Lange Lacke im Seewinkel droht zu verschwinden

BirdLife warnt

Die Lange Lacke im Seewinkel trocknet zunehmend aus. Fachleute warnen, dass das wichtigste Feuchtgebiet der Region bald gänzlich verloren sein könnte. Mit ihm würden nicht nur seltene Vögel wie die Krickente ihre Lebensgrundlage verlieren, sondern auch ein zentrales Ökosystem.

Lange Lacke

Lange Lacke

© Michael Dvorak

Ein Vogelparadies verliert sein Wasser

Noch vor wenigen Jahrzehnten galt die Lange Lacke als „Vogelparadies par excellence“. Heute ist sie zu einem Drittel verschwunden, ihr Wasserstand bleibt auch im Frühjahr minimal. „Sobald es wieder zu einer längeren Trockenphase kommt, ist zu befürchten, dass sie gänzlich verschwindet, bzw. an ihrer Stelle eine Gstetten entsteht“, warnt Michael Dvorak von BirdLife Österreich. Damit steht jenes Gewässer auf der Kippe, das über Generationen hinweg Symbol für die Artenvielfalt des Seewinkels war.

Lange Lacke im Seewinkel droht zu verschwinden

© Michael Dvorak

Die Ursachen für diesen dramatischen Rückgang liegen in der veränderten Grundwassersituation. Bis etwa 1990 speiste zusätzlich zum Regen auch Grundwasser die Lange Lacke. Dieser Kontakt ist inzwischen unterbrochen. Ähnliches berichtete bereits WWF-Experte Bernhard Kohler: „Die sind kaputt, die sind weg, die kann man nicht wiederherstellen.“ Der Verlust einzelner Lacken fügt sich damit in ein größeres Bild: Ein gesamtes Ökosystem gerät aus dem Gleichgewicht.

Sinkende Zahlen bei der Krickente

Wie eng das Schicksal der Lacken mit jenem der Vogelwelt verbunden ist, zeigt die Entwicklung der Krickente. BirdLife Österreich hat sie zum Vogel des Jahres 2025 erklärt, um auf ihre Bedrohung aufmerksam zu machen. Die Enten nutzen den Seewinkel auf ihrem Herbstzug seit jeher als Rast- und Mauserplatz. „Hier rasteten noch vor zehn bis 15 Jahren von September bis November regelmäßig rund 15.000, in guten Jahren sogar bis zu 25.000 Vögel“, erklärt Dvorak.

Heute sind solche Zahlen Geschichte. In den vergangenen Wochen hielten sich nur 5.000 bis 8.000 Krickenten in der Region auf, in den trockenen Jahren 2020 bis 2022 lagen die Werte noch weit darunter. Weil es in der Umgebung kaum alternative Rastplätze gibt, fehlt den Tieren Nahrung und Schutz. Der Rückgang der Krickente steht damit stellvertretend für das Verschwinden vieler Zugvogelarten.

Rettungsversuche im Seewinkel

Trotz dieser alarmierenden Entwicklung gibt es Versuche, gegenzusteuern. Schon seit Jahren arbeiten Projekte wie „Life Pannonic Salt“ daran, den Wasserhaushalt im Seewinkel zu stabilisieren. Der Rückgang ist jedoch gravierend: In den vergangenen 150 Jahren schrumpfte die Fläche der Sodalacken von 2.300 auf 1.300 Hektar.

Lange Lacke im Seewinkel droht zu verschwinden

© Michael Dvorak

Die Maßnahmen reichen von Wehranlagen, die das Grundwasser in der Region halten sollen, über angepasste Bewässerungssysteme bis hin zu landwirtschaftlichen Alternativen wie dem Anbau trockenheitsresistenter Kulturen. BirdLife Österreich fordert zusätzlich eine Begrenzung der Wasserentnahmen durch die Landwirtschaft. „Die Grundwasserentnahmen zur Bewässerung im Seewinkel müssen daher ab sofort in einem Maß erfolgen, das den Fortbestand der wenigen verbliebenen Sodalacken gewährleistet“, betont Dvorak. Geplant ist auch der Einbau von Wasseruhren bei den Feldbrunnen, um die entnommenen Mengen kontrollieren zu können.

Lange Lacke im Seewinkel droht zu verschwinden

© Michael Dvorak

Als Hoffnungsschimmer gilt die neue EU-Verordnung zur Wiederherstellung degradierter Ökosysteme. Sie bietet den Rahmen für eine Renaturierung, die nicht nur der Krickente, sondern auch dem gesamten Naturraum zugutekommen könnte. Ob diese Schritte rechtzeitig wirken, bleibt offen. Klar ist nur: Geht die Lange Lacke verloren, verliert der Seewinkel eines seiner wertvollsten Naturjuwele – und mit ihm ein Stück seiner Identität.