Wenn aus 80 Kilometern dann doch 100 werden

Besondere Tour

Drei junge Burschen aus dem Oberpullendorfer Bezirk marschierten 100 Kilometer 23,5 Stunden durch das Burgenland und Teile von Ungarn.

 Florian Heintz, Alexander Stifter und Leon Maschler meisterten eine besondere Herausforderung.

Florian Heintz, Alexander Stifter und Leon Maschler meisterten eine besondere Herausforderung.

© zVg

Ursprünglich war eine ambitionierte Wanderung rund um den österreichischen Teil des Neusiedler Sees geplant - doch dann wurde es zur Extrem-Challenge. Florian Heintz, Alexander Stifter und Leon Maschler aus dem Mittelburgenland waren spontan 100 Kilometer zu Fuß unterwegs - ohne spezielle Vorbereitung, ohne organisierte Versorgung und innerhalb von 24 Stunden.

Die ursprüngliche Idee entstand erst wenige Wochen vor der Tour. Das Ziel war zunächst, den Neusiedler See auf österreichischer Seite von Pamhagen bis Mörbisch zu umrunden. Laut damaliger Planung wären das ungefähr 80 Kilometer gewesen – eine Strecke, die bereits als äußerst anspruchsvoll eingeschätzt wurde, aber noch realistisch erschien. Doch rund eine Woche vor dem geplanten Marsch kam die entscheidende Änderung. „Wenn wir schon so etwas machen, dann müssen es 100 Kilometer sein. Es muss dreistellig sein“, lautete der Vorschlag von einem der drei Freunde. Das konnte sich zu diesem Zeitpunkt keiner der drei wirklich vorstellen - und doch blieb es nicht nur bei der Idee.

Die drei machten sich schließlich von Deutschkreutz aus auf den Weg. Die Strecke führte über Ungarn und die Ostseite des Neusiedler Sees bis nach Oggau. Insgesamt kamen rund 100 Kilometer und etwa 150 Höhenmeter zusammen. Eine spezielle Vorbereitung auf die Distanz gab es nicht, obwohl die drei zwar regelmäßig beim Wandern und Bergsteigen unterwegs sind, hatten sie noch nie annähernd eine solche Distanz in einem Stück zurückgelegt.

Auch die Versorgung wurde vollständig selbst organisiert. Essen und Getränke wurden im Rucksack mitgeführt. „In Illmitz wurde während der Tour nochmals eingekauft, bevor es in die Nacht ging, wobei wir uns eigentlich nur von Süßigkeiten und Zuckergetränken ernährten. Es handelte sich um keinen organisierten Marsch und es gab keine Begleitfahrzeuge, Versorgungsstationen oder sonstige Unterstützung“, betonen die drei.

Tagsüber machte vor allem die Hitze den drei Wanderern zu schaffen. Alle drei erlitten einen starken Sonnenbrand. Nach etwa 70 Kilometern kam schließlich der große körperliche Einbruch. Die letzten 30 Kilometer wurden zur eigentlichen Herausforderung.

Besonders schwierig wurde die Situation in der Nacht, zwischen Kilometer 80 und 90. „Zwischen Kilometer 80 und 90 habe ich wirklich dauernd darüber nachgedacht, mich einfach hinzusetzen und aufzugeben. Es war unglaublich schwer und ich hatte einen Zitteranfall. Irgendwann wurde mir extrem kalt. Wir haben uns angeschaut und meinten, wir ziehen das noch gemeinsam durch und sind trotzdem weitergegangen. Als die Sonne wieder aufgegangen ist, wurde es langsam besser“, erinnert man sich.

Auch die letzten Kilometer wurden unterschiedlich bewältigt: Einer der drei konnte die letzten fünf Kilometer sogar noch laufen, während die beiden anderen nur noch langsam weitergingen. Nach rund 23 Stunden und 30 Minuten war die 100-Kilometer-Marke schließlich auch für den letzten der drei erreicht. Die reine Bewegungszeit lag bei ungefähr 19 Stunden. Alle drei hatten die gesamte Strecke mit der Lauf-, Radfahr- und Wander-App Strava aufgezeichnet und können damit den Verlauf der Tour nachvollziehen.

Die Motivation für die ungewöhnliche Aktion war dabei denkbar einfach: ausprobieren, ob es tatsächlich möglich ist. Aus einer ursprünglich geplanten, bereits als schwierig empfundenen 80-Kilometer-Tour wurde innerhalb weniger Tage eine dreistellige Herausforderung. Freunde hatten den drei Wanderern im Vorfeld sogar scherzhaft mit einer „Strafe“ gedroht, falls sie die 100 Kilometer nicht schaffen würden.

„Am Ende blieb die Strafe aus. Jedoch konnte aufgrund der Blasen ein paar Tage kein festes Schuhwerk getragen werden“, erzählen sie rückblickend.