Jambor adé! Dragonz trennen sich nach sechs Jahren von ihrem Coach

Basketball Superliga

Geraunt wurde bei den Eisenstadt Dragonz schon länger, nach der zweiten Niederlage gegen das bisherige Schlusslicht Fürstenfeld muss Headcoach Felix Jambor nun den Platz räumen. Für die letzten sieben Matches übernimmt Assistant Coach Edgar Nubiola.

Felix Jambor hatte heuer wenig Grund zur Freude. Die BBC Nord Dragonz verabschieden sich nach sechs Jahren von ihrem Headcoach, der sie in die Superliga geführt hat

Felix Jambor hatte heuer wenig Grund zur Freude. Die BBC Nord Dragonz verabschieden sich nach sechs Jahren von ihrem Headcoach, der sie in die Superliga geführt hat

© BVZ/Wagentristl

2020: Felix Jambor übernimmt als Coach des mittelmäßigen Zweitligisten BBC Nord Dragonz von Dusan Kozlica. Fünf Jahre später stehen die Dragonz sensationell im Finale der höchsten Spielklasse Österreichs, werden schließlich Vize-Meister und steigern die Basketball-Euphorie in der Landeshauptstadt ins Unermessliche. Noch ein Jahr später: Die Eisenstadt Dragonz sind wenige Matches vor Schluss Letzter und Headcoach Felix Jambor muss gehen. Was für eine wilde Reise.

Jambor adé! Dragonz trennen sich nach sechs Jahren von ihrem Coach

© BVZ, Peter Wagentristl

Die aus finanziellen und damit auch personellen Gründen schwierige Saison lief noch unerfreulicher als erwartet und wurde „zu einem sportlichen Desaster, deren Ursache auf vielen Schultern lastet“, wie es die Drachen um General Manager Roland Knor ungeschönt formulieren.

Anfangs suchte man die Schuld bei einzelnen Spielern und deren Einsatz. Nach einem tiefgreifenden Kaderumbau und der Rückkehr zweier Väter des Vizemeister-Titels, Sead Hadzifejzovic und Lukas Hahn, blieb der Erfolg aber weiter aus. Die Kritik fokussierte in Folge auf Headcoach Felix Jambor. Vor wenigen Wochen stärkte der Vorstand dem bis zu dieser Saison erfolgreichen Trainer den Rücken, zog nun aber die Reißleine: ein Trainerwechsel soll „einen letzten Impuls für das Team geben“.

Jambor: „Dankbarkeit überwiegt“

Das sieht auch der scheidende Headcoach so, der seine letzten sechs Lebensjahre dem Eisenstädter Basketball verschrieben hat - und dabei mehr erreicht hat, als irgendjemand erwartet hätte. Entsprechend „überwiegt die Dankbarkeit für die Chancen, das Vertrauen und die Unterstützung, die ich in den vergangenen Jahren erfahren habe“, so Jambor auf BVZ-Anfrage.

Jambor adé! Dragonz trennen sich nach sechs Jahren von ihrem Coach

© Martin Ivansich

„Ich weiß, dass Roland sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Diesen Schritt respektiere ich, auch wenn ich es persönlich natürlich schade finde, dass ich den Weg mit den Dragonz nicht zu Ende gehen konnte“, erklärt der Vizemeistermacher. Den heurigen Tiefpunkt überstrahlen aber zahlreiche unvergessliche Höhepunkte: „Das Cup Final Four als Zweitligist, der Aufstieg in die Superliga, unser Run in den Finals in der Vorsaison und wie sich der Enthusiasmus auf der Tribüne und in der Stadt entwickelt hat“, zählt Jambor auf.

Ein Highlight waren auch die vielen tollen Menschen, die Arbeit im Nachwuchs, Trainingslager mit der nächsten Generation - da merkt man, dass man an einem nachhaltigen Projekt mitwirkt. Felix Jambor, scheidender Headcoach der Eisenstadt Dragonz

In die heurige Saison sei man nach dem Überraschungserfolg in der Vorsaison mit zu hohen Erwartungen gestartet: „Praktisch alle Teams der Liga haben im Sommer teilweise massiv aufgerüstet. Wir dagegen haben mit einem drastisch reduzierten Budget einen neuen Kader zusammengestellt.“ Auch wenn man klarer Underdog war, habe Jambor an das Team geglaubt. „Von den ersten sechs Matches hätten wir auch fünf gewinnen können“ - wären nicht immer wieder „vermeidbare Fehler“ dazugekommen. Die Abwärtsspirale begann sich zu drehen und heute stehen die Dragonz mit der roten Laterne und ohne Coach Jambor da.

