Sag mir, wo die Schwammerl sind

DArüber spricht das Land

Heuer kommen viele Pilzfreunde mit leeren Körben aus den burgenländischen Wäldern zurück. Wirte müssen für ihre „Schwammerlwochen“ auf Zukäufe aus anderen Regionen zurückgreifen.

Ein solcher Anblick blieb heuer den meisten Schwammerlsuchern im Burgenland verwehrt.

Ein solcher Anblick blieb heuer den meisten Schwammerlsuchern im Burgenland verwehrt.

© Ivan Marjanovic, shutterstock.co

„An ein ähnlich schlechtes Schwammerljahr kann ich mich nicht erinnern“, seufzt der Mattersburger Gerhard Koller. Der erfahrene Pilzexperte begleitet Schwammerlsucher auf Exkursionen durch die burgenländischen Wälder, zuletzt am 26. September im Naturpark Landseer Berge. 15 Personen nahmen daran teil.

„Wir haben Schwammerl gefunden, aber nicht so viele wie normal“, berichtet der Mykologe. Immerhin 60 Schwammerlarten entdeckten er und die Teilnehmenden im Wald. „Normal sind es doppelt so viele“, bedauert Gerhard Koller.

Im Sommer habe es in den meisten burgenländischen Wäldern überhaupt keine Pilze gegeben, viel zu heiß und zu trocken sei es gewesen. Gerade noch um Jennersdorf sei man fündig geworden. „Wegen der Trockenheit sind sogar schon die Bäume kaputtgeworden“, stellt Gerhard Koller fest.

Gerhard Koller bei einer Pilz-Führung im Wald bei Großpetersdorf.

Gerhard Koller bei einer Pilz-Führung im Wald bei Großpetersdorf.

© Privat

Das bisschen Regen im September ließ zwar spärlich einige Pilzsorten sprießen. Doch danach blieb es wieder wochenlang trocken. „Durchwachsen“ sei die Schwammerlsituation daher im Burgenland, meint Gerhard Koller.

Ein einziges Eierschwammerl fand die Gruppe bei der Exkursion in den Naturpark Landseer Berge. Steinpilze? Fehlanzeige.

Wer sich auskennt, findet mit ein bisschen Glück andere essbare Pilze. „20 oder 30 Arten sind gut vertreten“, sagt Gerhard Koller u nd nennt Beispiele: Butterpilze - etwa auf der Rosalia -, Goldröhrlinge und Graue Lärchenröhrlinge.

Milchlinge und Täublinge finde man kaum und auch wenige Parasole.

Schon als Kind hat Gerhard Koller begonnen, sich für Pilze zu interessieren. Mit Vater und Großvater, Tanten und Onkeln ging er in den Wald. „In den 1970er-Jahren gab es noch viel mehr Schwammerl in vielen verschiedenen Formen und Sorten“, erinnert er sich.

Sein Onkel schenkte ihm ein kleines Pilzbuch, damit lernte er, Schwammerl zu bestimmen. Das war der Grundstock für eine umfangreiche private Dokumentation, die Gerhard Koller immer weiter führt.

Schwammerl sind übrigens nicht seine Lieblingsspeise, schon gar nicht „Eierschwammerl und Steinpilze“.

„Mein Lieblingspilz ist der Frostschneckling, ein Blätterpilz, der spät im Jahr unter Föhren wächst“, erzählt der Mykologe. Vielleicht regnet es ja bis dahin und der Frostschneckling beschert Pilzsammlern einen versöhnlichen Saisonausklang.

Wie der Spargel zum Frühjahr gehören die Schwammerln in der Gastronomie zum Herbst. Werden die beliebten Schwammerlwochen heuer überhaupt stattfinden können?

Wirt Paul Gregorits sagt: "Niemand muss auf Schwammerlgerichte verzichten."

Wirt Paul Gregorits sagt: "Niemand muss auf Schwammerlgerichte verzichten."

© WK Bgld

„Ja“, sagt Paul Gregorits, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Burgenland. Er betreibt das Gasthaus Gregorits in Klingenbach, ein Familienwirtshaus mit hundertjähriger Geschichte, auf dessen Speisekarte Gaumenfreuden wie ein Steinpilzrisotto und Schweinsmedaillons mit Eierschwammerln stehen.

„Niemand muss im Herbst auf Schwammerlgerichte verzichten, auch wenn das Angebot aus den heimischen Wäldern derzeit auslässt“, sagt Paul Gregorits. Die heimische Gastronomie werde vom Handel mit Pilzen aus anderen Regionen versorgt, die klimatisch eher begünstigt waren, berichtet der Wirtschaftskammer-Vertreter.

Allerdings wirkt sich die Knappheit bei den Schwammerln auf den Preis aus: „Ist das Angebot knapp und sind die Lieferwege weit, so schlägt sich das im Preis nieder“, sagt Paul Gregorits, „auch wenn die Preissteigerungen von der Gastronomie oft gar weitergegeben werden können.“

Die Nachfrage nach Schwammerlgerichten sei jedenfalls groß: „Das gehört zur Saison“, sagt Paul Gregorits. Sind gar keine Wildpilze verfügbar, so würden Zuchtpilze wie Kräuterseitling, Austernpilze oder Shiitake in der heimischen Gastronomieküche immer noch eine „gute Alternative“ darstellen.

Für diesen Schwammerlfund musste die Autorin bis ins nördliche Mühlviertel reisen.

Für diesen Schwammerlfund musste die Autorin bis ins nördliche Mühlviertel reisen.

© Kirchmeir

Wie geht es der BVZ Leserfamilie beim Schwammerlsuchen? Wir wollten es genau wissen und luden am BVZ Instagram-Kanal zu einer Umfrage ein.

Die Frage an die Schwammerlsucher lautete: „Warst du in den letzten Wochen erfolgreich?“

Nur 16% antworteten „Ohja!“. Bei 55% blieb der Korb „leider leer“ und 29% berichteten, dass sie sonst um diese Zeit schon fündig wurden, heuer aber bedauerlicher Weise gar nicht.

Schwammerl-Glück: Nur wenige wurden fündig.

Schwammerl-Glück: Nur wenige wurden fündig.

© BVZ

Gut informiert in den Wald
  • Nach dem Forstgesetz gilt: Per Person und Tag dürfen maximal 2 kg Schwammerl gesammelt werden.
  • Pilze gehören grundsätzlich dem Waldeigentümer. Dieser kann das Sammeln untersagen. Grundsätzlich wird die Schwammerlsuche für den Eigenbedarf aber toleriert.
  • Organisiertes Pilzsammeln ist verboten.
  • Im unter Naturschutz stehenden Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel ist das Pilzsammeln streng verboten.
  • Beliebte Schwammerlgebiete sind das Leithagebirge, die Rosalia, die Landseer Berge oder die Eichen- und Buchenwälder im Südburgenland.
  • Steinpilze bevorzugen saure Böden unter Eichen, Buchen und Nadelbäumen. Eierschwammerl findet man im Moos der Eichen- und Mischwälder. Parasole stehen an Waldrändern und auf lichten Grasflächen. Täublinge sind in Laub- und Nadelwäldern verbreitet.
  • Achtung: Im Burgenland sind auch hochgiftige Arten wie der Grüne Knollenblätterpilz und der Pantherpilz heimisch.