Burgenlands letzter Seilerlehrling
Altes Handwerk
Als letzter Seilerlehrling des Burgenlands kann Josef Sattler von dem mittlerweile ausgestorbenen Berufsstand erzählen wie kein anderer. Hin und wieder zeigt er aber noch, wie das Handwerk damals vonstatten gegangen ist.
Josef Sattler (rechts) zeigt jedes Jahr beim Handwerkstag im Dorfmuseum Mönchhof, wie Seile damals hergestellt wurden.
© Klaus Zwinger
Josef Sattler war der letzte Seilerlehrling des Burgenlands. Wie sein Urgroßvater, sein Großvater und sein Vater vor ihm erlernte er als junger Bursche das Seilerhandwerk.
Ein Berufsstand auf dem absteigenden Ast
Was früher ein viel gefragter und ertragreicher Beruf war, ist in den vergangenen Jahrzehnten einerseits durch die Industrialisierung, andererseits durch andere Ansprüche des Endverbrauchers, sprich der Bevölkerung, völlig von der Bildfläche verschwunden. Heutzutage hat eben kaum jemand mehr Kühe, die er im Stall anbinden müsste oder ein Pferd, mit dem er seinen Acker oder Weingarten pflügen müsste und dazu Seile benötigen würde.
Nachdem er 1967 seine dreijährige Lehrzeit mitsamt Gesellenprüfung abschloss, wurden die Zeichen der Zeit bereits deutlich erkennbar: Er war schon damals der einzige Lehrling seines Handwerks, und in der Berufsschule Eisenstadt wurde er mangels einer eigenen Fachklasse kurzerhand gemeinsam mit 20 angehenden Damen- und Herrenkleidermacherinnen unterrichtet. Fast komödiantisch erzählt er, weshalb er die Meisterprüfung nie ablegen konnte: alle qualifizierten Prüfer dieses Fachs waren zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben.
Josef Sattler, Walter Sattler und Karl Weisz präsentierten heuer das Seiler-Handwerk im Dorfmuseum anschaulich.
© Klaus Zwinger
Eine zweite Lehre als Bodenleger in Wien
Diese Perspektivlosigkeit war auch der Grund, warum es Sattler schließlich nach Wien verschlug, wo er eine weitere Lehre als Bodenleger begann und diesen Beruf auch bis zu seiner Pension beibehielt. Nach Neusiedl kam er aber nach elf Jahren in Wien wieder zurück.
In seinem Elternhaus auf dem Neusiedler Hauptplatz kann man bis heute erahnen, wie die Arbeit damals vonstatten gegangen ist. Beim Eintreten zeigt sich nämlich ein extrem langer Streckhof, der damals gemeinsam mit den Nachbarn als Halbwirtschaft geführt wurde. „Die Länge des Hofs war damals auch wichtig, wenn wir zum Beispiel Seile für Kirchenglocken produziert haben“, so Sattler. Heute ist die Halbwirtschaft mit einer Ziegelmauer getrennt, derartige Arbeiten sind nicht mehr nötig.
© Klaus Zwinger
Wo er aber bis heute aktiv ist, ist der Handwerkstag im Dorfmuseum Mönchhof, wo jedes Jahr am letzten Sonntag im Juli altes Handwerk wie auch das des Seilermeisters präsentiert wird.