Rainer Raab: „Unsere Trappen sind Wohlstandsvögel“
30 Jahre Trappenschutz
Auf der Parndorfer Platte hat sich die einst vom Aussterben bedrohte Großtrappe zur weltweit dichtesten Population entwickelt. Möglich machte das eine einzigartige Allianz aus Landwirtschaft, Naturschutz und EU-Förderung. Zum 30-Jahr-Jubiläum des Schutzprogramms ziehen Fachleute eine positive Bilanz – und blicken zuversichtlich in die Zukunft.
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Ein Fernglas steht bereit, als sich ein Trupp von rund zwanzig Großtrappen in der Ferne zeigt. Landesrätin Anja Haider-Wallner, Europaschutzgebiet-Obmann Werner Falb-Meixner (Vizepräsident der Landwirtschaftskammer) und Großtrappenkoordinator Rainer Raab blicken gemeinsam mit Medienvertretern vom Aussichtsturm nahe Pama über die flache Landschaft. Die Balzzeit ist zwar vorbei, doch die imposanten Vögel lassen sich dennoch gut beobachten.
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30 Jahre Trappenschutz: Burgenlands stiller Naturschutzerfolg
Dass die Großtrappe (Otis tarda) – der schwerste flugfähige Vogel Mitteleuropas – hier in so großer Zahl zu sehen ist, gilt als Erfolg eines außergewöhnlichen Naturschutzprojekts. In den 1990er-Jahren stand die Art kurz vor dem Verschwinden, heute beherbergt das Schutzgebiet Parndorfer Platte – Heideboden – Hanság mit 681 Individuen die weltweit höchste Dichte.

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Den Grundstein legten engagierte Naturschützer wie Hans Wurm und Werner Falb-Meixner nach dem EU-Beitritt Österreichs 1995. „Begonnen hat alles, als wir Möglichkeit entdeckten, EU-Gelder für Artenschutzprojekte zu lukrieren“, erinnert sich Falb-Meixner. Schon im gleichen Jahr wurde die Interessensgemeinschaft (IG) Europaschutzgebiet Parndorfer Platte gegründet – ein Zusammenschluss von Gemeinden (Bruckneudorf, Deutsch Jahrndorf, Gattendorf, Kittsee, Neudorf, Nickelsdorf, Pama, Parndor und Zurndorf), Jägern, Bäuerinnen, Naturschützern und Behörden. „Die IG ist Goldes Wert. Es ist das Um und Auf, dass alle Interessengruppen miteinander reden“, erklärt Falb-Meixner einen Baustein für den Erfolg des Projekts.
Vom Acker zum Lebensraum
Ein entscheidender Hebel war die finanzielle Unterstützung durch das Österreichische Programm für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL). Statt Getreide oder Raps bewirtschaften Bäuerinnen und Bauern heute über 700 Hektar Schutzflächen und 200 Hektar Winteräsungsflächen für die Trappen. „Die Bauern produzieren gerne Lebensraum, wenn sie davon auch finanziell profitieren“, sagt Falb-Meixner.
90 Prozent der Landwirtschaft auf der Parndorfer Platte sind biologisch. Das nützt nicht nur der Großtrappe: „Wir bekommen hochwertige Lebensmittel, die Trappen genug Insekten, um ihre Jungen zu füttern“, sagt Haider-Wallner. Auch seltene Arten wie Kaiseradler und Rotfußfalken finden hier Rückzugsräume – es gibt hier eine Artenvielfalt, wie sie sonst nur im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel vorkommt.
„Die Großtrappe ist eine nach EU-Recht streng geschützte Art. Der Aufbau einer langfristig überlebensfähigen Population ist damit nicht nur unsere Verantwortung, sondern auch Verpflichtung – und genau das ist hier eindrucksvoll gelungen“, betont Haider-Wallner.
Vorbild für Europa
Rainer Raab, Mitteleuropäischer Großtrappenkoordinator im Bund, unterstreicht diesen Erfolg:. „Trotz weltweiter Rückgänge von über 30 Prozent in nur elf Jahren konnte die mitteleuropäische Großtrappenpopulation in der Pannonischen Region dank gezielter Schutzmaßnahmen im gleichen Zeitraum verdoppelt werden.“ Gelungen ist das durch Lebensraumverbesserungen, Erdverkabelung und Leitungsmarkierungen - und die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Infrastrukturbetreibern, Landwirtschaft und Jagd.

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Ein neues LIFE-Projekt in Höhe von 20 Millionen Euro steht kurz vor dem Start. Acht Länder sollen beteiligt sein. Ziel ist es, die bewährten Methoden aus dem Burgenland in andere europäische Regionen zu übertragen. Die Laufzeit beträgt 7,5 Jahre.
Auswirkungen des Klimawandels
Seit einiger Zeit beobachtet der Trappenexperte allerdings Veränderungen im Verhalten der Tiere. Grund ist der Klimawandel. Trappen, die früher offenes Gelände bevorzugten, suchen heute zunehmend Schatten. Zudemnehmen die Tiere Flüssigkeit nicht mehr ausreichend über die Nahrung auf. „Im Rahmen des neuen Förderprojekts wollen wir deshalb Bäume pflanzen und Tümpel anlegen“, so Raab.
Dass sich die Trappen hier besonders wohlfühlen, zeigt auch ihre Standorttreue. „Unsere Vögel sind ‚Wohlstandstrappen‘“, sagt Raab und schmunzelt. „Sie fliegen nicht weit, sondern bleiben in einem Umkreis von fünf bis zwanzig Kilometern. Sie finden hier alles, was sie brauchen.“