17-Jähriger wegen Nazi-Bildern vor Schwurgericht

Wiederbetätigung und Missbrauchsbilder

Bereits mit 14 Jahren verschickte ein Schüler Bilder mit verbotenen Motiven. Jetzt ist er 17 und stand vor einem Schwurgericht.

Der 17-Jährige musste sich vor einem speziellen Jugend-Schwurgericht verantworten.

Der 17-Jährige musste sich vor einem speziellen Jugend-Schwurgericht verantworten.

© Kirchmeir

"Er stellte Bilder, Memes und Sticker in Chats anderen zur Verfügung", berichtete die Staatsanwältin beim Schwurprozess am 4. November 2026 über den heute 17-Jährigen. Dieser soll sich im nationalsozialistischen Sinn wiederbetätigt und Bilder von missbrauchten Kindern geteilt haben.

Vorgeworfen wurde ihm, diese Taten bereits 2023 und 2024 begangen zu haben. Damals war der Jugendliche aus dem Bezirk Mattersburg gerade 14 Jahre alt und strafmündig. Frühere Taten können ihm nicht vorgeworfen werden.

Als die Geschworenen angelobt werden, grinst der Angeklagte und schüttelt den Kopf. Auch, dass die Verhandlung aufgenommen wird, veranlasst ihn, den Kopf zu schütteln.

"Gott weiß meine Fehler"

"Ich war jung und dumm", sagt er zu den Vorwürfen. "Was soll ich machen? Gott weiß meine Fehler."

Später meint er: "Gott kann mich richten, wenn ich in den Himmel komme."

"Vorher kommen wir", erklärt ihm eine der drei Richterinnen.

Als ihm die Bilder mit nationalsozialistischen Motiven gezeigt werden, die er auf WhatsApp an Schulkollegen und seine Ex-Freundin verschickt hatte, lacht er. "Es gibt nichts zu lachen", ermahnt ihn eine der Richterinnen.

"Wegen dieser Bilder muss ich lachen. Sie brauchen mich nicht angehen. Ich habe Ihnen nichts getan", erwidert der Angeklagte.

"Du bist lustig. Dich vergas' ich zuerst", steht auf einem der Sticker, die er verschickte. Ein anderer fragt: "Willst du eine Hitlerjugend-Anmeldung".

Bei einer Hausdurchsuchung Ende Oktober 2024 hatte die Kriminalpolizei einschlägige Devotionalien aus der Zeit des Nationalsozialismus bei dem Angeklagten gefunden. Auf seinem iPhone waren die verbotenen Bilder gespeichert.

"Ich bin eigentlich kein Nazi"

"Ich bin eigentlich kein Nazi, ich habe auch ausländische Freunde", sagte der 17-Jährige. Seine Geschichtelehrerin hatte angegeben, dass der Schüler über ein erstaunlich detailliertes Wissen über die NS-Zeit verfügte.

Eine andere Lehrerin hatte erzählt, dass der Jugendliche laut seinen Mitschülern hinter ihrem Rücken den "Hitler-Gruß" gezeigt und Hakenkreuze gezeichnet haben soll. "Wenn es keine Beweise gibt, sagte ich nichts dazu, Gott ist mein Zeuge", meinte der Angeklagte.

Das Thema "Nationalsozialismus" sei ihm "egal". Er wisse, dass sechs Millionen Juden getötet wurden. "Es wurden aber auch 60 Millionen Christen von den Russen umgebracht, darüber redet keiner", sagte er.

"Verharmlosung" der nationalsozialistischen Gräueltaten wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. "Man muss wissen, dass das nicht in Ordnung ist, das sagt einem der Menschenverstand", erklärt die Jugendrichterin.

"Ich habe keinen Genozid gemacht"

"Wenn Sie wollen, können Sie mich gerne strafen", sagt der Angeklagte. "Man soll aus der Geschichte lernen", ermahnt ihn die Richterin. "Habe ich ja", trumpft der Angeklagte auf. "Ich habe keinen Genozid gemacht."

Als er sich über die Geschworenen beschwert, die ihn beobachten, ermahnt ihn eine der Richterinnen: "Sie sind bei Gericht. Benehmen Sie sich."

"Behandeln Sie mich auch anständig", empört sich der Angeklagte. "Ich stehe auf und beende die Sitzung, ich schwöre bei Gott", wird er laut. "Weil mir Sachen vorgeworfen werden, die nicht stimmen. Es wird über mich geurteilt, dabei ist Gott der Größte, der die Strafe verteilen soll."

Sechs Monate bedingte Haft und Gedenkstätten-Besuch

Der 17-Jährige wurde von den Geschworenen schuldig gesprochen. Er erhielt eine bedingte Haftstrafe von sechs Monaten und die Weisung, sich einer Psychotherapie zu unterziehen. Außerdem muss er unter Begleitung eine KZ-Gedenkstätte besuchen und bekommt Bewährungshilfe.