Ein Jahr vor der Wahl: Wer bleibt, wer geht?

Bezirk Jennersdorf

Ein Jahr vor der Gemeinderatswahl 2027 kommt Bewegung in die Rathäuser des Bezirks Jennersdorf. In St. Martin an der Raab ist der Bürgermeisterwechsel bereits vollzogen, in Heiligenkreuz steht die Übergabe bevor. In der Bezirkshauptstadt will Reinhard Deutsch erneut antreten.

In St. Martin an der Raab wurden die Weichen gestellt: SPÖ-Bezirkschef Fabio Halb, Neo-Bürgermeister Johann Holzmann, Alt-Bürgermeister Franz Josef Kern und SPÖ-Bezirkschef Mario Trinkl (v.l.).

In St. Martin an der Raab wurden die Weichen gestellt: SPÖ-Bezirkschef Fabio Halb, Neo-Bürgermeister Johann Holzmann, Alt-Bürgermeister Franz Josef Kern und SPÖ-Bezirkschef Mario Trinkl (v.l.).

© SPÖ Jennersdorf

Noch sind es rund zwölf Monate bis zur nächsten Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl, doch die ersten personellen Entscheidungen sind bereits gefallen. Langjährige Ortschefs ziehen sich zurück, Nachfolger stehen bereit. Andere Bürgermeister haben ihre neuerliche Kandidatur angekündigt oder halten sich noch bedeckt. Dabei haben die vergangenen Wahlen gezeigt, dass im Bezirk Jennersdorf auch abseits der traditionellen Parteien mit Überraschungen zu rechnen ist.

Neuer Bürgermeister ohne Gemeinderatsmandat

Der von der SPÖ nominierte politische Quereinsteiger wurde in geheimer Abstimmung vom Gemeinderat mit 12 zu 9 Stimmen gewählt. Gegenkandidat war der bisherige Vizebürgermeister Siegfried Niederer (ÖVP). Holzmann folgt Franz Josef Kern nach, der sein Bürgermeisteramt mit Ablauf des 30. September zurückgelegt hatte.

Mit Johann Holzmann wurde auf Grundlage der neuen gemeinderechtlichen Regelung ein Bürgermeister vom Gemeinderat gewählt, der zuvor selbst nicht dem Gemeinderat angehörte. Die Ende 2025 in Kraft getretene Bestimmung ermöglicht es bei einer Bürgermeisterwahl durch den Gemeinderat, auch eine Person zu nominieren, die bislang kein Gemeinderatsmandat innehatte.

Der 64-jährige Johann Holzmann ist in der Region bekannt, denn rund 40 Jahre war er als Gastwirt und Unternehmer tätig. Unter anderem betrieb er ein Geschäft und Kaffeehaus in Mogersdorf sowie das Stüberl in Oberdrosen.

„Ich empfinde große Dankbarkeit und Demut vor diesem Amt. Franz Josef Kern hat unsere Gemeinde maßgeblich nach vorne gebracht. Diesen erfolgreichen Weg möchte ich gemeinsam mit meinem Team und den St. Martinerinnen und St. Martinern fortsetzen“, so sich Neo-Bürgermeister Johann Holzmann nach seiner Wahl.

Zu den ersten Gratulanten bei der Gemeinderatssitzung zählte SPÖ-Bezirksvorsitzender Landtagsabgeordnter Fabio Halb: „Hansi ist eine Persönlichkeit mit Empathie und Energie, die vor allem den Zusammenhalt und das große Ganze im Blick hat. Er wird ein toller Bürgermeister sein, der große Bürgernähe lebt.“

Einen besonderen Schwerpunkt möchte der neue Ortschef auf den direkten Kontakt mit den Menschen in allen Ortsteilen der Marktgemeinde legen. In den kommenden Wochen wird Holzmann daher verstärkt in den Ortsteilen unterwegs sein und zahlreiche Hausbesuche absolvieren. Dabei möchte er sich persönlich als neuer Bürgermeister vorstellen, zuhören und die Anliegen, Ideen und Gedanken der Bürger:innen unmittelbar in seine Arbeit einfließen lassen.

