Oberwart: Stadt-Café verschwindet für immer
Abbrucharbeiten
Vier Jahre nach der Schließung wird das ehemalige Stadt-Café in der Oberwarter Hauptstraße abgerissen. Für viele endet damit ein Kapitel der Stadtgeschichte.
Die Abbrucharbeiten sind voll im Gange.
© Bertie Unger
Mit dem Abriss des ehemaligen Stadt-Cafés verschwindet ein Ort, der über Jahrzehnte das Leben in der Oberwarter Innenstadt mitgeprägt hat. Drei Jahre nach der Schließung rollt nun der Bagger an. Wo einst Kaffee serviert, Zeitungen gelesen und unzählige Gespräche geführt wurden, bleibt bald nur noch Erinnerung.
35 Jahre lang führten Gustav und Elfriede Gamauf das Stadt-Café. Ende März 2022 schlossen sie die Türen ihres Kaffeehauses endgültig. Mit dem Ruhestand des Wirtepaares endete damals auch eine Ära.
Das Stadt-Café war weit mehr als ein Gastronomiebetrieb. Es galt als Treffpunkt für Familien, Vereine, Kulturschaffende, Wirtschaft und Politik. Viele Stammgäste schätzten die klassische Kaffeehauskultur mit Zeitung, einem Glas Wasser zum Kaffee und vor allem Zeit für persönliche Gespräche. „Mein Beruf war es zu dienen, aber irgendwann muss einmal Schluss sein“, sagte Gustav Gamauf damals im Gespräch mit der BVZ.
Auch mit 65 Jahren habe er sich noch fit gefühlt, doch der richtige Zeitpunkt für den Ruhestand komme nie von selbst. Gemeinsam mit seiner Frau Elfriede und Mitarbeiterin Elisabeth, die vom ersten Tag an dabei gewesen war, verabschiedete er sich mit einem weinenden Auge von den Gästen.
Der Abriss des Gebäudes löste nun auch Reaktionen in den sozialen Medien aus. Ein als sehr kritisch bekannter Bürger aus dem Ortsteil St. Martin/Wart spricht vom „stillen und heimlichen Abschied eines Teils der Oberwarter Stadtgeschichte“. In seinem Facebook-Beitrag verweist er auf leerstehende Geschäftslokale, sanierungsbedürftige Häuser sowie weitere markante Gebäude entlang der Hauptstraße und sieht darin den schleichenden Verlust des einst lebendigen Stadtbildes. Was die Diakonie als Besitzer des Areals geplant hat steht noch nicht fest. „Wir arbeiten gerade an einem Konzept, das im Herbst spruchreif wird“, sagt Diakonie Burgenland Rektorin Sieglinde Pfänder.