Burgenland bereitet sich auf Datencenter in Nickelsdorf vor
Standort-Entwicklung
Das Land, die Burgenland Energie und die Landesholding planen einen Datencenter-Campus mit bis zu 500 Megawatt Leistung in Nickelsdorf. Mit möglichen Investoren wird verhandelt, eine Errichtung soll nur unter Einhaltung der festgelegten Umwelt- und Standortkriterien erfolgen.
So könnte der Green Data Campus bei Nickelsdorf aussehen, wie ein Modell-Entwurf zeigt.
© Burgenland Energie
Die mögliche Errichtung eines Rechenzentrums - und die Voraussetzungen, unter denen es schließlich kommen könnte - beschäftigen die Politik schon seit dem Sommer. Jetzt haben das Land, die Burgenland Energie und die Landesholding den nächsten Schritt offiziell gemacht: die Entwicklung eines eigenen Datencenter-Campus bei laufenden Gesprächen mit Investoren. Die „Spielregeln“ für ein solch großes Projekt will das Land selbst festlegen. Als Basis dient der Kriterienkatalog, auf den sich die Landesregierung zuletzt festgelegt hat.
Möglicher Standort
Die Wirtschaftsagentur Burgenland hat entlang der Autobahn in Nickelsdorf, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Umspannwerk Zurndorf und zu einem Logistikzentrum mit dem XXX-Lutz-Lager, bereits die Entwicklung eines Wirtschaftsparks vorgesehen. Dort soll nun auch der Datencenter-Campus Platz finden, wie nun bekanntgegeben wurde. Eine strategische Umweltprüfung und eine Naturverträglichkeitsprüfung wurden für den Standort bereits positiv abgeschlossen.

Der Lageplan der Burgenland Energie zeigt die konkreten Standortpläne.
© Burgenland Energie
Das Land will das eigene Grundstück für das Vorhaben nutzen und damit laufende Einnahmen erzielen. Auch die Gemeinde Nickelsdorf soll über die bestehenden Abgabenstrukturen finanziell profitieren. Wie das Projekt konkret umgesetzt wird, hängt allerdings auch von den weiteren Gesprächen mit Investoren ab.
Die geplante Anlage soll eine Leistung von bis zu 500 Megawatt erreichen. Datencenter benötigen große Mengen Strom, um Server zu betreiben und Daten zu verarbeiten. Die burgenländische Landesregierung will deshalb die Ansiedlung an klare ökologische und wirtschaftliche Bedingungen knüpfen (siehe Infobox unten).
Abwärme statt Gas, Batterien statt Diesel
Das Projekt soll sich von herkömmlichen Datencentern durch ein nachhaltiges Energiekonzept unterscheiden. Vorgesehen sind ein geschlossener Kühlwasserkreislauf, Batteriespeicher statt Dieselaggregate und die Nutzung der entstehenden Abwärme. Diese könnte künftig Haushalte in Nickelsdorf und landwirtschaftliche Betriebe versorgen. Laut Informationen der Burgenland Energie soll der Wasserverbrauch des Datencenters lediglich 0,02 Prozent des burgenländischen Gesamtverbrauchs ausmachen.

Burgenland-Energie-Vorstandsvorsitzender Stephan Sharma und Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (v.l.).
© Wolfgang Millendorfer
Zudem verspricht sich die Burgenland Energie positive Auswirkungen auf die Stromnetzkosten. Durch zusätzliche Verbraucher im bestehenden Netz könnten sich die Kosten auf mehr Abnehmer verteilen. Voraussetzung dafür ist das geplante Energiekonzept mit eigener erneuerbarer Stromerzeugung und einer direkten Verbindung zum Datencenter.
„Der geplante Datencenter-Campus Nickelsdorf mit einer Leistung von 500 Megawatt soll alle zehn Umsetzungskriterien des Land Burgenlands erfüllen und somit zu einem europäischen Vorzeigeprojekt werden“, erklärt Stephan Sharma, Vorstandsvorsitzender der Burgenland Energie.
„Wollen auch bei grünen Datencentern Nummer 1 werden“
Auch wirtschaftlich setzt das Land auf langfristige Effekte. Neben Arbeitsplätzen während der Bauphase sollen dauerhaft Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen. Darüber hinaus könnte der Campus weitere Unternehmen aus den Bereichen KI, Informationstechnologie (IT), Datensicherheit, Gesundheit sowie Forschung und Bildung nach Nickelsdorf bringen.
„Energie und Daten sind die zentralen Zukunftsressourcen für eine wirtschaftlich starke und lebenswerte Region. Ohne Energie und Daten steht unser tägliches Leben still“, sagt Burgenland-Energie-CEO Stephan Sharma. „Unser Anspruch ist klar: Wir wollen Unabhängigkeit bei Energie und Daten. Das Burgenland ist bereits Nummer eins bei Natur- und Artenschutz sowie bei erneuerbarer Energie. Jetzt wollen wir auch bei grünen Datencentern und KI-Infrastruktur zur Nummer eins werden.“

Datencenter bilden die Infrastruktur für die riesige Rechenleistung im Alltag.
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Vier Schritte zur digitalen Infrastruktur
Die Standortentwicklung ist Teil einer umfassenderen KI-Strategie des Landes. Diese umspannt vier Phasen: Zunächst wurden zehn Umwelt- und Standortkriterien festgelegt. Danach folgten Pilotprojekte und erste KI-Anwendungen. Mit der Entwicklung des Datencenter-Standorts läuft nun die dritte Phase. Im vierten Schritt soll die regionale Wertschöpfung ausgebaut werden.
Ein erstes Pilot-Rechenzentrum und KI-Anwendungen in Zurndorf sind laut Burgenland Energie bereits umgesetzt. Dabei werden unter anderem Anwendungen für die Gesundheitsversorgung, die Energiebranche und die öffentliche Verwaltung erprobt.
Für Hana Dellemann, Sprecherin der Geschäftsführung der Landesholding Burgenland, ist das Vorhaben eine wirtschaftliche Chance: „Es verbindet Innovationskraft mit konkretem wirtschaftlichem Nutzen und kann wichtige Impulse für die regionale Wertschöpfung und neue Arbeitsplätze setzen.“
Neben der wirtschaftlichen Entwicklung verfolgt das Land ein weiteres Ziel: Daten sollen möglichst im Inland beziehungsweise in Europa gespeichert und verarbeitet werden. Damit will das Burgenland seine digitale Unabhängigkeit stärken. Ob und wann der Campus in Nickelsdorf tatsächlich errichtet wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

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Die zehn Kriterien für Datencenter im Burgenland

Auf den Feldern bei Nickelsdorf soll der grüne Daten-Campus entstehen.
© Klaus Zwinger