Was Podersdorfs neue Kläranlage leisten muss
Feierliche Eröffnung
Neun Jahre Planung, rund 13 Millionen Euro und eine neue Kläranlage für Podersdorf am See: Am Samstag wurde das Bauwerk offiziell eröffnet. Damit endet die Geschichte einer Anlage, die seit 1969 ihren Dienst versah – und eine neue Phase der Abwasserreinigung beginnt.
Podersdorfs Klärwärter: Patrick Altenburger, Wolfgang Gisch und Lorenz Lentsch
© Birgit Böhm-Ritter
Der erste Gemeinderatsbeschluss für den Neubau fiel am 22. März 2017. 2022 folgten die Vergabe der Ingenieurleistungen und die weiteren Planungsschritte. Nun ist die neue Anlage in Betrieb.
Damit endet zugleich die Geschichte der bisherigen Kläranlage, die 1969 errichtet und zehn Jahre später erweitert worden war. Bürgermeisterin Michaela Wohlfart erinnerte bei der Eröffnung an einen Zeitungsbericht aus jenem Jahr. Damals war die Anlage für 10.000 Personen ausgelegt und kostete 47 Millionen Schilling. Der Bau war nötig geworden, weil der Tourismus in Podersdorf stark gewachsen war: Von rund 15.000 Nächtigungen im Jahr 1958 stieg die Zahl bis 1968 auf mehr als 125.000.
Bürgermeisterin Michaela Wohlfart
© Birgit Böhm-Ritter
Heute kommt Podersdorf auf rund 400.000 Nächtigungen pro Jahr. Die neue Kläranlage ist für rund 18.000 Einwohnerwerte ausgelegt und soll damit auch die saisonalen Schwankungen der Gemeinde bewältigen.
„Heute dürfen wir mit Stolz sagen, unsere Kläranlage ist für die Zukunft bestens gerüstet“, sagte Wohlfart. Die alte Anlage blieb bis 2025 in Betrieb. Teile davon werden weiterhin genutzt.
Die neue Kläranlage muss mit einer besonderen Ausgangslage zurechtkommen. Im Sommer steigt die Belastung durch den Tourismus, gleichzeitig sorgt die Wärme für eine höhere biologische Aktivität in der Anlage. „Und zwar gibt es im Sommer den starken Tourismus. Da arbeiten aber auch die Mikroorganismen in der Kläranlage sehr fleißig, weil die Temperaturen höher sind. Und gleichzeitig ist im Winter weniger Tourismus, da arbeiten auch die Mikroorganismen nicht so stark“, erklärte Markus Pollak von B&K Ziviltechnik.
Technik für wechselnde Belastungen
Im Spätsommer kommt zusätzlich der Weinbau als Belastungsspitze hinzu. Auch die Wassermengen schwanken erheblich: Nachts können weniger als fünf Liter pro Sekunde zufließen, bei Regenwetter bis zu 160 Liter. Gemeinsam mit der Mischwasserbehandlung kann die Anlage mehr als 200 Liter pro Sekunde aufnehmen.
Die wesentlichen Verfahrensschritte sind deshalb doppelt ausgeführt. Diese sogenannte Redundanz ermöglicht Wartungs- und Reparaturarbeiten, ohne die Betriebssicherheit der Anlage unnötig zu beeinträchtigen.
© Birgit Böhm-Ritter
Technisch auffällig ist die UV-Desinfektion. Nach dem Tuchfilter und dem Nachklärbecken wird das gereinigte Abwasser mit ultraviolettem Licht behandelt. „Das ist in Österreich bei sehr wenigen Kläranlagen so der Fall“, sagte Pollak. Die Technik soll insbesondere mit Blick auf das Badegewässer zusätzliche hygienische Sicherheit schaffen. In Podersdorf hat dieses Verfahren bereits Tradition: Eine erste UV-Desinfektionsanlage wurde laut Pollak in den 1990er-Jahren errichtet.
Auch Teile der alten Anlage haben weiterhin eine Funktion. Ein ehemaliger Mischwasserbehälter mit rund 2.000 Kubikmetern Fassungsvermögen kann bei starken Niederschlägen Wasser aufnehmen und damit Entlastungen und hydraulische Spitzen reduzieren. Zudem ist die neue Anlage stärker automatisiert. Sensoren und Messgeräte liefern Betriebsdaten an ein zentrales Leitsystem, das auch eine Überwachung per Tablet ermöglicht.
Millioneninvestition für die Abwasserentsorgung
Für die Gemeinde ist der Neubau eine erhebliche finanzielle Belastung. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt rund 13 Millionen Euro. „Und das ist eine Summe, bei der eine Bürgermeisterin schon einmal ordentlich schluckt“, sagte Wohlfart. Rund zwölf Millionen Euro gelten als förderfähig. Der Bund übernimmt 34 Prozent der förderbaren Kosten, das Land Burgenland weitere zehn Prozent.
Gleichzeitig investiert Podersdorf weiter in das Kanalnetz. Über fünf Jahre sind dafür rund 1,8 Millionen Euro vorgesehen. Damit sollen unter anderem die rund 24 Pumpstationen entlastet werden. Nationalratsabgeordneter Maximilian Köllner bezeichnete die Abwasserentsorgung als Teil der Daseinsvorsorge: „Ein funktionierendes Kanalisationssystem, eine funktionierende Kläranlage ist also durchaus keine Selbstverständlichkeit.“
Im Anschluss an die Festreden wurde die neue Kläranlage gesegnet.
© Birgit Böhm-Ritter