Von Gols nach Ohio: Lehre führte Marlene Wendelin in die USA

Bildung

Die 23-jährige Marlene Wendelin aus Gols hat nach ihrer Ausbildung an der Handelsakademie und einem Bürojob einen neuen beruflichen Weg eingeschlagen. Heute lernt sie Bäckerin und Konditorin in St. Andrä am Zicksee – und sammelte im Sommer drei Wochen lang Erfahrungen in den USA.

Sammelten viele neue Eindrücke: Marlene Wendelin (2. v. r.) mit anderen österreichischen Lehrlingen während ihres Aufenthalts in Ohio.

Sammelten viele neue Eindrücke: Marlene Wendelin (2. v. r.) mit anderen österreichischen Lehrlingen während ihres Aufenthalts in Ohio.

© Sonja Lichtenwagner

Vom Büro in die Backstube

Der Duft von frischem Gebäck statt Akten und Büroalltag: Für Marlene Wendelin aus Gols führte der berufliche Weg nicht geradlinig in jene Richtung, die sie nach der Handelsakademie zunächst eingeschlagen hatte. Erst ein Jahr als Verwaltungspraktikantin im Bundeskriminalamt in Wien brachte der heute 23-Jährigen die Gewissheit, dass sie beruflich etwas anderes suchte. „So wirklich angekommen bin ich dort aber nie.“

Was schließlich zu ihrem heutigen Beruf führte, hatte sie allerdings schon lange begleitet. „Backen hat mich schon von klein auf begleitet. Mit meiner Oma habe ich viele Stunden in der Küche verbracht.“

So entschied sich Wendelin für eine Lehre zur Bäckerin und Konditorin und machte damit aus ihrer Leidenschaft einen Beruf. Heute absolviert sie ihre Ausbildung im Betrieb von Michael Goldenitsch in St. Andrä am Zicksee. Goldenitsch ist Innungsmeister der burgenländischen Bäcker.

Die Lehrabschlussprüfung zur Konditorin bestand Wendelin bereits 2025 mit Auszeichnung. Im September steht nun die Prüfung zur Bäckerin bevor. Besonders schätzt sie an ihrem Beruf die Möglichkeit, kreativ zu arbeiten und das Ergebnis unmittelbar vor sich zu sehen. „Am Ende des Tages sieht man, was man geschaffen hat. Das bereitet mir einfach Freude.“

Drei Wochen am Campus in Ohio

Während die nächste Lehrabschlussprüfung bereits näher rückt, führte ein anderer Abschnitt ihrer Ausbildung im Sommer weit über die Grenzen Österreichs hinaus. Von 21. Juni bis 12. Juli nahm Wendelin am internationalen AFS-Lehrlingsprogramm teil und verbrachte drei Wochen an der Miami University in Oxford im US-Bundesstaat Ohio. AFS ist eine Organisation, die internationale Austauschprogramme anbietet.

Auf die Möglichkeit wurde die Golserin durch ihre Berufsschullehrerin aufmerksam. Als sie mit ihrem Lehrherrn Michael Goldenitsch darüber sprach, unterstützte dieser ihre Bewerbung. „Es ist wichtig, über den Tellerrand zu schauen. Ein Auslandsaufenthalt erweitert nicht nur die fachlichen Kenntnisse, sondern stärkt auch die persönliche Entwicklung, die Selbstständigkeit und das Selbstvertrauen. Lehrlinge sammeln dabei wertvolle Erfahrungen, die sie sowohl für ihren weiteren Berufsweg als auch für unsere Betriebe mitbringen.“

Von Gols nach Ohio: Lehre führte Marlene Wendelin in die USA

© WKB

Ganz von selbst ergab sich die Teilnahme allerdings nicht. Ein Motivationsschreiben und zahlreiche organisatorische Schritte mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbstständig erledigen. Wendelin entschied sich dennoch, die Chance zu nutzen.

Gemeinsam mit 21 weiteren Lehrlingen aus ganz Österreich ging es schließlich nach Ohio. Dort begann für die Golserin nicht nur ein Aufenthalt in einem fremden Land, sondern auch das Kennenlernen einer völlig neuen Gruppe. „Am Anfang habe ich niemanden gekannt, aber wir wurden zu einer richtigen Gemeinschaft.“

Einblicke in amerikanisches Handwerk

Während ihres Aufenthalts lebten die österreichischen Lehrlinge auf dem Campus der Universität. Sprachtraining und Kulturvermittlung standen ebenso auf dem Programm wie Einblicke in unterschiedliche Berufswelten.

Besonders in Erinnerung blieb Wendelin ein Betriebsbesuch bei einem jungen Unternehmer, der bereits mit zwölf Jahren zu backen begonnen hatte und mittlerweile ein auf Torten spezialisiertes Unternehmen führt. Der Weg des Unternehmers beeindruckte die junge Bäckerin und Konditorin. „Solche Geschichten motivieren!“

Von Gols nach Ohio: Lehre führte Marlene Wendelin in die USA

© Sonja Lichtenwagner

Auch das Handwerk selbst zeigte ihr neue Facetten. Unterschiede zwischen österreichischen und amerikanischen Bäckereien und Konditoreien seien deutlich erkennbar. „In den USA wird vieles deutlich üppiger als bei uns zubereitet, die Dekorationen sind sehr bunt und ausladend. Das Angebot ist gewaltig, man findet etwa riesige Verkaufstheken voll mit unterschiedlichsten Cupcakes oder Cookies.“

Zwischen Sprachtraining und beruflichen Einblicken blieb aber auch Zeit, Land und Leute kennenzulernen. Museumsbesuche, Baseballspiele und ein Zoobesuch gehörten ebenfalls zum Programm.

Von Gols nach Ohio: Lehre führte Marlene Wendelin in die USA

© ThomasMAGYARFotodesign, Thomas Magyar|Fotodesign

„Sich einfach trauen“

Nach drei Wochen ging es für Wendelin schließlich wieder zurück ins Burgenland – mit neuen Eindrücken und Erfahrungen im Gepäck. Die anfängliche Unsicherheit, ob sie sich überhaupt für das Programm bewerben sollte, sieht sie heute anders.

„Ich war anfangs selbst unsicher, ob ich mich bewerben soll. Im Nachhinein bin ich unglaublich froh, dass ich es gemacht habe. Ich habe viele tolle Erfahrungen mitgenommen. Mein Tipp lautet ganz klar: Traut euch!“

Nun richtet sich der Blick wieder auf die Ausbildung in St. Andrä am Zicksee. Im September steht für die 23-Jährige die Lehrabschlussprüfung zur Bäckerin an – und damit die nächste Etappe auf einem Berufsweg, der sie von Gols über Wien bis nach Ohio geführt hat.

Weitere Infos:
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