NEOS-Sprecher Lach: „Nicht laut sein, sondern etwas bewirken“
Im Gespräch
Auch ohne Sitz im Landtag wollen die NEOS im Burgenland stärker mitmischen. Wie das gehen kann, erklärt Landessprecher Christoph Lach im BVZ-Gespräch: Mit dem Team setzt er auf Aufbauarbeit in den Gemeinden, punkten will Lach auch mit Transparenz-Kampagnen.
„Halbjahres-Bilanz“. Seit März ist Christoph Lach Landessprecher der NEOS im Burgenland, im Bild bei seiner Wahl mit Landesgeschäftsführerin Sylvia Neuherz.
© Wolfgang Millendorfer
BVZ: Seit etwas mehr als einem halben Jahr sind Sie NEOS-Landessprecher. Wie ist die Stimmung bei den NEOS im Burgenland?
Christoph Lach: Die Stimmung ist gut, auch wenn das manche vielleicht überrascht. Wir sind ein kleines Team, aber wir sehen viel Sinn in unserer Arbeit: Wir haben Themen am Tisch, die uns interessieren und die wichtig sind, und wir werden mehr! Wir versuchen auch, auf der Straße präsent zu sein und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Ich persönlich merke, dass es ankommt, weil mir immer mehr Informationen zugetragen werden.
Bis zur nächsten Landtagswahl dauert es noch mehr als drei Jahre. Was kann eine kleine Partei ohne Mandat bewegen?
Natürlich ist es unser Ziel, bei der nächsten Wahl in den Landtag einzuziehen. Aber uns geht es nicht um Ämter, sondern darum, Dinge zu ändern, die wir im Burgenland nicht für richtig halten. Jetzt ist die Zeit des Arbeitens. Ich sage immer gern: Ich bin kein Showpferd, ich bin ein Arbeitspferd!
Wie sieht diese Aufbauarbeit aus, welche Regionen stehen im Mittelpunkt?
In Eisenstadt, wo Udo Sonnenschein als unser Koordinator im Einsatz ist, gibt es die „Eisenstadt Talks“, bei denen wir Menschen einladen, um ihre Anliegen einzubringen. Daraus soll ein Positionspapier für die Gemeinderatswahl entstehen. Wir laden alle ein, die etwas verbessern und vielleicht auch Verantwortung übernehmen wollen. In Pinkafeld ist unser früherer Landessprecher Edi Posch im Gemeinderat aktiv, und er wird auch wieder zur Wahl antreten. Ich selbst war schon als Mitbegründer der Namensliste von Erich Stekovics in der Gemeindepolitik aktiv und weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt.
Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Transparenz. Wollen die NEOS zur Aufdecker-Partei im Land werden?
Transparenz gehört seit Anfang an zur DNA der NEOS. Denn nicht der Bürger muss transparent sein, sondern der Staat. Das Land muss offenlegen, wie Entscheidungen zustande kommen. Wenn Dinge nicht offen kommuniziert oder in Hinterzimmern ausgemacht werden, dann wollen und müssen wir nachfragen. Wir wollen uns nicht nur auf die Rolle des Aufdeckers reduzieren, aber wenn man Transparenz ernst nimmt, ergibt sich diese Kontrollfunktion zwangsläufig.
„Ich bin kein Showpferd, ich bin ein Arbeitspferd!“ NEOS-Landessprecher Christoph Lach.
© Stefan Sachim
Aktuelles Beispiel ist die Initiative zum geplanten Standort der Klinik Gols. Die Unterlagen zur Standort-Entscheidung haben die NEOS vor dem Verwaltungsgericht erstritten. Sind Sie zufrieden?
Ja, das ist schon ein Erfolg. Man sieht, dass man eben auch als Partei ohne Landtagssitz etwas bewirken kann. Und wir werden zeigen, dass wir noch wirksamer werden können. Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung muss klar sein, warum ein Standort ausgewählt wurde. Und das ist es aus unserer Sicht ganz und gar nicht. Es wurde ja auf Gutachten und Untersuchungen mehrerer Standorte verwiesen. Im Masterplan finden wir diese Standortanalyse aber nicht in der Form. Und wir fragen, auf welchem Regierungsbeschluss die Ausschreibung beruht: Wir haben deshalb eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz eingebracht.
Wollen Sie den Bau der Klinik am Standort Gols verhindern?
Es gibt auch Bedenken wegen des Grundwassers oder der Lage im touristisch sensiblen Gebiet, dieser Meinung sind auch andere. Das sind Fragen, die man ernst nehmen muss. Vor allem aber wollen wir die Unterlagen sehen, auf deren Grundlage entschieden wurde. Wir werden so lange dranbleiben, bis Klarheit geschaffen ist.
Werden sich die NEOS andere Themen ebenso intensiv ansehen?
Ganz bestimmt. Wir beschäftigen uns unter anderem mit der Landesholding und ihren Zahlen, mit dem Komplex Grundwasser und Landwirtschaft im Seewinkel oder mit Entwicklungen im Kulturbereich des Landes. Wir recherchieren und bereiten die Themen auf, bevor wir damit an die Öffentlichkeit gehen.
Suchen Sie bei aller Kritik auch die Zusammenarbeit mit der rot-grünen Landesregierung oder mit der FPÖ und ÖVP in Opposition?
Wir bereiten unsere Themen selbst auf und kommunizieren sie eigenständig. Wir wollen sicher kein Beiwagerl sein, dazu wurden die NEOS nicht gegründet. Für punktuelle Kooperationen in Sachfragen sind wir selbstverständlich offen.
Sie sind selbst Unternehmer. Wo würden die NEOS in der Wirtschaftspolitik andere Akzente setzen?
Das Land soll nicht immer noch mehr Unternehmen besitzen, sondern Unternehmertum ermöglichen. Wir würden bessere Voraussetzungen für Betriebsansiedlungen und Arbeitsplätze schaffen, gerade für junge Menschen. Der Vorteil der Energie aus Wind und Sonne sollte auch für einen attraktiven Wirtschaftsstandort genutzt werden. Wenn Betriebe kommen und Arbeitsplätze entstehen, dann gibt es auch Steuereinnahmen. Das ist ein anderer Zugang, als mit Erträgen aus Energieprojekten einzelne Großprojekte zu finanzieren, wie das jetzt passieren soll.
Sie wollen aber nicht nur kontrollieren, sondern zugleich selbst politische Angebote machen?
Auf jeden Fall: Wir wollen nicht nur kritisieren, wir wollen aus Anliegen der Menschen konkrete Positionen entwickeln. Wer sich einbringen möchte, ist willkommen. Es geht nicht darum, möglichst laut zu sein, sondern darum, etwas zu verändern.
Am Ende steht aber doch immer auch das Ziel, bei Wahlen stärker zu werden …
Natürlich wäre es eine schöne Bestätigung, wenn die Menschen unsere Arbeit bei einer Wahl honorieren. Aber jetzt müssen wir zuerst zeigen, was wir können. Wenn die Menschen sehen, dass wir dranbleiben und etwas bewirken, dann kann daraus Vertrauen entstehen. Darum geht es im Moment.