Der allerletzte Schultag in Steinberg: Servus Marianum!
Bildungs-Ära endet
Markenzeichen des Marianums waren die familiäre Atmosphäre, die Schulische Tagesbetreuung, die ganzheitliche Bildung und das Augenmerk auf eine gute Persönlichkeitsentwicklung. Über 300 Urkunden und Pokale waren Zeugnis für die erfolgreiche Teilnahme an den verschiedensten Wettbewerben.
Bei einem Dankgottesdienst wurden Schwester Jacinta und Schwester Felicitas von der Pfarre mit Pfarrer Deiva Sakayaraj Sebasthikkannu und Diakon Stefan Guczogi sowie der Gemeinde, vertreten durch Bürgermeister Manfred Schmidt, Vizebürgermeister Stefan Guczogi und Gemeindevorstand Rene Baumgartner verabschiedet.
© Gemeinde Steinberg-Dörfl
Am Freitag schließen sich die Tore der burgenländischen Schulen für die Sommerferien. Es ist Zeugnistag, der letzte Schultag dieses Schuljahres. In der Mittelschule Marianum Steinberg ist es der allerletzte Schultag überhaupt. Nach 140 Jahren pädagogischer Tätigkeit in Steinberg, lässt die Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser ihre Schule in Steinberg mit dem Schuljahr 2024/25 auslaufen. Diese Maßnahme wurde laut Orden aufgrund der Überalterung und abnehmenden Zahl der Schwestern notwendig. Dazu komme, dass Betriebs- und Instandhaltungskosten die finanziellen Möglichkeiten der Ordensprovinz zunehmend überfordern.
Nicht nur mit einem großen Transparent vor dem Schulhaus, sondern auch auf der Webseite der Schule sagt die Schulgemeinschaft „Servus Marianum“. Dort heißt es: Der Inhalt des Liedes: "Sag beim Abschied leise Servus" spricht uns aus dem Herzen: „Sag beim Abschied leise Servus, nicht Lebwohl und nicht Adieu. Diese Worte tun nur weh. Doch das kleine, Wörter′l, Servus ist ein lieber letzter Gruß, wenn man Abschied nehmen muss. Sag beim Abschied leise Servus und gibt's auch kein Wiedersehen, einmal war es doch schön.“
Vom Kindergarten bis zur Lehrerinnenbildungsanstalt
Tausende von Schülerinnen und Schüler haben im Laufe der vergangenen 140 Jahre ihre Ausbildung in Steinberg genossen Es war am 20. April 1885, als Dr. Johann Chrysostomus Bertha, ein gebürtiger Steinberger, als Domherr der Diözese Raab/Györ, eine Stiftung ins Leben gerufen und so den Grundstein für die „Klostermädchenschule“ und die „Kinderbewahranstalt“ (Originalzitat) gelegt hatte. Das Gebäude wurde am 4. November 1885 eingeweiht. Im Herbst 1885 wurde mit der Volksschule und dem Kindergarten begonnen, 1910 ein vierklassige Bürgerschule (Vorläuferin der Hauptschule) eröffnet. Damals waren 100 Schülerinnen in der Schule und 70 davon im Internat.
Im Herbst 1924 wurde die erste und einzige Lehrerinnenbildungsanstalt in Steinberg eröffnet, die 1938 aufgelöst und 1945 im Theresianum in Eisenstadt wieder eröffnet wurde. Im Schuljahr 1965/66 wurde mit der „Einjährigen Haushaltungsschule“ begonnen, die 1968 zur „Zweijährigen Hauswirtschaftsschule“ erweitert wurde.
Markenzeichen das Marianums waren aus der Sicht von Maria Zeitler, Provinzoberin der Schwestern vom Göttlichen Erlöser, die Schulische Tagesbetreuung und die ganzheitliche Bildung sowie die familiäre Atmosphäre, das Dasein der Schwestern, die sich vor allem auch um schwächere Schüler und Schülerinnen angenommen und diese auch gefördert haben. „Es wurde besonderer Wert auf eine gute Persönlichkeitsentwicklung gelegt, auf das Erkennen von Stärken und diese zu fördern , auf eine zeitgemäße Gestaltung des Unterrichts mithilfe einer modernen Ausstattung und auf die Vermittlung der christlichen Werte“, betont Zeitler.
