Vom Seeschlamm zum Baustoff: Was mit Sediment möglich ist

"Schilfraum" zeigt Forschungsergebnisse

Sediment, also Schlamm, und nicht verwertbares Schilf fallen bei Arbeiten am Neusiedler See an. Forschung Burgenland, Technische Universität Graz und weitere Partner untersuchen, ob daraus Baustoffe und andere Produkte entstehen können. Ein begehbarer „Schilfraum“ in Winden am See zeigt erste Ergebnisse.

Bei der Vorstellung „Projekt Schilfraum – Bauen mit den Materialien des Neusiedler Sees“ : Britta Nader (Forschung TU Graz), Milena Stavric (Forschungsleiterin TU Graz), Matej Lukajic (Student, Designer des Pavillons, TU Graz), Landesrätin Daniela Winkler, Urs Hirschberg, Institutsleitung IAM (Institut für Architektur und Medien, TU Graz), Zeno Stanek (Freilichtmuseum Wander Bertoni), Martin Zloklikovits (Geschäftsführer Forschung Burgenland).

Bei der Vorstellung „Projekt Schilfraum – Bauen mit den Materialien des Neusiedler Sees“ : Britta Nader (Forschung TU Graz), Milena Stavric (Forschungsleiterin TU Graz), Matej Lukajic (Student, Designer des Pavillons, TU Graz), Landesrätin Daniela Winkler, Urs Hirschberg, Institutsleitung IAM (Institut für Architektur und Medien, TU Graz), Zeno Stanek (Freilichtmuseum Wander Bertoni), Martin Zloklikovits (Geschäftsführer Forschung Burgenland).

© Birgit Böhm-Ritter

Sediment und nicht verwertbares Schilf fallen bei Arbeiten am Neusiedler See an. Forschung Burgenland, Technische Universität Graz und weitere Partner untersuchen, ob daraus Baustoffe und andere Produkte entstehen können. Ein begehbarer „Schilfraum“ in Winden am See zeigt erste Ergebnisse.

Was bei Erhaltungsmaßnahmen aus dem Neusiedler See geholt wird, muss anschließend auch verwertet oder entsorgt werden. Daraus entstand eine Forschungsfrage: Lassen sich Sediment und altes oder gebrochenes Schilf als regionale Rohstoffe nutzen?

Dieser Frage gehen Forschung Burgenland, Seemanagement Burgenland, Technische Universität (TU) Graz und Ceramico Burgenland gemeinsam nach. „Welche Ressourcen haben wir direkt vor der Haustür? Und wie können wir diese nutzen?“, beschrieb Martin Zloklikovits, Geschäftsführer der Forschung Burgenland, bei der Präsentation in Winden am See den Ausgangspunkt.

Sediment aus dem 3D-Drucker

Beim Sediment führt der Weg vom See zunächst ins Labor. Am Institut für Architektur und Medien der TU Graz wird im ShapeLAB untersucht, wie sich das Material für die digitale Fertigung einsetzen lässt. Dafür wurden unterschiedliche Mischungen, Druckparameter, Formen und Wandstrukturen erprobt. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Trocknung, Schrumpfung, Rissbildung und Formstabilität.

Eine einheitliche Rezeptur lässt sich daraus nicht ableiten. Denn das Sediment unterscheidet sich je nach Entnahmestelle. Institutsleiter Urs Hirschberg erklärte im Gespräch nach der Pressekonferenz: „Die Sedimente haben unterschiedliche Anteile an den verschiedenen Materialien, Mineralien und haben dann auch unterschiedliche Potenziale.“ Diese Eigenschaften würden derzeit grundlegend untersucht, um geeignete Anwendungen zu entwickeln.

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18 Studierende entwickeln Ideen

18 Studierende der TU Graz beschäftigten sich im Masterstudio „Material Tectonics“ mit den beiden Materialien des Sees. Aus mehreren Entwürfen wurde der „Schilfraum“ ausgewählt und in Winden am See umgesetzt.

Das begehbare Bauwerk besteht aus Schilf und dient zugleich als Ausstellungsraum. Im Inneren werden unter anderem gebrannte und ungebrannte, im 3D-Druck hergestellte Elemente aus den Materialversuchen präsentiert. Sediment ist somit nicht in der Konstruktion des „Schilfraums“ verbaut.

Landesrätin Daniela Winkler (SPÖ) verwies bei der Präsentation auf die Bedeutung des Neusiedler Sees für die Region und den verantwortungsvollen Umgang mit dessen Ressourcen. „Mit dem Projekt Schilfraum zeigen wir, dass auch in bislang wenig genutzten Materialien wie dem Sediment des Neusiedler Sees großes Potenzial steckt“, erklärte Winkler.

Vom Seeschlamm zum Baustoff: Was mit Sediment möglich ist

© Birgit Böhm-Ritter

Von Lehmputz bis Dämmmaterial

Während beim Sediment vor allem Anwendungen im Baubereich untersucht werden, reichen die Versuche mit Schilf weiter. Dabei geht es ausdrücklich nicht um das hochwertige, trockene Material der traditionellen Schilfernte, sondern etwa um Knick- und Bruchschilf, das teilweise längere Zeit im Wasser gelegen hat.

Daraus könnten beispielsweise gepresste Matten für Wärme- oder Akustikdämmung sowie Platten aus gehäckseltem Schilf entstehen. Auch biologisch abbaubare Isolierboxen für den Lebensmittelversand werden untersucht. Laut Zloklikovits laufen in diesem Bereich Patentvorbereitungen und Zertifizierungen.

Vom Seeschlamm zum Baustoff: Was mit Sediment möglich ist

© Birgit Böhm-Ritter

Für altes, nasses Schilf wird zudem eine Verwendung als Kompost und Erdsubstrat entwickelt. Dabei arbeitet Forschung Burgenland mit der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) zusammen. Ein entsprechendes Produkt befinde sich laut Zloklikovits bereits in der Zertifizierungsphase und solle im kommenden Jahr auf den Markt kommen.

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Der nächste Schritt soll wieder in Richtung Bauen führen. Für 2027 kündigte Zloklikovits ein kleines Demonstrationsgebäude aus regionalen Materialien an. Ziel sei, darin mindestens so viel Kohlendioxid zu speichern, wie bei der Errichtung einschließlich Transport und weiterer Arbeiten freigesetzt wird.

Bis dahin sind bei mehreren Ansätzen noch Forschung, Prüfungen und Zertifizierungen notwendig. Der „Schilfraum“ macht in Winden am See sichtbar, wie weit die Versuche derzeit gediehen sind – vom 3D-gedruckten Sediment bis zu neuen Verwendungsmöglichkeiten für Schilf.