Daniel Wisser präsentierte sein Buch „Smart City“ in Lockenhaus

Lesung

In seinem Städteroman „Smart City“ schlägt Daniel Wisser eine Brücke zwischen Utopie, Gesellschaftskritik, Gegenwart und Zukunft. Am Samstag las der Autor in der Bibliothek Lockenhaus aus seinem Werk.

Buchautor Daniel Wisser, Bibliothekarin Christiane Schnalzer und Buchhändlerin Andrea Stangl von Scherz-Kogelbauer in Kirchschlag sorgten für einen gelungenen Abend.

Buchautor Daniel Wisser, Bibliothekarin Christiane Schnalzer und Buchhändlerin Andrea Stangl von Scherz-Kogelbauer in Kirchschlag sorgten für einen gelungenen Abend.

© Nadine Wiedemann

Zwar erschien der Roman bereits Ende August 2025, seine Themen sind jedoch aktueller denn je. Im Mittelpunkt steht nämlich die Journalistin Morag Oliphant, die in der Stadt Neuda für das Medium „Timeline“ arbeitet. Wie die gesamte Stadt gehört auch das Pressehaus zum Großkonzern Tucana, der sämtliche Lebensbereiche kontrolliert. Mitbestimmung ist für die Bewohnerinnen und Bewohner kaum möglich.

Nachdem Morags Mann und Tochter gewaltsam ums Leben gekommen sind, erhofft sie sich Schutz in der Stadt und versucht, mit kritischen Artikeln auf Missstände aufmerksam zu machen. Allerdings werden ihre Texte in Neuda nicht veröffentlicht, da Kritik an der Stadt grundsätzlich abgelehnt wird.

In der Smart City werden die Bewohnerinnen und Bewohner rund um die Uhr überwacht. Tausende Kameras erfassen ihr Verhalten, die gesammelten Daten werden ausgewertet. Was nach einer modernen und effizienten Stadt klingt, entpuppt sich zunehmend als trügerische Fassade. Während die offiziellen Statistiken ein positives Bild zeichnen, bleiben Menschen außerhalb der Stadt in Containerdörfern und als billige Arbeitskräfte unsichtbar. Sie scheinen in der Erfolgsbilanz des Konzerns schlicht nicht auf.

Neben Morag kämpfen schlussendlich auch Maria Lisini, Jenny Beck sowie Sarah Krämer für mehr Gleichberechtigung und politischen Wandel. Der Autor zeichnet dabei kein ausschließlich negatives Bild der Smart City, da technologische Überwachung beispielsweise auch zu mehr Sicherheit beitragen kann. Entscheidend ist jedoch, wer über die Daten verfügt und wem die Entwicklungen tatsächlich zugutekommen.

Für den 416 Seiten umfassenden Städteroman recherchierte und arbeitete Wisser rund drei Jahre. Unter anderem besuchte er verschiedene tatsächlich existierende Smart Cities und zeichnete Pläne der fiktiven Stadt. Der Text ist im Präsens verfasst und bewusst in einfacher Sprache mit kurzen Hauptsätzen gehalten. Daniel Wisser ist Schriftsteller sowie Musiker, wurde in Klagenfurt geboren, wuchs in Unterfrauenhaid auf und ist heute in Wien ansässig. Sein erster Roman erschien im Jahr 2003.

Nach der Lesung bot ein kleines Buffet mit Bibliothekswein Gelegenheit, über die aufgeworfenen Fragen und die Zukunft urbaner Lebensräume zu diskutieren.

Daniel Wisser präsentierte sein Buch „Smart City“ in Lockenhaus

© Nadine Wiedemann

Daniel Wisser präsentierte sein Buch „Smart City“ in Lockenhaus

© Nadine Wiedemann