175.000 Euro Schaden: Fahrraddiebe verurteilt
50 Opfer
Innerhalb von 21 Monaten stahl eine Bande Dutzende Fahrräder, Quads, eine Schneefräse, Rasenmähertraktoren und Mofas.
Die drei Angeklagten vorne müssen 2,5 bzw. drei Jahre im Gefängnis verbringen, ihr Komplize - auf der Anklagebank gegenüber - ging nach der Urteilsverkündung frei.
© BVZ/Kirchmeir
Dank aufwändiger Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft, auch in enger Zusammenarbeit mit den ungarischen Behörden, konnten drei Ungarn im Alter von 40, 24 und 23 Jahren und ein 27-jähriger Slowake ausgeforscht und verhaftet werden. Sie bekannten sich am 20. August 2024 am Landesgericht Eisenstadt weitgehend schuldig.
Bei Hundevereinen Rasenmähertraktoren gestohlen
Begonnen hatte die Diebstahlserie Anfang Mai 2022 in Markt Allhau. Die Täter kletterten über einen Maschendrahtzaun und stahlen vom Gelände des Hundevereins Lafnitztal einen Rasenmähertraktor und zwei Fahrräder. Rund drei Wochen später suchten sie einen weiteren Hundeverein in Markt St. Martin heim und stahlen wiederum einen Rasenmähertraktor.
Ein Jahr später setzten die Täter ihre Diebstahlserie fort. In den Bezirken Neusiedl am See, Eisenstadt, Mattersburg und Oberpullendorf, sowie in niederösterreichischen Ortschaften in der Buckligen Welt, in Wiener Neustadt und im Bezirk Neunkirchen stahlen sie Dutzende Fahrräder, E-Bikes und Mountainbikes.
Fünfmal wurden in Ritzing Fahrräder gestohlen
Allein die Ortschaft Ritzing wurde fünfmal zum Tatort. Unter den Opfern dort war auch ein Ehepaar, das den Strafprozess gegen die Fahrraddiebe als Zuhörer im Gerichtssaal beobachtete.
„Zwei E-Bikes, fünf Rennräder und ein Mountainbike wurden mir gestohlen“, berichtete der bestohlene Ritzinger. Nur eines der Fahrräder habe er, allerdings beschädigt, zurückbekommen, es sei in der Nähe von Budapest gefunden worden.
Innerhalb einer Nacht waren die Täter zweimal in die versperrte Wohnhausanlage eingedrungen und hatte zunächst sieben Fahrräder des Ritzingers gestohlen. Drei Wochen später vermisste er dann ein weiteres Fahrrad. Gesamtschaden: 8.200 Euro. Doch damit nicht genug: Anfang Jänner 2024 stahlen die dreisten Diebe in derselben Ritzinger Wohnhausanlage auch eine Schneefräse, die in einem versperrten Stiegenhaus verwahrt worden war.
Fahrradschlösser stellten kein Hindernis dar
Die Täter brachen in unterschiedlichen Konstellationen in Wohnhausanlagen, Abstellkammern, Fahrradkeller, Garagen, Lagerhallen ein, kletterten über Zäune, brachen Schlösser auf, mit denen die Fahrräder gesichert worden waren.
Opfer in Apetlon, Nickelsdorf, Andau, Illmitz, Podersdorf, Neusiedl am See, Rust, Siegendorf, Oggau, Eisenstadt, Rohrbach, Mattersburg, Neudörfl, Weingraben, Stoob, Tschurndorf, Unterfrauenhaid und Draßmarkt mussten mit Bedauern zur Kenntnis nehmen, dass ihre als sicher verwahrt geglaubten Fahrräder gestohlen worden waren.
Dazu kamen die bereits erwähnten Tatorte in Ritzing, Markt Allhau und Markt St. Martin sowie weitere in Schwarzenbach, Aspang, Wiesmath, Hochwolkersdorf, Kirchberg am Wechsel, St. Corona, Schiltern, Wiener Neustadt, Oberwaltersdorf und anderen Ortschaften.
Gesamtschaden 175.000 Euro bei 50 Diebstahlsfakten
Der gesamte Schaden liegt laut Staatsanwaltschaft bei 175.000 Euro. Die letzten Straftaten wurden Anfang 2024 begangen, 50 Fakten sind dokumentiert.
Anhand eines DNA-Treffers, Zeugenwahrnehmungen, Beobachtungen zu den bei den Einbruchsdiebstählen verwendeten Fahrzeugen, Rufdatenrückerfassungen und der Auswertung von Verkehrskameras konnten die Täter überführt werden. Sie sind untereinander verwandt, verschwägert und befreundet und leben alle in oder in der Nähe von Kapuvar.
Ungarischer Hehler kaufte die gestohlenen Fahrräder
Die Täter verkauften das meiste Diebsgut an einen 40-jährigen ungarischen Hehler, der die Fahrräder, Quads und Rasenmähertraktoren mit Aufschlag weiterverkaufte.
Einer der Täter gab an, von dem Hehler für die Quads 3.000 Euro und für die Fahrräder ein Viertel des geschätzten Wertes bekommen zu haben. Damit habe er sich seinen Lebensunterhalt finanziert.
Die Verteidigerin des 40-jährigen Erstangeklagten verteilte an einige im Gerichtssaal anwesende Diebstahlopfer insgesamt 100 Euro - das Geld hatte die Familie des 40-jährigen Familienvaters zusammengekratzt.
Der tatsächliche Schaden übersteigt diese symbolische Wiedergutmachung aber um ein Vielfaches.
Der 40-Jährige und sein 23-jähriger Neffe wurden zu jeweils drei Jahren Haft verurteilt. Der Slowake erhielt 2,5 Jahre Haft, der Viertangeklagte, ein 24-jähriger Profifußballer mit Vertrag bei einem Fußballverein, erhielt 15 Monate teilbedingte Haft und wurde nach der Urteilsverkündung aus dem Gefängnis entlassen. Das gesamte Urteil ist rechtskräftig.
Den im Gerichtssaal als Privatbeteiligte des Prozesses Anwesenden wurden die von ihnen genannten Schadenssummen zugesprochen. Sie können somit gegen die Täter Exekution führen und versuchen, die Beträge einzutreiben.