Liane Presich-Petuelli: Scherenschnittkunst im Zeichen von Franz Liszt

Ausstellungseröffnung

Am Freitag öffnete die Liszt-Bibliothek in Raiding ihre Türen für eine außergewöhnliche Kunstpremiere: die Eröffnung der Scherenschnittausstellung „Franz Liszt Zyklus“ der Eisenstädter Künstlerin Liane Presich-Petuelli (1925–2020).

Bei der Eröffnung der Scherenschnittausstellung „Franz Liszt Zyklus“ in der Liszt-Bibliothek Raiding: Manfred Fuchs, Günter Unger, Walter Burian, Mert Hakan Seker, Jack Augustin Dauner und Johannes Kutrowatz.

Bei der Eröffnung der Scherenschnittausstellung „Franz Liszt Zyklus“ in der Liszt-Bibliothek Raiding: Manfred Fuchs, Günter Unger, Walter Burian, Mert Hakan Seker, Jack Augustin Dauner und Johannes Kutrowatz.

© Julia Pekovits

Günter Unger eröffnete die Ausstellung mit einem einführenden Vortrag, während Studierende der Joseph-Haydn-Privathochschule Eisenstadt für die musikalische Umrahmung sorgten: Jack Augustin Dauner (Rhapsodie espagnole) und Mert Hakan Seker (Rigoletto-Konzertparaphrase) ließen den Geist Liszts nicht nur in den filigranen Linien der Scherenschnitte, sondern auch in der Musik spürbar werden.

Liane Presich-Petuelli entdeckte schon in ihrer Kindheit ihre Leidenschaft für die Psaligraphie, der aus China stammenden Kunst des Scherenschnittes. Neben ihrer Tätigkeit als AHS-Lehrerin in Oberschützen, Wien und Eisenstadt war sie auch Pianistin und Lyrikerin. 1979 veröffentlichte sie ihren ersten Gedichtband „Schere und Feder“.

Als Künstlerin des Scherenschnitts hat sie sich international einen Namen gemacht, zumal sie diese traditionsverhaftete „Silhouettenkunst" technisch und kreativ weiterentwickelt hat. Sie führte nicht nur die klassische Schwarz-Weiß-Technik weiter, wie sie zur Zeit Goethes und des Biedermeiers eine Blütezeit erlebt hat, sondern experimentierte auch mit der Verwendung farbiger Materialien und abstrakter Formen im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Die Arbeit mit Papier und Schere bot ihr die Möglichkeit, ohne Einschränkung sowohl thematisch als auch formal vielfältigen Stilrichtungen Ausdruck zu verleihen. Ihre Arbeiten wurden weltweit ausgestellt, unter anderem in Berlin, Frankfurt, Straßburg, Shanghai, Hangzhou und Shaoxing.

Besonders tief war ihre Bewunderung für die Komponisten Joseph Haydn und Franz Liszt, deren Werke sie in ganzen Scherenschnittzyklen würdigte. 2019 übergab sie den Liszt-Zyklus als Dauerleihvertrag an den Franz-Liszt-Verein, wodurch diese Werke nun erstmalig in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Ausstellung eröffnet nicht nur einen neuen Blick auf Liszts musikalisches Erbe, sondern zeigt, wie eng Kunst und Musik, Handwerk und Emotion miteinander verwoben sein können.

Die Ausstellung kann bis Ende November während der Gemeinde- und Restaurantöffnungszeiten vom „Liszt am Bach“ besichtigt werden.