Der Hebel liegt in der Breite
Leitartikel des Sportchefs
Im Burgenland wird die Tennis-Nachwuchsförderung künftig von klein auf systematisch organisiert. Das soll helfen, große Talente früher zu erkennen. Vor allem aber könnte davon das allgemeine Niveau profitieren.
© Lexi
2009 wirkte es überraschend, dass die Tennis-Staatsmeisterschaften erstmals in Oberpullendorf ausgetragen wurden. Heuer fanden die Titelkämpfe zum 18. Mal in Folge im Sport-Hotel-Kurz statt. Die Top-Spiele steigen mittlerweile auf einem echten Centre Court, der 2025 errichtet wurde. Die 2022 ins Leben gerufene Tennisakademie Burgenland ist mittlerweile die Thiem Academy, mit Dominic Thiem als Markenbotschafter und Wolfgang Thiem als Sportlichen Leiter. Das Konstrukt ist für Top-Talente attraktiv. Thilo Behrmann (18), Akademie-Youngster der ersten Stunde, hat sich im Nachwuchs in der Weltspitze etabliert und geht nun mit guten Voraussetzungen in den beinharten Erwachsenenbereich. Der Aufschwung des rot-goldenen Tennissports ist unübersehbar. Und doch hat ein Puzzlestein zuletzt das große Ganze erweitert. Mit der Ausrollung einer Nachwuchsförderung unter dem Motto „Von der Breite zur Spitze“ sollen junge Talente im Burgenland bereits in frühen Jahren nicht nur gesichtet, sondern auch qualitativ begleitet werden. Trainingsstützpunkte in den Bezirken, Förderstufen für Kids bis 10 Jahre, für die Talente von 10 bis 14 und für die Juniors von 14 bis 18 sollen künftig die Struktur vorgeben. Gesteuert wird das Nachwuchsprojekt über den BTV und die Thiem Academy. Wer den Fußball genauer verfolgt, wird bei diesem Konzept Parallelen erkennen. Dort ist die systematische Talenteförderung längst gelebte Praxis. Über die Schiene Fußball-Talente-Training (FTT), Bezirksauswahlzentrum (BAZ) und Landesverbandsausbildungszentrum (LAZ) soll es für die Youngsters von der Idee her direkt in die Fußballakademie und in weiterer Folge in den Profifußball gehen. Umgelegt auf Tennis wird diese Praxis nun im Burgenland installiert. Anders als im Fußball gibt es im Tennis keine vergleichbar einheitliche, bundesweit vorgegebene Förderstruktur. Umso mehr setzen die Verantwortlichen nun auf ein eigenständiges System. Statt privater Einzelprojekte soll der Weg zur Spitze künftig von Verbandsseite her breiter aufgestellt werden. Wer sich letztlich zum Profi auf Weltklasse-Niveau entwickelt, ist ein Fall für die Glaskugel. Wichtiger ist, dass die systematische Förderung bereits in jungen Jahren ansetzt und möglichst viele Talente erreicht. Je breiter die Basis, desto größer die Chance, das allgemeine Niveau nachhaltig zu steigern. Und damit letztlich auch die Spitze.