Schloss Halbturn im Dreivierteltakt der Geschichte

Ausstellung

Es gibt Orte, die sind wie geschaffen für große Geschichten. Schloss Halbturn ist so einer. Als am Dienstag zur Pressekonferenz der diesjährigen Ausstellung „Liebe & Macht – Hinter den Kulissen des Wiener Kongresses“ geladen wurde, zeigte sich das barocke Juwel von seiner schönsten Seite: edel im Rahmen, heiter in der Stimmung und mit jener lässigen Eleganz, die nur Häuser mit Geschichte ausstrahlen.

Schlossherr Graf Markus Königsegg-Aulendorf mit Gattin Gräfin Philippa, Kuratorin Katrin Unterreiner, Landesrätin Daniela Winkler und Bürgermeister von Halbturn Markus Ulram

Schlossherr Graf Markus Königsegg-Aulendorf mit Gattin Gräfin Philippa, Kuratorin Katrin Unterreiner, Landesrätin Daniela Winkler und Bürgermeister von Halbturn Markus Ulram

© Nina Mayer

Empfangen wurden die Gäste vom Schlossherrn Graf Markus Königsegg-Aulendorf und seiner charmanten Gattin Philippa, die mit herzlicher Selbstverständlichkeit Gastgeber jener Art waren, die einem sofort das Gefühl geben, willkommen zu sein. Ebenso begrüßten Landesrätin Daniela Winkler, Bürgermeister von Halbturn Markus Ulram, sowie die Historikerin und Kuratorin der Ausstellung, Katrin Unterreiner, deren Name längst für niveauvolle, publikumsnahe Geschichtsvermittlung steht, die Anwesenden.

Katrin Unterreiner erzählte mit spürbarer Begeisterung, dass ihr der Wiener Kongress schon seit Langem eine Herzensangelegenheit sei. Nur: das historische Material zu diesem Thema sei überraschend überschaubar.

Schloss Halbturn im Dreivierteltakt der Geschichte

© Nina Mayer

Historische Pracht trifft filmische Phantasie

Umso erfreuter war sie, als ein Anruf von Filmproduzentin Bettina Kuhn kam. Sie berichtete von der neuen sechsteiligen Historienserie „Vienna Game“, die im Herbst ausgestrahlt werden soll, und fragte nach einer Kooperation. Die Antwort war natürlich ein begeistertes Ja, spätestens als auch noch der Name der Modedesignerin Susanne Bisovsky fiel, die für die Kostüme verantwortlich zeichnet.

So schlägt die Ausstellung auf besonders reizvolle Weise eine Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart: Erstmals und exklusiv werden im Rahmen der diesjährigen Ausstellung die prachtvollen Kostüme präsentiert, die für die Serie geschaffen wurden. Bisovskys Handschrift, die durchaus als opulent, verspielt, unverwechselbar österreichisch bezeichnet werden kann, fügt sich dabei verblüffend stimmig in die Welt des frühen 19. Jahrhunderts ein.

Dazu kommen hochkarätige Leihgaben renommierter Institutionen wie dem Kunsthistorischen Museum, dem Wien Museum, dem Österreichischen Staatsarchiv sowie von Schloss Schönbrunn.

Schloss Halbturn im Dreivierteltakt der Geschichte

© Nina Mayer

Erwin Steinhauer als Überraschungsgast

Ein besonderer Höhepunkt des Nachmittags war das Erscheinen des Schauspielers Erwin Steinhauer, der in der Serie „Vienna Game“ eine tragende Rolle übernehmen wird. Welche? Das wird noch nicht verraten. Allein seine Präsenz verlieh dem Termin zusätzlichen Glanz und sorgte für jenes freudige Kribbeln, das gute Premieren und gelungene Pressekonferenzen begleitet.

Die heurige Ausstellung widmet sich nicht nur den politischen Weichenstellungen des Wiener Kongresses, sondern vor allem den Menschen dahinter: den großen Persönlichkeiten, ihren Leidenschaften, Liebschaften, Eitelkeiten, Fehden und Intrigen.

Der Kongress, der von September 1814 bis Juni 1815 tagte, war weit mehr als trockene Diplomatie. Er war Europas wohl eleganteste Krisensitzung. Während offiziell Grenzen neu gezogen wurden, tanzte, tafelte und flirtete man in den Salons Wiens. Metternich lenkte mit höflichem Lächeln die Geschicke des Kontinents, Talleyrand bewies, dass man selbst als Vertreter der Besiegten noch glänzend mitspielen konnte, ganz Europa bewegte sich im Dreivierteltakt, während Napoleon auf Elba im Exil war.

Berühmt blieb der Satz: „Der Kongress tanzt.“ Selten wurde Weltpolitik mit so viel Musikbegleitung betrieben.

Schloss Halbturn im Dreivierteltakt der Geschichte

© Nina Mayer

Frühlingslicht und höfischer Glanz

Dass es auf Schloss Halbturn solche Intrigen an diesem Abend nicht gegeben hat, darf mit Erleichterung festgestellt werden. Stattdessen genossen die Gäste das prachtvolle Ambiente der Prunkräume, das goldene Licht der Abendsonne auf der Terrasse und den Blick in den Park, der sich nun wieder maigrün zeigt. Viele Besucherinnen und Besucher erschienen in heller Frühlingsgarderobe, was der Veranstaltung zusätzliche Leuchtkraft verlieh.

So entstand für einige Stunden das schöne Gefühl, als wäre die Vergangenheit kurz mit der Kutsche vorgefahren, um nach dem Rechten zu sehen. Und man darf annehmen: Sie war höchst zufrieden.

Die Ausstellung „Liebe & Macht – Hinter den Kulissen des Wiener Kongresses“ ist von 29. April bis 1. November 2026 auf Schloss Halbturn zu sehen, jeweils Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr.