„GAS AN“ - Filmdreh im Mittelburgenland
Agnes Pauer
Die Nachwuchsregisseurin Agnes Pauer aus Kobersdorf dreht im August ihren neuen Kurzfilm “GAS AN!“ in ihrer Heimatgemeinde - mit Laiendarsteller*innen, Originalschauplätzen und einem Blick, der immer auch politisch ist.
Agnes Pauer studiert Regie an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München.
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BVZ: Was war der Auslöser für Ihren Weg zur Regie?
Agnes Pauer: Erste Erfahrungen im Erzählen habe ich selbst auf Bühnen gesammelt. Als der Theaterclub im Burgtheater, in dem ich erste Schauspielerfahrungen gesammelt habe, nicht mehr fortgeführt wurde, war das für mich und die Leute aus meiner Theatergruppe der Startschuss, gemeinsam etwas zu starten und ich wollte Regie ausprobieren. Daraus ist unser Theaterkollektiv „Scheinwerfer“ entstanden. Beim Schreiben unseres ersten Stücks, den Proben und der Arbeit im Hintergrund ist mir aufgefallen, dass mich diese kreative Leitungsposition noch viel mehr erfüllt als das Spielen alleine.
BVZ: Wie kam es dazu, dass Sie sich für das Studium Spielfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München entschieden haben?
Pauer: Die HFF München hat mich angesprochen, weil ich das Gefühl hatte, dass die Verantwortlichen des Studiengangs ihre Rolle in der Filmbranche reflektieren. Außerdem ist Julia von Heinz dort bis heute Regieprofessorin und inzwischen auch meine Mentorin. Die Aussicht darauf, von einer so politischen und klaren Regisseurin zu lernen, hat mir die Entscheidung leicht gemacht.
BVZ Welche Rolle spielt Politik für Sie im Hinblick auf Theater und Film?
Pauer: Ich bin davon überzeugt, dass alles politisch ist, und glaube daran, dass Gerechtigkeit und ein besseres Leben für alle möglich sind, wenn wir es priorisieren. Diese Einstellung hätte ich ohne die Literatur und die Diskussionen während meines Politikwissenschaftsstudiums an der Universität Wien, das ich vor meinem Regiestudium abgeschlossen habe, nicht so ausgeprägt, beziehungsweise könnte ich sie wahrscheinlich schlechter argumentieren. Argumentieren und kritisches Denken habe ich während dieser Zeit auch gelernt. Das nützt mir jeden Tag.
BVZ: Vom Aufwachsen im Burgenland über das Politikwissenschaftsstudium in Wien bis zum Regiestudium an einer der renommiertesten Filmhochschulen Deutschlands - inwiefern prägt diese Herkunft ihre Arbeit?
Pauer: Wenn ich Heimweh habe, dann schaue ich ,Burgenland Heute’ - und alleine da stellen sich für mich schnell große politische Fragen. Wie kann ein Rechenzentrum geplant werden, während Wälder ausbrennen und die Landwirtschaft existenziell bedroht ist? Wieso sitzen in den Gaststuben keine Frauen, und wo gehen die Männer hin, wenn die Gasthäuser schließen müssen? Das tritt in diesem Mikrokosmos, den ich so gut kenne, für mich präsent zutage und befeuert die Geschichten, die ich schreibe.
BVZ: Sie drehen im August Ihren nächsten Kurzfilm „GAS AN!“ in Kobersdorf - was hat Sie dazu bewegt, dass der Film zum Teil auch in Ihrer Heimatgemeinde Kobersdorf gedreht wird?
Pauer: Ich wollte die Landschaft und meine Kontakte vor Ort nutzen, um eine Geschichte zu erzählen, die sich echt anfühlt. Einerseits kann ich dadurch etwas an die Gemeinschaft zurückgeben, die mich zu der Filmemacherin gemacht hat, die ich heute bin. Andererseits gewinnen wir durch die Laiendarsteller, die im Film mitspielen, und durch die Originalschauplätze, an denen wir filmen dürfen, eine Authentizität, die den Film noch realer wirken lässt.
BVZ: Was können die Kobersdorferinnen und Kobersdorfer von Ihrem Dreh erwarten - werden die Arbeiten für die Bevölkerung auch sichtbar sein?