Edi Zach übergibt an Kevin Baumgartner

In Heiligenkreuz im Lafnitztal steht ein Wechsel an der Gemeindespitze bevor. Nach vielen Jahren im Amt wird Bürgermeister Edi Zach die Verantwortung an Kevin Baumgartner übergeben. Für den Nachfolger wird die Gemeinderatswahl 2027 zur ersten großen Bewährungsprobe. Denn die politischen Verhältnisse in Heiligenkreuz haben sich bei der letzten Wahl deutlich verändert.

Die SPÖ verlor 2022 ihre absolute Mehrheit und hält seither neun der 19 Gemeinderatsmandate. Sechs Sitze entfallen auf die ÖVP, vier auf die Freie Bürgerliste. Zach konnte sich bei der Bürgermeisterdirektwahl dennoch mit 52,8 Prozent durchsetzen. Michaela Pumm von der ÖVP erreichte 28 Prozent, Walter Perl von der Bürgerliste 19,2 Prozent.

Baumgartner wird damit eine Gemeinde übernehmen, in der seine Partei für Mehrheiten im Gemeinderat auf andere Fraktionen angewiesen ist. Gleichzeitig muss er sich innerhalb eines Jahres als neuer Bürgermeister profilieren. Anders als sein Vorgänger kann er bei der nächsten Wahl noch nicht auf eine langjährige Amtszeit verweisen.

Die SPÖ-Ortschefs im Bezirk Jennersdorf zeigen sich immer wieder sehr volksnah. Heiligenkreuz-Bürgermeister Edi Zach (3.v.r.) tritt 2027 nicht mehr an.

Die SPÖ-Ortschefs im Bezirk Jennersdorf zeigen sich immer wieder sehr volksnah. Heiligenkreuz-Bürgermeister Edi Zach (3.v.r.) tritt 2027 nicht mehr an.

© SPÖ

Deutsch will es noch einmal wissen

In der Bezirkshauptstadt Jennersdorf ist die wichtigste Personalfrage bereits beantwortet. Bürgermeister Reinhard Deutsch wird 2027 erneut für seine Liste JES antreten. „Ich werde bei den Wahlen 2027 für die Liste JES antreten“, erklärt der Stadtchef auf BVZ-Anfrage kurz und bündig.

Reinhard Deutsch hatte bei der Wahl 2022 einen deutlichen Erfolg gefeiert. Seine Liste JES verdoppelte die Zahl ihrer Gemeinderatsmandate auf 14 und sicherte sich damit die absolute Mehrheit im 25-köpfigen Gemeinderat. Bei der Bürgermeisterdirektwahl erreichte Deutsch 64,9 Prozent. Die ÖVP musste sich mit fünf Mandaten begnügen, die SPÖ kam auf vier, die FPÖ auf zwei.

Für Deutsch geht es im kommenden Jahr darum, diesen Erfolg zu bestätigen. Die Ausgangslage ist für ihn günstig, doch gerade in Jennersdorf hat sich gezeigt, wie rasch sich politische Kräfteverhältnisse verändern können. Noch vor wenigen Jahren war die ÖVP die bestimmende Kraft im Rathaus. Heute verfügt sie nur noch über fünf Sitze.

Spatenstich für eine neue Multifunktionssporthalle Jennersdorf: LR heinrich Dorner, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Stadtpfarrer Franz Brei und Bürgermeister Reinhrad Deutsch.

Spatenstich für eine neue Multifunktionssporthalle Jennersdorf: LR heinrich Dorner, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Stadtpfarrer Franz Brei und Bürgermeister Reinhrad Deutsch.