Über 300 Urkunden und Pokale
Über 300 Urkunden und Pokale waren Zeugnis für die erfolgreiche Teilnahme an den verschiedensten Wettbewerben. „Die große Anzahl macht es sehr schwierig, alle Erfolge aufzuzählen. Im musikalischen und kreativen Bereich sind die Erfolge beim Landessingen, Bundessingen, Karaokewettbewerben, Lionswettbewerben und die Zusammenarbeit mit Lilien-Porzellan anzuführen, im naturwissenschaftlichen Bereich konnte 1996 österreichweit der 1. Platz beim Bewerb 'Wasser und Chemie' erreicht werden“, so Zeitler. Schülerinnen und Schüler aus dem Marianum nahmen auch an sportlichen Bewerben wie den Leichtathletikmeisterschaften teil. „Das Marianum war im Tischtennis eine Hochburg und freute sich über zig Landesmeistertitel und zwei Vizebundesmeistertitel“, so Zeitler weiter. „Im Informatikbereich erreichten die Schüler zahlreiche Preise als Bundessieger und Landessieger bei Computerolympiaden und Computerwettbewerben. Die Schulgemeinschaft freut sich in diesem Jahr über den 1. Platz bei den ICDL Zertifikaten aller burgenländischen Schulen - gemessen an den relativen Schülerzahlen.“
Auf die Frage, was die letzten Worte über das Marianum als Schulhaus sein sollten, meint die Provinzoberin: „Im Marianum konnten junge Menschen in familiärer und offener Atmosphäre ihre Fähigkeiten entfalten und zu selbständigen Persönlichkeiten heranreifen. Neben Wissen und Bildung war besonders die Weitergabe der christlichen Werte wichtig. Möge der Samen, der über 140 Jahre von den Schwestern vom Göttlichen Erlöser und den Pädagoginnen und Pädagogen gesät worden ist, reiche Frucht bringen!“
1885Gründung durch Domherr Dr. Bertha, Beginn des Unterrichts durch die Schwestern vom Göttlichen Erlöser
1898 Erste Erweiterung des Baus durch Aufstockung
1908 Einstöckiger Zubau auf der rechten Seite des Hauses
1910 Vierklassige Bürgerschule mit 100 Schülerinnen, davon 70 im Internat
Bis 1919/20 zunehmende Magyarisierung des Schulwesens, Unterricht in ungarischer Sprache
3 Schwestern im Kindergarten
5 Schwestern in der Volksschule
10 Schwestern in der Bürgerschule
Ab 1919/20 Unterricht in deutscher Sprache
1921 Anschluss des Burgenlandes an Österreich
Rückgang der Schülerzahlen
Verlust des Stiftungskapitals durch Geldentwertung
1922/23 Erste Aufnahme von Knaben in die Schule
1924 Eröffnung der ersten Lehrerinnenbildungsanstalt (LBA) im Burgenland
1928 Erste mündliche Reifeprüfung von 14 Maturantinnen in der LBA
1932 Weitere Vergrößerung der Schule
1938Verbot des Unterrichts für die Schwestern, Schüler müssen nach Stoob und Kirchschlag in die Schule
1941Schwestern müssen das Marianum verlassen
1945Russen hinterließen einen Ort der Verwüstung in der Schule, Schulbeginn im Dezember
1947/48Unterricht für 180 Kinder
1950er-Jahre Kontinuierliche Weiterentwicklung des Marianums
1959/60194 Schüler/innen
1965/66Schließung des Knabeninternats und Eröffnung der „Einjährigen Haushaltungsschule“
1968Offizielle Namensgebung des Hauses – „Marianum“ – im Gedenken an Domherr Bertha, der ein großer Marienverehrer war
Erweiterung der „Einjährigen“ in eine „Zweijährige Hauswirtschaftsschule“
17 Schwestern leben und arbeiten im Marianum
1974 Errichtung der großen Sportanlage
1982/83 Erweiterung des Turnsaales
6. – 9. Juni 1985 100 Jahre Marianum – Feier mit vielen Gästen und Sonderpostamt
1994/95 Getrennte Leitung für Hauptschule (Sr. Helga Josef) und HW (Josef Schukovits)
Erneuerungen und Adaptierungen in den Klassen- und Sonderunterrichtsräumen
1998 Feier „30 Jahre Hauswirtschaftsschule“
10 Hauptschulklassen und 3 Hauswirtschaftsklassen
1999/2000Schulversuch „Gesunde Ernährung“ in der HW
2010Übertragung der Leitung der Hauptschule an Erika Graner, die nach der Pensionierung von Maria Steurer auch die Hauswirtschaftsschule leitet
2021 Ankündigung der Schließung des Marianums mit Ende des Schuljahres 2024/25
15. Juni 2025Verabschiedung von Sr. Felicitas und Sr. Jacinta durch die Pfarre