Pauer: Zum Teil. Ein bis zwei Drehtage werden an Orten in Kobersdorf stattfinden. Da werden zum Teil auch Straßen gesperrt sein. Mein Team kommt teilweise aus München und Wien und übernachtet in Kobersdorf und Umgebung. Wenn man das Team also nicht tagsüber sieht, dann vielleicht beim Feierabendgetränk am Badesee Kobersdorf.
BVZ: Wovon handelt der Film „GAS AN!“? Warum ist es Ihnen persönlich wichtig, diese Geschichte zu erzählen?
Pauer: Es geht um die Beziehung zwischen einer 14-Jährigen und ihrer Tanzlehrerin. Beide wollen etwas erleben, und beide kommen nicht so recht aus ihrem gewohnten Umfeld raus. Als die Jugendliche ein Auto klaut, um zu einem Tanzwettbewerb zu kommen, erkennt die Tanzlehrerin, dass sie Verantwortung für sie übernehmen will und ihr geplatzter Traum von der Tanzkarriere macht einer wichtigeren Aufgabe Platz.
Die Geschichte ist eine Hommage an alle, die Verantwortung für junge Menschen übernehmen, die vielleicht ihre eigenen Bedürfnisse zurückstecken und einen Unterschied im Leben von anderen machen, weil sie an sie glauben und für sie da sind. Ich hatte viele solcher Menschen in meinem Leben und glaube, dass wir diese Leute auch selbst sein und Verantwortung für die jungen Menschen in unserem Umfeld übernehmen müssen - ob sie mit uns verwandt sind oder nicht.
BVZ: Was ist bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen anders als mit erwachsenen Schauspielerinnen und Schauspielern?
Pauer: Bei geschulten Schauspielerinnen und Schauspielern gibt es eine andere Basis, auf die man aufbauen kann. Das ist bei Laien ganz anders, aber dadurch bringen sie auch viel mit in die Produktion.
Wir haben in den vergangenen Monaten vor allem daran gearbeitet, eine gemeinsame Sprache zu finden, fokussiert zu proben und trotzdem nicht den Spaß und die Besonderheiten der jungen Darstellerinnen und Darsteller zu verlieren. Beim Spielen für die Kamera steht für mich das Sein viel mehr im Vordergrund als das Spielen. Ich will nicht, dass mir jemand etwas vorspielt, sondern dass die Situation durchlebt wird, in der die Figur steckt. Das braucht viel Vor- und Nachbereitung, ist aber auch eine inspirierende Erfahrung.
BVZ: Welche Projekte stehen für Sie sonst noch an?
Pauer: Im Herbst steht der Dreh für den Kurzfilm ,Mercedes’ an. Es geht darin um einen jungen Mann, der mit seiner Mutter auf einem alten Hof lebt. Sie haben noch ein letztes Zuchtschwein - Mercedes - und als das nicht mehr trächtig wird, entführt der Mann es kurzerhand.
Die Geschichte wird dabei durchaus mit einem Augenzwinkern erzählt - stellt aber auch große Themen in den Raum, wie die der männlichen Einsamkeit oder auch die Frage, wie wir mit (Nutz-„Tieren umgehen.
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„Mercedes“ ist ein Plädoyer an die Zärtlichkeit und das Einfühlungsvermögen von Männern in einer Zeit, wo sich die Männlichkeit in einer Krise wähnt.
Zudem stellt der Film die Frage, was ein lebenswertes Leben ausmacht und ob die Betrachtung von Nutztieren als Ausschussware noch zeitgemäß ist. Für den Kurzfilm hat man bereits ein Filmschwein gefunden, jedoch braucht man noch Unterstützung bei der Finanzierung. „Jeder Beitrag hilft!“, so Agnes Pauer.
Hier können Sie den Kurzfilm unterstützen: Mercedes Kurzfilm — Crowdfunding bei wemakeit

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Agnes Pauer (geboren 1996 in Wien, aufgewachsen in Kobersdorf) ist Autorin und Regisseurin. Nach einem Studium der Politikwissenschaft in Wien und Riga studiert sie seit 2022 Spielfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München.
Ihre künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen Film, Theater und bildender Kunst und verbindet persönliche Themen mit gesellschaftspolitischem Engagement. Als Mitbegründerin des Wiener Theaterkollektivs Scheinwerfer sammelte sie erste Erfahrungen als Regisseurin und Autorin.
Ihre Arbeiten fokussieren sich auf Themen wie Emanzipation, Zugehörigkeit und ein gutes Leben für alle, wobei sie stets den Humor in alltäglichen Situationen sucht.