Schilfdachhaus aus Weiden am See gewinnt erneut Architekturpreis

Ausgezeichnet

Das „Einfamilienhaus mit Schilfdach“ in Weiden am See wurde mit dem Architekturpreis des Landes Burgenland 2025 ausgezeichnet. Bauherr Jacobus „Koos“ Van Hoorne und Architekt Gilbert Berthold überzeugten die Jury mit einer zeitgemäßen Neuinterpretation traditioneller Baukultur. Für das außergewöhnliche Projekt gab es bereits im Vorjahr den Österreichischen Bauherrenpreis.

Schilfdachhaus aus Weiden am See gewinnt erneut Architekturpreis

© Gilbert Berthold

Ein Haus aus Schilf als architektonisches Statement

Ein Haus mit Schilfdach in einer Einfamilienhaussiedlung – was nach Tradition klingt, ist in Wirklichkeit ein Experiment mit Signalwirkung. Jacobus Van Hoorne, Physiker und Schilfdachdecker in zweiter Generation, wollte zeigen, dass ein natürliches Material wie Schilf auch in zeitgenössischer Architektur Bestand haben kann. Gemeinsam mit Architekt Gilbert Berthold aus Zürich schuf er ein Wohnhaus, das sich durch seine organische Form und seine nachhaltige Bauweise von der Umgebung abhebt.

Das „Einfamilienhaus mit Schilfdach“ erhielt nun den Architekturpreis des Landes Burgenland. Vergeben wurde die Auszeichnung am Montagabend im Lisztzentrum Raiding. Der Preis würdigt seit 2002 im Zweijahresrhythmus herausragende Beiträge zur zeitgenössischen Architektur im Land. 2025 wurden zwei gleichwertige Preise und zwei Anerkennungen vergeben, insgesamt waren 20 Projekte eingereicht.

Schilfdachhaus aus Weiden am See gewinnt erneut Architekturpreis

© LMS Burgenland, DANIEL FENZ

Auszeichnung für zeitgenössische Baukultur

Die Jury legte ein besonderes Augenmerk auf die spezifische Baukultur des Landes und auf die Auseinandersetzung mit den Strukturen des Burgenlandes, der Topographie, dem Klima und der Landschaft. Beurteilt wurden unter anderem die architektonische Qualität, der Umgang mit dem örtlichen Kontext und die Maßstäblichkeit im dörflichen Gefüge.

Laut Jury überzeugte das Haus durch „die Verwendung von nachwachsenden, regional verfügbaren Baustoffen wie Holz, Stroh und Schilf“ und sie „konsequent nachhaltige Bauweise, die gleichzeitig ästhetische Eigenständigkeit und hohe handwerkliche Qualität verkörpert.“

Van Hoorne setzte sich in Weiden am See bewusst mit den örtlichen Gegebenheiten auseinander: Das Haus ist kompakt, weitgehend aus Holz errichtet und fügt sich trotz seiner ungewöhnlichen Dachform harmonisch in die Umgebung ein. Das frei geformte Schilfdach zeigt das Potenzial eines regionalen Baustoffs, der aufgrund seiner isolierenden Eigenschaften und Langlebigkeit längst wiederentdeckt wird.

Bereits mehrfach prämiert

Bereits 2024 wurde Van Hoorne für das Projekt mit dem Österreichischen Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der Architekt:innen ausgezeichnet. Die Jury lobte damals die „Neuinterpretation eines Schilfdaches“ und die intensive Zusammenarbeit zwischen Bauherr und Architekt.

Van Hoorne, der nach sieben Jahren am Europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf zum Handwerk zurückkehrte, brachte seine wissenschaftliche Neugier auch in das Projekt ein. Um die Genehmigung für das Schilfdach zu erhalten, führte er einen Brandversuch durch: „Ich habe ein kleines Dach gebaut und bin damit zur Prüfanstalt für Brandverhalten nach Wien gefahren, um zu beweisen, dass es nicht in Vollbrand gerät und leicht zu löschen ist“, sagte er damals in einem Interview.

Schilfdachhaus aus Weiden am See gewinnt erneut Architekturpreis

© Wolfgang Millendorfer

Der Nachweis, dass Schilfdächer auch im dicht verbauten Gebiet zulässig sind, gilt seither als wegweisend. Mit dem neuerlichen Preis wird das Engagement Van Hoornes für eine innovative und zugleich traditionsbewusste Bauweise einmal mehr gewürdigt.

Weitere Preisträgerinnen und Preisträger

Neben dem Projekt in Weiden am See wurde die freistil Architektur GmbH aus Wien gemeinsam mit der Katholischen Pfarrgemeinde Bad Sauerbrunn für die Sanierung und Neugestaltung der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ausgezeichnet. Anerkennungen erhielten der „Stadtgarten Oberwart“ des Landschaftsarchitekten Heinz Gerbl für die Stadtgemeinde Oberwart sowie das „haus sz“ in Wulkaprodersdorf von Architekt Thomas Kügerl mit den Bauherren Birgit Szuppin und Thomas Kügerl.

Überreicht wurden die Preise von Claudia Priber, Geschäftsführerin der KBB Kultur-Betriebe Burgenland GmbH. Durch den Abend führte Elisabeth Gamauf-Leitner, musikalisch begleitet wurde die Verleihung von Anna Koch.