© LMS/Daniel Fenz

Drei Bürgermeisterstühle für die ÖVP

Bei der Volkspartei richtet sich der Blick vor allem auf jene Gemeinden, in denen sie noch den Bürgermeister stellt. In Neuhaus am Klausenbach will Monika Pock wieder antreten. Sie hatte 2022 das Bürgermeisteramt für die ÖVP zurückerobert und sich mit 52,4 Prozent gegen den damaligen SPÖ-Bürgermeister Reinhard Jud-Mund durchgesetzt. Auch im Gemeinderat gelang der Volkspartei der Machtwechsel. Mit acht von 15 Mandaten verfügt sie allerdings nur über eine knappe absolute Mehrheit. Ein einziges Mandat kann bei der nächsten Wahl daher bereits über die politischen Verhältnisse entscheiden.

In Weichselbaum stellt sich Harald Brunner erneut der Wahl. Er war 2022 auf den langjährigen Bürgermeister Willibald Herbst gefolgt und hatte bei seiner ersten Bürgermeisterdirektwahl 55,7 Prozent erreicht. Die ÖVP verfügt dort mit acht von 13 Mandaten über eine komfortablere Mehrheit als in Neuhaus.

Anders ist die Situation in Mogersdorf. Ob Bürgermeister Josef Korpitsch 2027 noch einmal kandidiert, steht derzeit nicht fest. Bei der letzten Wahl erreichte er 57,4 Prozent. Die SPÖ konnte damals mit Michael Glantschnig Stimmen dazugewinnen, während die ÖVP im Gemeinderat ein Mandat verlor. Mit elf von 19 Sitzen blieb die absolute Mehrheit dennoch erhalten.

Sollte Korpitsch nicht mehr antreten, müsste die Volkspartei auch in Mogersdorf mit einem neuen Kandidaten in die Wahl gehen. Damit wäre eine weitere Gemeinde betroffen, in der ein langjähriger Amtsinhaber seinen Platz räumt.

Bürgerliste setzte sich in Eltendorf durch

Dass ein Bürgermeisterwechsel nicht automatisch den Erfolg der bisherigen Mehrheitspartei bedeutet, zeigte sich 2022 in Eltendorf. Nach dem Rückzug von ÖVP-Bürgermeister Josef Pfeiffer gelang Christian Schaberl von der Freien Bürgerliste der Sprung an die Gemeindespitze. Die Entscheidung fiel erst in der Stichwahl, die Schaberl mit 59,6 Prozent deutlich gewann.

Im Gemeinderat ist die Situation seither besonders interessant. Die Bürgerliste und die ÖVP halten jeweils fünf Mandate, die SPÖ drei und die FPÖ zwei. Keine Fraktion kann allein entscheiden. Für Bürgermeister Schaberl gehört die Suche nach politischen Mehrheiten damit zum Alltag.

Die Wahl 2027 wird zeigen, ob sich die Bürgerliste auch bei einem neuerlichen Antreten ihres Bürgermeisters behaupten kann.

Klare Ergebnisse für Trinkl, Sampt und Halb

Wesentlich eindeutiger waren die Verhältnisse bei der letzten Wahl in Königsdorf, Minihof-Liebau und Mühlgraben. In Königsdorf erreichte SPÖ-Bürgermeister Mario Trinkl 70 Prozent der Stimmen und sicherte seiner Partei auch die Mehrheit im Gemeinderat. In Minihof-Liebau setzte sich SPÖ-Bürgermeister Helmut Sampt mit 60,8 Prozent durch.

Das deutlichste Ergebnis im Bezirk erzielte allerdings Fabio Halb in Mühlgraben. Der SPÖ-Bürgermeister erhielt 86,3 Prozent der Stimmen, hatte bei der Direktwahl allerdings keinen Gegenkandidaten. Auch im Gemeinderat verfügt die SPÖ mit neun von elf Mandaten über eine klare Mehrheit. Halb, der 2017 als jüngster Bürgermeister Österreichs bekannt wurde, zählt damit zu den politisch am stärksten abgesicherten Ortschefs im Bezirk.