Nubiola übernimmt (mindestens) bis Saisonende

Heißt im Klartext: Headcoach Felix Jambor muss nach sechs Jahren gehen, sein Assistant Coach, der Katalane Edgar Nubiola, übernimmt ab sofort. Vom Spanier hört man von allen Seiten seit seiner Verpflichtung im Vorjahr nur Positives, einige der entscheidenden Last-Second-Plays der Vorsaison erwuchsen seinem Taktikbrett.

Jambor adé! Dragonz trennen sich nach sechs Jahren von ihrem Coach

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„Es ist mir eine Ehre, den Verein bis Saisonende coachen zu dürfen. Die Umstände sind natürlich nicht optimal, aber schlussendlich muss ich die Situation akzeptieren und mein Bestes geben“, freut sich der interimistische Headcoach mit guten Aussichten auf Verlängerung, wenn auch nicht ganz ohne Bauchweh.

Für seinen Vorgänger hat Nubiola gegenüber der BVZ nur positive Worte: „Wir haben von Anfang an gut und lösungsorientiert zusammengerarbeitet. Es tut mir Leid, dass seine Zeit in Eisenstadt nun so zu Ende gehen musste. Ich wünsche ihm nur das Beste für die Zukunft und bin dankbar für alles, was ich von ihm in den vergangenen eineinhalb Jahren lernen durfte“, verneigt sich der Spanier vor dem Tiroler.

Für die letzten sieben Matches erwartet sich der Neo-Headcoach, „dass wir wieder siegeshungrig auftreten, den Fans zeigen, dass wir gewinnen wollen, dass wir verteidigen wollen und es besser machen wollen als bisher.“ Nun liegt es an den Spielern zu zeigen, wie der Trainereffekt sich auswirkt – eigentlich kann es nur besser werden.

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Im Profisport zählen am Ende immer die Ergebnisse. General Manager Roland Knor.

Für Roland Knor war es „eine sehr schwere Entscheidung, da der Verein und ich Felix viel zu verdanken haben. Wir haben in der Vergangenheit viele Entscheidungen gemeinsam getroffen, sehr viel Herzblut in das Team gesteckt und die Eisenstadt Dragonz inklusive der Nachwuchsarbeit letztendlich zu dem gemacht, was sie jetzt darstellen. Aber im Profi-Sport zählen am Ende immer die Ergebnisse.“ Er hofft nun darauf, dass Jambor dem Verein in einer anderen Funktion erhalten bleibt.

Jambor adé! Dragonz trennen sich nach sechs Jahren von ihrem Coach

© BVZ/Wagentristl

Auf Nachfrage der BVZ will sich Jambor hier derzeit nicht festlegen. „Mein Fokus lag zu hundert Prozent auf diesem Team und darauf noch einen positiven Abschluss für diese Saison hinzubekommen.“ Entsprechend müsse er nun erst einmal in sich gehen und auch an seine Familie denken. „Einerseits kann ich mir gut vorstellen, in einer anderen Funktion zurückzukehren, da hier sehr viel Herzblut dranhängt. Andererseits bin ich auch mit Leib und Seele Basketballtrainer“, lässt Jambor seine Zukunftspläne noch offen.

Zu Jahresbeginn schiend er Plan klar, Knor schloss einen Trainerwechsel noch aus: „Unterm Strich kann man Trainer und Spieler austauschen, aber die Verantwortung bleibt letztendlich beim General Manager. Dazu stehe ich auch und sollten Entscheidungen sich im Nachhinein als falsch herausstellen, möchte ich auch nicht die Verantwortung auf Spieler und Trainer abwälzen“, so Knor Anfang Jänner.

Niederlage in Fürstenfeld als Sargnagel

Nachdem die Dragonz fast die ganze Saison über am vorletzten Tabellenplatz lagen, kam es am Samstag noch dicker: Mit der 85:74-Niederlage in Fürstenfeld rutschten die Burgenländer auf den letzten Platz zurück. Einmal mehr muss man die positiven Aspekte aktiv suchen; so findet man etwa 15 Punkte bei Dogus Demirel, gespickt mit sieben Rebounds und vier Assists. Besser war allerdings Filip Bjelanovic: Der Ex-Drache, den man zugunsten von Eigenbau-Talent Demirel wieder abgab, schrieb 22 Punkte, elf Assists und sieben Rebounds an und führte die Panthers zum Sieg.

Jambor adé! Dragonz trennen sich nach sechs Jahren von ihrem Coach

© BVZ/Wagentristl, Peter Wagentristl

In der Zwischenzeit lagen die Eisenstädter sogar elf Punkte vorne. Aufmerksamen BVZ-Lesern wird folgender Satz bekannt vorkommen: Die Dragonz konnten ihre Leistung leider nicht über die gesamten 40 Minuten abrufen. Kurze Schwächephasen wurden zum Sargnagel - für das Kellerduell wie auch für Headcoach Felix Jambor.