Ungarn stahlen auf Friedhöfen und bei Kirchen
50.000 € Schaden
Metallskulpturen von Friedhöfen, Kupferregenrinnen von Kirchen: Eine ungarische Einbrecherbande richtete im Südburgenland großen Schaden an.
Zunächst war von fünf nur ein Angeklagter anwesend, später kam ein zweiter dazu.
© BVZ/KIrchmeir
2023 und 2024 sollen vier Ungarn im Südburgenland zahlreiche Einbruchsdiebstähle verübt haben. Ein fünfter ungarischer Beteiligter soll das Diebesgut in seinem Gebrauchtwarengeschäft zum Verkauf angeboten haben.
Am Montag, 11. Mai 2026, sollten die fünf Männer am Landesgericht Eisenstadt auf der Anklagebank sitzen. Dort nahm aber vorerst nur der mutmaßliche Hehler Platz. Später klopfte es zaghaft am Nebeneingang zum großen Schwurgerichtssaal und ein weiterer Angeklagter trat ein. Von den übrigen drei fehlte jede Spur.
29 Fakten wirft die Staatsanwältin der Bande vor. Der Schaden soll bei mehr als 50.000 Euro liegen. Die Einbruchsdiebstähle sollen unter anderem in Oberwart, Schandorf, Eisenberg, Rechnitz und Gaas bei Eberau begangen worden sein.
Zeugin beobachtete Täter bei Kirche
In Höll, Katastralgemeinde von Deutsch Schützen-Eisenberg, beobachtete eine Zeugin am 10. Juli 2024 zwei Männer beim Diebstahl von Kupferdachrinnen, die an der Kirche befestigt waren. Die Diebe konnten vertrieben werden, zurück blieb ein Auto, in dem sich vier Skulpturen befanden, die offenbar zuvor vom Friedhof in Eisenberg an der Pinka gestohlen worden waren.
Einbruchsdiebstähle wurden auch in Lager, Werkstätten, Kellerstöckl und Baucontainer verzeichnet. Die Besitzer zeigten dabei vorwiegend den Diebstahl von Werkzeug an.
Der wegen Hehlerei angeklagte 38-jährige Ungar bekannte sich nicht schuldig. Er habe verschiedene Gegenstände von einem Mitangeklagten gekauft. Es handelte sich um einen jener Männer, die dem Prozess unentschuldigt ferngeblieben waren.
Funktionsfähige Geräte vom Sperrmüll?
„Hielten Sie es für möglich, dass die Sachen gestohlen sind?“, fragte die Richterin. „Nein, weil ich und alle meine Freunde auch schon Gegenstände mitgenommen haben“, sagte der Angeklagte. Er sei selbst zum „Sperrmüllsammeln“ im Burgenland unterwegs gewesen.
Ein Teil des Diebesguts hatte bei dem Gebrauchtwarenhändler sichergestellt werden können. „Das waren nicht die schlechtesten Gegenstände“, sagte die Staatsanwältin. „Das sollen alles Leute in Österreich in den Müll geworfen haben?“, wunderte sie sich und verwies auf funktionsfähige Markengeräte von Bosch oder Hilti.
Angeklagter schilderte „Sammelaktionen“
„Wir fahren mit dem Bus nach Österreich und fragen bei den Häusern nach, ob sie etwas haben, was sie nicht mehr brauchen“, schilderte der 38-Jährige die Vorgangsweise. Man würde auch „Werbezettel“ verteilen, „darauf steht, was wir gerne wollen und dass sie das am nächsten Tag vors Haus stellen sollen“.
Der zweite anwesende Angeklagte, ein 52-jähriger Bauarbeiter, gab zu, zwei bis vier Mal als Chauffeur mit dem Erstangeklagten nach Österreich gefahren zu sein. „Er sagte, dass wir Arbeit suchen“, so der Angeklagte. Dazu sei es aber nicht gekommen, hingegen habe der Erstangeklagte Kupferdachrinnen in sein Auto eingeladen. Beim nächsten Mal sei der Erstangeklagte mit Skulpturen zurückgekommen.
Der Prozess wurde auf September vertagt. Die Staatsanwältin beantragte für die nicht anwesenden Angeklagte eine Ausschreibung zur Verhaftung und die Verhängung einer Kaution.