Sozialdemokratie Wahlen auch unter schwierigen Bedingungen gewinnen könne, habe sich in der Vergangenheit mehrfach gezeigt, so Babler, jetzt müsse es „mit dem Anspruch, die Lebensbedingungen für jeden Menschen zu verbessern“ gelingen. Eine „historische Verantwortung“, wie Bures und auch Alt-Bundespräsident Heinz Fischer meinen.

Die SPÖ-Prominenz feierte in Neudörfl mit eindringlichen Reden

© Wolfgang Millendorfer

Der frühere Bundespräsident blickte in einer historisch fundierten Rede zurück in die Vergangenheit und plädierte für „Einheit, Solidarität und Disziplin“. Von der Delegiertenkonferenz mit 74 Vertretern der Arbeitervereine 1874 im damals noch ungarischen Neudörfl bis zur offiziellen Gründung einer geeinten Partei im niederösterreichischen Hainfeld seien 15 Jahre vergangen, wegen Meinungsverschiedenheiten zwischen Radikalen und Gemäßigten innerhalb der Partei, so Fischer.

Seitdem seien Einheit, Solidarität und Disziplin mitentscheidend für den Erfolg der Sozialdemokratie gewesen. „Sie werden auch im 21. Jahrhundert von gleicher Wichtigkeit sein. Das ist meine Überzeugung“, so Fischer. Er rief dazu auf, sich „auf die Fähigkeit, ehrlich zu diskutieren und entschlossen zu handeln“ zu besinnen: „Eine wichtige Etappe für das Schicksal Europas und auch für unsere Demokratie liegt vor uns.“