Eine Aussage zu viel? Spielabbruch in Stinatz

2. Klasse Süd B

Das 2. Klasse Süd B-Duell Stinatz gegen Eltendorf wurde nach dem Treffer zum 3:0 für die Gäste knapp 15 Minuten vor Schluss abgebrochen. Die Heimischen wollten nicht mehr weiterspielen. Eine Aussage eines Gäste-Spielers in Richtung Stinatz-Trainer brachte die Gemüter zum Kochen. Welche Folgen dieser Spielabbruch haben wird, soll am Donnerstag im Straf- und Meldeausschuss (STRUMA) geklärt werden. Die BVZ fragte schon im Vorfeld nach.

Der Sportplatz des FC Stinatz (hier ein Archivbild) war am Samstag Schauplatz eines Spielabbruchs.

Der Sportplatz des FC Stinatz (hier ein Archivbild) war am Samstag Schauplatz eines Spielabbruchs.

© BVZ

Mit Karl Heinz Ziermann war ein routinierter Unparteiischer mit Landesliga-Erfahrung am Werk. Sportlich war mit dem 3:0 für Tabellenführer Eltendorf die Sache gegessen. Das besagte dritte Tor erzielte Martin Joszt in Minute 78. Soweit, so gut.

Nach dem Torjubel soll ein Eltendorf-Spieler allerdings eine verhängnisvolle Wortmeldung Richtung Stinatzer Bank - konkret Richtung Coach Wilhelm Blaskovits - gemacht haben. Denn in der Folge gingen die Wogen hoch, inklusive Tumult außerhalb des Spielfelds. Zwischen den Betreuerbänken brodelte es mächtig, die Spannungen übertrugen sich auch auf manche Zuschauer. So beschrieb es jedenfalls Benjamin Steuer, Chef der Schiedsrichter im Burgenland, der sich den Vorfall von Ziermann berichten ließ. „Der Schiedsrichter hat sich daraufhin entschlossen, die Mannschaften in die Kabine zu schicken. In weiterer Folge wollten die Stinatzer das Match dann aber nicht mehr fortsetzen, woraufhin es zum Abbruch gekommen ist. Aufgrund dieser einen Aussage ist die Situation offensichtlich eskaliert.“

Das Problem an der Sache: Der Referee konnte nicht vernehmen, was genau gesagt wurde. Das bestätigte Karl Heinz Ziermann auch am Sonntagvormittag auf Nachfrage gegenüber der BVZ: „Ich habe definitiv nicht gehört, was gesagt wurde.“ Vielmehr sei es aber seine Aufgabe, auf die Reaktionen am Platz zu reagieren. Deshalb wurden die Teams auch in die Kabine geschickt, um die gesamte Situation zu beruhigen. „Natürlich habe ich nach dem Abgang in die Kabinen dann probiert, dass die Partie im Anschluss auch wieder normal fortgesetzt wird.“ Ziermann stieß hier aber von Stinatzer Seite aus auf Granit: „Der Trainer des FC Stinatz sagte mir nur, er lasse sich nicht rassistisch beleidigen. Die Mannschaft hat sich jedenfalls geweigert, weiterzuspielen.“

Stein des Anstoßes: „Österreich siegt“-Ruf

Hier kommt ganz offensichtlich der Faktor „Burgenlandkroaten“ zum Tragen. Stinatz (Stinjaki) ist bekanntlich stolz auf seine Zweisprachigkeit. Und Klub-Obmann Peter Zsifkovits schilderte die Situation gegenüber der BVZ wie folgt: „In Minute 78 erzielte Eltendorf das 3:0, daraufhin ist ein Spieler der Eltendorfer in Richtung unseres Trainers gelaufen und hat mit geballter Faust ´Österreich siegt´ geschrien. Ich habe das nicht genau mitbekommen, aber einige Zuschauer haben mir das bestätigt. Unser Trainer ist dann in Richtung Schiedsrichter gelaufen, um ihm das zu berichten. Weil er die Coachingzone verlassen hat, hat er die Rote Karte bekommen. In der Folge hat der Schiedsrichter beide Teams in die Kabine beordert. Für uns war klar, dass wir nach dieser Aussage nicht weiterspielen.“

Eltendorfs Sportlicher Leiter Rainer Pummer sagte zum Vorfall: „Das Ganze ist im Jubel passiert, es war eine unübersichtliche Situation - und kaum jemand, auch nicht der Schiedsrichter, weiß, was genau passiert ist. Sollte besagte Aussage getroffen worden sein, distanzieren wir uns ganz klar davon. Wir lehnen jede Form von diskriminierenden und rassistischen Äußerungen ab. Meinen Infos nach wollte die Stinatzer Mannschaft zunächst weiterspielen, aber der Trainer hat sich geweigert. Zudem mussten wir uns ab Minute eins extreme Beleidigungen von Stinatzer Seite gefallen lassen, das war nicht korrekt. So macht´s jedenfalls wenig Spaß - es ist schade, dass der Fußballnachmittag dann so endete.“

Und auch Steuer musste nüchtern klarstellen: „Wir können niemanden zwingen weiterzuspielen. Der Abbruch war dann die logische Folge. Ziermanns Vorgehensweise war jedenfalls korrekt. Ich hätte es auch so gemacht, dass ich die Mannschaften in die Kabinen geschickt hätte. Ab Sommer kommt übrigens ein verpflichtender Dreistufen-Plan, wo genau das beschrieben ist. Der Referee hat in Anlehnung an diesen Plan gehandelt.“

Am Donnerstag wird die Causa vom Straf- und Meldeausschuss (kurz STRUMA) behandelt. Beide Vereine werden dort aussagen. Dann gilt es sportrechtlich herauszufinden, wessen Schuld der Abbruch letztlich war und was die Konsequenzen daraus sind. Im Bereich des Möglichen sind Strafverifizierungen der abgebrochenen Begegnung - je nachdem, ob die Weigerung des FC Stinatz betreffend Fortführung gerechtfertigt war, oder eben nicht. War sie nicht gerechtfertigt, droht das bestehende 0:3 in ein strafverifiziertes 0:3 umgewandelt zu werden - rein am Ergebnis würde sich dann gar nichts ändern. Kommt das rot-goldene Sportgericht zu dem Schluss, dass ein berechtigter Grund bestand, sich an der Fortsetzung zu weigern, könnte es ein 3:0 für Stinatz geben. Auch eine Restspielzeit wäre theoretisch möglich. Sehr wahrscheinlich ist diese Variante allerdings nichts.