Die Tasche in Orange
Ninas liebes Geflüster
Nicht alles erklärt sich von selbst.
© Nina Mayer
Nach einem durchgearbeiteten Sommer und einem sehr arbeitsreichen Herbst im Burgenland brauchte ich vorige Woche dringend Urlaub. Ich fuhr nach Wien, mitten hinein ins Getümmel meiner geliebten Innenstadt. Was soll ich sagen? Es war einer der schönsten Urlaube meines Lebens.
Ich liebe den Trubel, die Wiener Kaffeehäuser, das Bummeln, das Stöbern in Buchhandlungen, die mondänen Bars, schönen Restaurants und die alten Gebäude. Nicht zu vergessen die Boutiquen mit ihrer schönen Mode. Die nahm ich natürlich genauestens unter die Lupe. Kleider, Schuhe, Taschen.
Dabei entdeckte ich ein Exemplar an einem durchaus attraktiven Mann. Die Tasche allerdings warf Fragen auf. Orange, große Kreise, ein psychedelisches Muster, das die Siebzigerjahre wiederauferstehen ließ. Melodien wie „My Little World“ von meinem lieben Freund Waterloo kamen mir in den Sinn.
Nun, was soll ich sagen? Ich bin grundsätzlich für modische Freiheit. Natürlich dürfen Männer Taschen tragen. Aber zwischen einer klassisch schwarzen Ledertasche, einem bodenständigen Modell in Braun und diesem orangefarbenen Kreiselteil lagen doch einige modische Welten. Wenngleich – ich gestehe euch etwas: Neben all den Fragen entstand auch die Versuchung, in die surrealen Welten dieses Mannes einzutauchen.
War es ein Statement? Eine Hommage an Woodstock? Oder einfach die große Liebe zu Orange? Ich wusste es nicht. Aber das Täschchen hatte meine Aufmerksamkeit geweckt.
Ich indessen gab mir keine Blöße, bewahrte Haltung und eroberte Wien an all diesen Tagen auf hohen Absätzen, selbst als zwei Zecherl bereits blutig waren. Schließlich war ich in der Wiener Innenstadt und nicht auf einer Alm in Salzburg.
Und das orange Täschchen? Es ist mir in Erinnerung geblieben. Genauso wie sein Besitzer. Ob ich in seine Welt eingetaucht bin? Das bleibt mein Geheimnis.