UNESCO-Weltkulturerbe im Herzen des Burgenlandes
Besonderheiten im Land
Statistisch gehört das Burgenland zu den kleinsten Bundesländern mit der geringsten Bevölkerungszahl. Nichtsdestotrotz hat die Region im Osten Österreichs sowohl kulturell als auch naturell gesehen eine große Vielfalt zu bieten-
Die Stinatzer Hochzeit („Stinjačka svadba“) ist ein UNESCO-Weltkulturerbe aus dem Burgenland.
© Zorica Toth
Im Laufe der letzten Jahrhunderte konnten sich zum einen etliche Traditionen und Bräuche etablieren. Davon sind einige dieser Kulturformen im immateriellen „UNESCO-Weltkulturerbe“ inbegriffen. Zum anderen beherbergt das Burgenland bedeutende landschaftliche Erbstätten, die übernationale Grenzen hinweg verläuft. Mit Blick auf die Zukunft könnte sich die Liste schon bald um ein altes römisches Konstrukt erweitern.
Transnationales Weltkulturerbe
Mit einer Fläche von rund 320 km² gilt der Neusiedler See als größter Steppensee Mitteleuropas. Eine weitere Besonderheit der Kulturlandschaft Fertő/Neusiedler See ist, dass sie sich über nationale Grenzen hinweg erstreckt.
Zumal das traumhafte Naturschutzgebiet den österreichischen „Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel“ mit dem ungarischen „Fertő-Hanság Nemzeti Park“ vereint. Überdies zeichnet sich das flache Gewässer durch seine geringe Tiefe von maximal 1,8 Metern aus, wobei der Wasserspiegel nicht selten in beide Richtungen schwankt.
Ebenso sticht der breite Schilfgürtel am Westufer sofort ins Auge, weil er unter anderem zahlreichen Vogelarten Lebensraum bietet. Als Teil des „UNESCO-Welterbes“ wurde die Region nicht nur aufgrund ihrer außergewöhnlichen Landschaft, sondern auch aufgrund ihrer historischen Siedlungsstruktur und der ausgeprägten landwirtschaftlichen Nutzung im Jahr 2001 ausgezeichnet.
Der Neusiedler See Rundweg ermöglicht es Besucherinnen und Besuchern, die Schönheit der Region hautnah zu erleben und die Natur gemeinsam zu entdecken.
Unberührtes Naturparadies
Zwar gibt es im Burgenland kein eigenständiges „UNESCO-Weltnaturerbe“, trotzdem verzaubert der Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel als Weltkulturerbe auf österreichischem Territorium mit seiner unbedigen Flora und Fauna. Charakterisiert wird das Gebiet östlich des Sees liegend durch seine rund 40 salzhaltigen Laken. Je nach Wetterlage kann der größte dieser Tümpel, die Lange Lacke, bis zu 10 km² groß werden oder gar komplett austrocknen.
Zudem zieht die einzigartige Landschaft zahlreiche Vogelarten an und macht die Region so denn zu einem ornithologischen Paradies.
Immaterielles Weltkulturerbe – Lebendige Traditionen
Von Handwerkskünsten über Sprache und Musik bis hin zu gesellschaftlichen Praktiken, sechs burgenländische Schätze wurden über Generationen hinweg weitergegeben und von der „UNESCO“ als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Donaulimes – Anwärter für das Welterbe
Ein weiteres Relikt ist der Donaulimes, der seit 2015 als Kandidat von Österreich für das UNESCO-Weltkulturerbe geführt wird. Diese ehemalige römische Grenzbefestigung liegt nahe zur burgenländischen Grenze und ist circa 420 km lang. Dabei verläuft der Pannonische Limes entlang der Donau und sicherte die Nordgrenze des Römischen Reiches. Zugleich diente das militärische Straßennetz dem wirtschaftlichen Austausch innerhalb der Provinzen.
UNESCO-Weltkulturerbe: Schätze im Burgenland
1. Der Burgenländische Indigo-Handblaudruck repräsentiert eine traditionelle Drucktechnik, bei der Stoffe mit Wachsmustern versehen und anschließend mit Indigo gefärbt werden. Nur die nicht mit Wachs bedeckten Stellen nehmen die Farbe an, wodurch kennzeichnende weiße Muster aufblauem Grund entstehen. Familie Koó inSteinberg-Dörfl praktiziert dies als einziger Betrieb im Burgenland.
2. Früher spezialisierten sich viele burgenländische Handwerker auf die Ofen-und Kaminmaurerei, deren Fachkunde im Bau von Fabrikschornsteinen entscheidend für die Industrialisierung Europas war. Mittlerweile erinnert das Museum für Baukultur in Neutal an dieses bedeutende Handwerk.

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3.Nur nochwenige Burgenländerinnen und Burgenländer beherrschen Roman. Hierbei handelt es sich um eine Sprache mit indischen Wurzeln, die nur noch von der burgenländischen Roma-Gemeinschaft gesprochen wird. Dennoch haben einige Begriffe sogar Eingang in den deutschenVolksmund gefunden.

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4. Mit den Liedern der Lovara erzählt die gleichnamige Roma-Gemeinschaft von ihrem Leben, ihren Geschichten und ihrer Identität. Die genauso interessante Bezeichnung leitet sich von den ungarischen Wörtern für Pferd („ló“) und Händler („árus“) ab. Gegenwärtig lassen noch einige wenige Musikerinnen und Musiker diese Kunstform aufleben.

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5. Bei der Stinatzer Hochzeit („Stinjačka svadba“) zieht ein Hochzeitszug mit seinen kunterbunten Trachten feierlich durch den burgenlandkroatischen Ort Stinatz. Im Zuge dessen wird die gesamte Dorfgemeinschaft involviert, da alle gemeinsam Stinazer Hochzeitslieder singen und traditionelle Tänze tanzen.

© Zorica Toth
6. Ursprünglich reicht die Tradition des Neckenmarkter Fahnenschwingensbis ins Jahr 1620 zurück. Sie erinnert an die Hilfe der Neckenmarkter Bauern für Fürst Esterházy in der „Schlacht von Lackenbach“. Heutzutage wird in Neckenmarkt jedes Jahr am Sonntag nach Fronleichnam der sogenannte „Tag der Fahne“ mit einer feierlichen Veranstaltung begangen. Das Wissen um die Durchführung wird innerhalb der Burschenschaft von einer Generation an die nächste weitergegeben.

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