Der Neusiedler See macht, was ein Steppensee eben macht

Auf und Ab

In den letzten Monaten waren die Menschen am Neusiedler See angesichts des stark gestiegenen Wasserstands in Jubelstimmung. Nun nehmen die Sorgenfalten wegen der starken Verdunstung wieder zu. Dieses Auf und Ab ist aber vor allem eines: normal.

Auch größere Boote können am ganzen See wieder problemlos fahren - das war in den vergangenen Jahren nicht so.

Auch größere Boote können am ganzen See wieder problemlos fahren - das war in den vergangenen Jahren nicht so.

© BVZ/Wagentristl

Wer 2022 vor dem fast ausgetrockneten Neusiedler See stand, hätte sich wohl kaum vorstellen können, wie schnell und stark sich der größten Steppensee Mitteleuropas erholt. Lag der Wasserstand im April des Vorjahres noch 60 Zentimeter (!) unter dem langjährigen Mittel, war der Wasserstand heuer Mitte Juni bereits wieder „normal“.

Grund war eine anhaltende Regenperiode von Mitte April bis Mitte Juni. Damit ist es nun aber wieder vorbei, seither dominiert trockene Hitze, teilweise mit starkem Wind - das wiederum sorgt für eine starke Verdunstung, der Wasserstand sinkt damit mehr als im langjährigen Schnitt.

Der Neusiedler See macht, was ein Steppensee eben macht

© Hydrographischer Dienst Burgenland

Grund zum Alarm ist das allerdings nicht, sondern eine erwartbare Entwicklung. „Das ist ganz normal für diese Jahreszeit“, versichert Christian Sailer, Leiter der Task Force Neusiedler See. Bei Hitze über 30 Grad könne der Wasserstand um bis zu einen Zentimeter täglich sinken.

Statistisch gesehen sei bis September ein „Abfalltrend“ zu erwarten, „wenn nicht zwischenzeitlich große Regenmengen kommen.“

Das ist der natürliche Lauf der Dinge – sieht man im Verlauf der Sommer immer wieder. Christian Sailer, Leiter Task Force Neusiedler See

Trotz Normalisierung des Wasserstands: Land hält an Zuleitung fest

Aus wasserfachlicher Sicht gebe es heuer keine Gefährdung. An den Plänen für die Wasserzufuhr für den Neusiedler See ändere das aber nichts, betont man beim Land: „Wir arbeiten weiter an einer Zuleitung zum Neusiedler See, damit wir dieses Mehr an Verdunstung aufgrund der hohen Temperaturen kompensieren können. Dabei stehen wir in guter Abstimmung mit dem Land Niederösterreich“, so Sailer.

Der Neusiedler See macht, was ein Steppensee eben macht

© BVZ/Wagentristl

Die Klimakrise bringt immer mehr Wetterextreme, vor allem Trockenphasen nehmen zu, weiß auch Sailer. Dem wolle man eben entgegenwirken, auch wenn es durch Regenphasen zu kurzfristigen Verbesserungen kommt. Der langjährige Trend bleibt davon unberührt, dem gelte es entgegenzuwirken.

Kein Problem für Wasserqualität

Die Wasserqualität sei trotz der Hitzephase in Ordnung, ein Fischsterben oder ähnliche negativen Auswirkungen sind aktuell nicht zu erwarten. Dennoch: „Wir hoffen natürlich auf Regen“, so Sailer abschließend.