Schock in Güssing: Ärztin zieht zurück
Absage
Die Suche nach einem Allgemeinmediziner geht weiter. Die neue Ärztin sollte ihre Praxis im Juni beziehen, sagte aber nun völlig überraschend ab und nennt wirtschaftliche Argumente als Grund. Die Stadtgemeinde Güssing hatte Förderungen in der Höhe von insgesamt 320.000 Euro zugesagt. Der überraschende Rückzug erfolgt nun aus wirtschaftlichen Gründen, wie es in einer schriftlichen Mitteilung an die Stadtgemeinde heißt. Die ÖVP denkt nun an Primärversorgungszentrum.
Die neue ärztin war weg, bevor sie ihren Dienst antrat.
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Grunde war alles angerichtet: Die Stadtgemeinde wollte die Förderung des Landes verdoppeln, wodurch für die Ordinationsgründung eine Förderung von 120.000 Euro bereitgestanden wäre. Der Bewerberin wurde der Startbonus in Höhe von 100.000 Euro aus dem Gesundheitsreform-Paket des Bundes zugesagt. Dazu wurde ein Vertrag angeboten, der ein zusätzliches Einkommen als Schul- und Gemeindeärztin ermöglicht hätte. Und dann hätte die Stadtgemeinde noch ein Mietzuschuss in der Höhe von 20.000 Euro pro Jahr auf die Dauer von fünf Jahren zugesichert, also insgesamt 100.000 Euro Mietzuschuss. Doch alles leider vergeblich: Die Interessentin hat ihre Bewerbung bei der ÖGK und der Ärztekammer zurückgezogen, wie sie in einem Mail schriftlich mitteilte. Darin bedankt sie sich ausdrücklich bei der Stadtgemeinde für das Bemühen und gab wirtschaftliche Argumente als Grund für ihren Rückzug an.
Rückzug kommt völlig überraschend
„Diese Absage kommt für uns völlig überraschend und unerwartet, denn wir hatten mit der Ärztin eine ausgezeichnete Gesprächsbasis und waren guter Dinge, mit unseren Zusagen, ein gutes Angebot gemacht zu haben.“, sagte Bürgermeister Vinzenz Knor in einer ersten Reaktion, „Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich festhalten, dass hier ein Systemversagen vorliegt, wenn wir zum wiederholten Male eine Abfuhr bei der Suche nach einem Allgemeinmediziner erhalten, weil sich eine Ordination ohne Hausapotheke nicht rechne. Wie kann es sein, dass bei der ärztlichen Grundversorgung – und darum geht es hier – Businesspläne eine so bedeutende Rolle spielen?“, beklagt sich Knor. „Wie sollen wir als Stadtgemeinde das beeinflussen, wenn es mit den angebotenen Förderungen bisher nicht möglich war? Wir geben aber nicht nach und werden weiterhin mit aller Kraft daran arbeiten, einen Allgemeinmediziner oder eine Allgemeinmedizinerin für Güssing zu gewinnen. Die Suche geht weiter“, gibt sich Knor kämpferisch.
ÖVP denkt an ein anderes Modell
„Diese Zusagen die seitens der Stadt getätigt werden, sind enorm“, sagt auch ÖVP Stadtparteiobmann Philipp Krobath. „Das Geld sitzt auch bei uns nicht locker, aber für den Gesundheitsbereich ist das wesentlich“, sagt Krobath. „Die Zusagen bedeuten aber auch eine enorme Kraftanstrengung für die Stadt, also sollten wir vielleicht ein Primärversorgungszentrum andenken. Eines, wo sich verschiedene Ärzt:innen eine Praxis teilen können. Das bringt Flexibilität bei den Arbeitszeiten also wäre das auch wirtschaftlicher“, erklärt der ÖVP-Chef, der den Ball aber auch bei ÖGK und Ärztekammer sieht. „Da müssen Kassenstellen geschaffen werden. Wir haben schon einmal einen Vorstoß gemacht, aber da wurde noch nicht darauf reagiert“, sagt Philipp Krobath. „Wir werden gemeinsam mit dem Bürgermeister Schritte diskutieren. Jeder wird auf seinen Kanälen auf Landesebene agieren, um die Grundversorgung sicher zu stellen“, so Krobath. Was den Ordinationsstandort selbst betrifft, stand die Interessentin in laufendem Kontakt mit Vorgänger Klaus Wehle, um über den Erwerb seiner ehemaligen Ordinationsräumlichkeiten zu verhandeln. Nachdem die Interessentin der Stadtgemeinde mitgeteilt hatte, dass die Verhandlungen nicht erfolgreich waren, wollte die Stadtgemeinde die ehemalige Ordination von Klaus Wohlgenannt adaptieren. Leider auch vergeblich.