Das Fischen wird ganz neu entdeckt
Darüber spricht das Land
Die Fischerei erlebt im Burgenland gerade einen echten Boom: Viele Menschen entdecken das Angeln als entspannendes Naturerlebnis.
Martin Heissenberger und seine Lebensgefährtin Doris verbringen ihre Freizeit gerne an fischreichen Gewässern.
© Privat
„Aktuell haben wir im Burgenland rund 8.200 Anglerinnen und Angler“, berichtet Martin Heissenberger, seit Juli 2025 Landesfischereimeister. Die Fischerei ist längst keine Männerdomäne mehr: Immer mehr Frauen besuchen die Vorbereitungskurse im Burgenland und treten zur Prüfung an, um die Fischereikarte zu erwerben.
„Auch bei unserem letzten Kurs in Großpetersdorf am 12. September waren wieder mehrere Frauen dabei“, freut sich der Landesfischereimeister. 400 Frauen seien bereits im Besitz einer Fischereikarte.
Bei Kindern und Jugendlichen kommt das Freizeitphänomen ebenfalls gut an. Als Obmann des Fischervereins Rechnitz-Unterrabnitz darf Martin Heissenberger immer wieder junge Anglerinnen und Angler begrüßen: „Das zeigt, dass diese Leidenschaft auch für die junge Generation attraktiv ist.“ Die jungen Angler werden in der Gemeinschaft gerne aufgenommen, „man hilft sich gegenseitig, geht auf einander zu“, lobt der Vereinsobmann das kameradschaftliche Klima.
Als Landesfischereimeister vertritt Martin Heissenberger die Interessen der burgenländischen Angler. Der Fischereimeister ist die Schnittstelle zu Politik und Behörden und vertritt die Fischerei des Burgenlandes auf österreichischer Ebene.
Am Anfang steht die Fischereiprüfung
Die ehrenamtliche Funktion des Landesfischereimeisters wurde mit dem Fischereigesetz 2022 neu geschaffen. Neu eingeführt wurde auch die Fischereiprüfung. „Das war ein wichtiger Schritt, weil damit die Grundlage dafür hergestellt wurde, dass der Prüfungsnachweis auch in anderen Bundesländern anerkannt wird und es leichter ist, dort eine Fischereikarte oder eine entsprechende zu Lizenz zu lösen“, erklärt Martin Heissenberger.
Mehrmals im Jahr finden jetzt im Burgenland Vorbereitungskurse für die Prüfung statt, diese Kurse werden stark gebucht. 2025 wurden 419 Fischereiprüfungen abgelegt, das war ein Plus von über 20 Prozent im Vergleich zu 2024. „Heuer hatten wir bereits über 330 Teilnehmende bei den Fischereiprüfungen, wobei noch einige Prüfungstermine bevorstehen“, freut sich Martin Heissenberger.
Dass so viele Menschen das Angeln als Leidenschaft entdecken, kann man auch als Zeichen der Zeit sehen. „Zum Erlebnis in der Natur und dem bewussten Abschalten kommt auch die positiv erlebte Pause vom Bildschirm“, sagt der Landesfischereimeister. Schön sei auch, dass man das Fischen generationenübergreifend ausüben könne.
Vom Kind bis zum Pensionisten werfen Menschen jeden Alters die Angel aus. Und selbst Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen können sich am Angeln erfreuen - manche Fischteiche sind durchaus rollstuhlgerecht.
Der 13-jährige Jonas mit seinem ersten selbstgefangenen Hecht - im Mai 2026 am Fischteich in Unterrabnitz.
© Privat
Er selbst ließ sich von seinem älteren Bruder Franz fürs Angeln begeistern, erzählt Martin Heissenberger. 31 Jahre ist das schon her und die Leidenschaft für das naturverbundene Hobby ist so frisch wie zu Beginn. Neben dem Naturerlebnis schätzt Martin Heissenberger den Erfahrungsaustausch am Gewässer und „natürlich die Fische selbst“. Den selbst gefangenen Fisch zu entnehmen, zuzubereiten und zu verspeisen gebe dem Freizeitspaß noch zusätzlich Sinn.
Am Wasser muss man wissen, was man tut
Wobei nicht jeder Fang tatsächlich aus dem Wasser entnommen wird. Zu beachten sind die unterschiedlichen Schonzeiten, wie sie derzeit zum Beispiel für die Bachforelle gelten: Bis März müssen Bachforellen - wenn man sie fängt - vorsichtig vom Haken befreit und wieder ins Wasser entlassen werden.
Je nach Fischart und Bundesland sind unterschiedliche Schonzeiten einzuhalten. Zu fischen gibt es aber immer genug: Im Burgenland dürfen jetzt im Herbst Karpfen, Zander, Wels, Regenbogenforelle und Hecht gefangen werden.
Auch Martin Heissenbergers Neffe Jonas ist begeisterter Angler. Im Alter von neun Jahren ging ihm sein erster Fisch ins Netz - ein Saibling. Heute ist Jonas 13 Jahre alt und im Fischen bereits sehr routiniert. Ein 82 Zentimeter langer Hecht war sein bislang größter Triumph.
Der heurige heiße Sommer war für die Fischbestände im Burgenland eine Herausforderung. „Dank des großen Einsatzes unserer Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter sind wir bis jetzt aber gut durch diese Phase gekommen, und den Fischen in unseren Gewässern geht es gut“, kann Martin Heissenberger Entwarnung geben. Er hofft auf reichlich Regen, damit würde sich die Situation weiterhin entspannen.
Hier gibt's Infos
Die Servicestelle Jagd und Fischerei ist eine Einrichtung des Amtes der Burgenländischen Landesregierung, die seit Anfang 2023 zur Verfügung steht. Neben mehreren jagdlichen Aufgaben organisiert die Servicestelle Jagd und Fischerei auch das Ausbildungs- und Prüfungswesen für Fischerei. Die Servicestelle ist außerdem Anlaufstelle für Fischer und befasst sich mit Fragen rund um die nachhaltige Bewirtschaftung, Tier- und Naturschutz und Biodiversität
Die jährliche Fischereikartenabgabe wird vom Amt der Landesregierung eingehoben. Für 2026 beträgt diese Abgabe 25,30 Euro für ein Jahr oder 50,70 Euro für drei Jahre. Für eine Fischereigastkarte sind 15,20 Euro zu bezahlen. Die Einnahmen aus der Fischereikartenabgabe müssen im Interesse der Fischerei verwendet werden – so schreibt es das burgenländische Fischereigesetz vor.