Basilika Frauenkirchen: Pensionist stahl aus Opferkorb

Gerichtsprozess

Aus der Basilika stahl ein Pensionist Geld, aus dem Klosterladen Lebensmittel. Jetzt wurde der 71-Jährige verurteilt.

Warum er die Diebstähle begangen hatte, konnte der Angeklagte nicht sagen.

Warum er die Diebstähle begangen hatte, konnte der Angeklagte nicht sagen.

© BVZ/Kirchmeir

2.200 Euro Pension bekommt der 71-jährige Pensionist nach eigenen Angaben. Eine offizielle Meldeadresse hat er nicht, er wohne in einem Gasthaus, gab er am 2. Februar 2024 vor Gericht bekannt. „Meine Wohnung ist noch nicht fertig. Es dauert noch ein paar Wochen“, informierte er die Richterin beim Diebstahlsprozess am 2. Februar 2024.

Trotz seiner nicht unerheblichen Pension in Höhe von 2.200 Euro - 14 Mal im Jahr - betätigte sich der 71-Jährige im Vorjahr mehrfach als Dieb und wurde dabei erwischt.

Zunächst fiel er auf, weil er im August 2023 zweimal im Klosterladen des Franziskanerklosters Frauenkirchen Lebensmittel mitnahm, ohne zu bezahlen. Es handelt sich um einen Selbstbedienungs-Shop, wo die Waren entnommen und mittels Kasseneinwurf oder per Bankomatkarte bezahlt werden kann.

Pater: „95% der Kunden sind ehrlich“

„95% der Kunden sind ehrlich“, berichtete ein Pater, der als Zeuge einvernommen wurde. „Wir haben eine Videoüberwachung und es funktioniert bis auf die fünf Prozent, die wir irgendwann erwischen.“

So auch den 71-jährigen Pensionisten, der zur Anzeige gebracht wurde. Wegen der beiden Diebstähle im Klosterladen vom August stand er im November 2023 vor dem Bezirksgericht Neusiedl und wurde zu vier Wochen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

In der Zwischenzeit war er aber neuerlich straffällig geworden. Noch im August 2023 hatte er in der Basilika Frauenkirchen aus dem Kollektekörbchen Geld entnommen. Im September 2023 stahl er aus dem Klosterladen Wallfahrtstaler und Schokolade im Wert von 12.80 Euro und im Oktober 2023 steckte er beim Billa in Neusiedl einen Energydrink und eine Schokoladenmilch ein.

Zwei andere Waren bezahlte er an diesem Tag an der Kassa. Als er auf die Getränke angesprochen wurde, die er an der Kassa vorbeischmuggeln wollte, gab er diese zurück.

„Sie haben eine so tolle Pension, warum begehen Sie Diebstähle“

„Sie haben eine so tolle Pension, warum begehen Sie so kleine Diebstähle?“, wunderte sich Richterin Karin Knöchl.

„Ich weiß es nicht. Ich kann Ihnen keine Antwort geben“, sagte der Angeklagte.

„Wissen Sie, dass Sie knapp dran sind, in die Justizanstalt zu gehen?“, informierte die Richterin den bereits vierfach einschlägig vorbestraften Pensionisten.

„Es tut mir leid“, antwortete diese.

Kick oder Spielsucht?

„Geht es Ihnen um den Kick, weil Sie schauen wollen, ob Sie erwischt werden?“, hakte die Richterin weiter nach. „Oder leiden Sie an Spielsucht?“

Der Angeklagte verneinte die Spielsucht und versprach, über sein Verhalten nachzudenken.

Der Franziskaner-Pater berichtete, dass ihm der Pensionist wegen seines Rucksacks aufgefallen war. „Das ist für mich ein Alarmzeichen“, sagte der Pater. Er habe den Mann dann beobachtet und „gesehen, wie er einpackt“.

Kloster verköstigt bei Hunger und Durst

Bei allen Opferstöcken in den Franziskaner-Klöstern seien Schilder montiert: „Wenn jemand Hunger und Durst hat, kann er sich bei uns rühren. Das tun die Leute auch“, berichtete der Pater. „Was wir aber nicht akzeptieren, ist, wenn sie selber zugeifen, vor allem so oft.“

Fünf oder sechs Mal habe der 71-Jährige zum Schaden des Klosters Diebstähle begangen. Nach der Verhandlung am Bezirksgericht Neusiedl habe der Pensionist 40 Euro an das Kloster bezahlt.

„Damit ist der Schaden gutgemacht“, sagte der Pater.

Der Pensionist wurde zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Mit diesem Urteil zeigte sich der Angeklagte einverstanden.