Wenn ein Koch am Bauhof arbeitet: So läuft die Arbeitspflicht

Asylwerber erzählen

Vier Asylwerber erzählen, wie es ihnen mit der Arbeitspflicht geht, und was für sie danach kommen soll: Ein gelernter Koch will zurück in seinen Job, ein junger Iraner will einen eigenen Frisiersalon und weiter im Burgenland Fußball spielen. Zwischenmenschlich passiert jedenfalls einiges, wie sich im täglichen Arbeitsleben in der Baudirektion zeigt.

Schneestangen werden fit für den Winter gemacht – ein Teil des Jobs für Zenar, Abas, Shahab und Emrah (v.l.).

Schneestangen werden fit für den Winter gemacht – ein Teil des Jobs für Zenar, Abas, Shahab und Emrah (v.l.).

© Wolfgang Millendorfer

Der erste Schnee des Winters ist zum BVZ-Besuch in der Landes-Baudirektion gerade rechtzeitig gekommen: Es gibt einiges zu tun, man merkt den Betriebsleitern aber die Routine an. Richtig wild wird die Arbeit nämlich erst, wenn es so richtig schneit.

Bis dahin gehören derzeit vor allem Streusalz und Schneestangen zum Geschäft, auch für die vier Asylwerber, die an diesem Tag in Eisenstadt zum Dienst antreten. Einerseits sind Zenar, Abas, Emrah und Shahab seit 1. Juli zum Arbeitseinsatz im Burgenland verpflichtet, andererseits nehmen sie die Verpflichtung – neben Deutschkursen, Familie und wenigen Hobbys – auch als Aufgabe an.

Wenn ein Koch am Bauhof arbeitet: So läuft die Arbeitspflicht

© Wolfgang Millendorfer

Bis zu 20 Wochenstunden müssen beim Land oder in Gemeinden geleistet werden, wer verweigert, erhält keine Grundversorgung mehr, sondern nur mehr das Notwendigste. So will es das „Modell Burgenland“, mit dem ein schärferer Asylkurs gefahren wird; zugleich soll damit „die gesellschaftliche Teilhabe gesteuert und nicht dem Zufall überlassen werden“, hieß es vor dem Sommer beim Beschluss im Landtag. Rund 40 Asylwerber sind aktuell Teil des Modells.

Langes Warten auf den Bescheid – und viele Pläne

Was das Warten auf den Ausgang eines Verfahrens bedeutet, das erzählen die vier Arbeiter beim Kaffee im Bauhof-Büro: Zenar stammt aus Syrien, ist seit einem Jahr in Österreich und eigentlich Konditor, Shahab ist vor drei Jahren aus dem Iran zu uns gekommen und will einmal einen eigenen Frisiersalon aufmachen, Abas ist Schlosser, kommt aus dem Irak und wartet seit zwei Jahren auf den Bescheid, Emrah ist vor vier Jahren aus der Türkei gekommen und gelernter Koch.

„Wenn das Asylverfahren in manchen Fällen negativ ausgeht, dann ist das natürlich auch zwischenmenschlich ein Thema“, sagt Gerald Gebhardt, der als Leiter des Nordburgenland-Teams die Arbeit koordiniert. Dass das im Großen und Ganzen sehr gut läuft, bestätigen Standortleiter Jürgen Nagl und die Straßenmeister Johann Balogh, Mario Buchinger und Christian Kroyer im Gespräch.

Wenn ein Koch am Bauhof arbeitet: So läuft die Arbeitspflicht

© Wolfgang Millendorfer

Die menschliche Ebene ist – neben der laufend neuen Einteilungssache und Logistik – ein nicht zu unterschätzender Faktor; wenn es sprachlich nicht klappt, wird eben „mit Händen und Füßen“ kommuniziert, und die Mitarbeiter der Baudirektion kriegen zwangsläufig auch Einblick in Traumatisierung oder schwierige Verhältnisse.

Probleme bleiben nicht aus, und wenn es an einer Arbeitsstelle gar nicht läuft, geht die Sache zurück in die Sozialabteilung des Landes. Die Integration ist aber in vielen Fällen genauso Teil des Jobs, quasi nebenbei im gemeinsamen Arbeitsalltag.

Und wie geht es den Asylwerbern in der Freizeit? Verbracht wird sie oftmals im Quartier, im „neuen Zuhause“ in Eisenstadt oder im Mittelburgenland. Ein Sprichwort bewahrheitet sich für den 20-jährigen Shahab: Fußball bringt die Leute zusammen. Er kickt beim ASK Raiding und ist oft am Sportplatz. Das soll sich nicht ändern, wenn einmal ein positiver Bescheid kommt und er als Friseur durchstarten kann.

Wenn ein Koch am Bauhof arbeitet: So läuft die Arbeitspflicht

© Wolfgang Millendorfer