So gewinnen Musikkapellen den Nachwuchs
Blasmusik
Nachwuchs zu finden, wird auch für Musikkapellen immer schwieriger. Beim Bezirksmusikertreffen in Oberwart erzählten mehrere Vereine, mit welchen Ideen sie Kinder und Jugendliche für die Blasmusik begeistern – von Instrumentenvorstellungen über Jugendorchester bis hin zu Instagram und TikTok.
Die Stadtkapelle Oberwart besteht seit 75 Jahren.
© Tillfried Schober
OBERWART. Die Nachwuchsarbeit zählt längst zu den größten Herausforderungen der Musikkapellen. Freizeitangebote sind vielfältiger geworden, gleichzeitig konkurrieren Vereine mit zahlreichen anderen Hobbys um die Aufmerksamkeit junger Menschen. Beim Bezirksmusikertreffen in Oberwart wurde deshalb deutlich, wie viel Engagement die Vereine in die Gewinnung neuer Musikerinnen und Musiker investieren. Dabei setzen sie auf eine Mischung aus enger Zusammenarbeit mit Schulen und Musikschulen, persönlichen Kontakten, gemeinschaftlichen Aktivitäten und einer stärkeren Präsenz in den sozialen Medien. Oberwarts Bürgermeister Georg Rosner sieht dabei vor allem die räumliche Nähe von Volksschule und Musikschule als großen Vorteil. Beide Einrichtungen befinden sich im selben Gebäude, wodurch sich, wie er sagt, „neue Synergien“ ergeben hätten. Das habe sich bereits positiv ausgewirkt: Sechs neue Mitglieder konnten dadurch für die Stadtkapelle Oberwart gewonnen werden.
Viele Vereine versuchen, Kinder bereits im Volksschulalter für Musik zu begeistern. Der Musikverein Stadtschlaining präsentiert sich regelmäßig bei den Kinderferienspielen der Gemeinde und veranstaltet einmal jährlich einen Schnuppertag, bei dem verschiedene Instrumente ausprobiert werden können. Gleichzeitig arbeitet der Verein eng mit der Musikschule zusammen und setzt darauf, interessierte Kinder und ihre Familien direkt im Ort anzusprechen. Auch in Pinkafeld, Großpetersdorf und Mischendorf spielt die Kooperation mit Musikschulen, Volksschulen und Kindergärten eine zentrale Rolle.
Instrumentenvorstellungen sollen die Neugier der Kinder wecken und ihnen den Einstieg erleichtern. In Mischendorf gestaltet der Musikverein im Rahmen der Ferienbetreuung im Hort einen eigenen Erlebnistag, an dem die Kinder verschiedene Instrumente kennenlernen und selbst ausprobieren können. Großpetersdorf lädt außerdem alle zwei Jahre zu einem Tag der offenen Tür ein und beteiligt sich mit seinem Jugendorchester regelmäßig an Wettbewerben. Die Verantwortlichen sind sich einig: Je früher Kinder mit Musik in Berührung kommen, desto größer ist die Chance, sie langfristig für den Verein zu gewinnen.
Neben der musikalischen Ausbildung spielt das Vereinsleben eine entscheidende Rolle. Viele Kapellen versuchen, ihren Nachwuchs nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich an den Verein zu binden. In Stadtschlaining gehören gemeinsame Ausflüge – etwa in den Family Park – ebenso zum Jahresprogramm wie Auftritte und Proben. In Pinkafeld sammeln junge Musiker bei den „Cool Kids“, dem Jugendorchester des Musikvereins, erste Bühnenerfahrungen, etwa beim Neujahrskonzert oder bei weiteren Auftritten im Laufe des Jahres. Neue Mitglieder finden den Weg in den Verein dort häufig über Freundschaften. So spielen auch Jugendliche aus umliegenden Gemeinden wie Wiesfleck oder Hochart in Pinkafeld mit. Beim Musikverein Bernstein übernimmt diese Aufgabe das Jugendorchester „Edelserpentinis“. Die jungen Musiker treten heuer unter anderem in der Burgarena Stadtschlaining sowie im Goldenen Saal in Wien auf. Außerdem laufen bereits die Vorbereitungen auf das Filmmusikkonzert 2027 in der Kulturarena Bernstein.
Auch die sozialen Medien sind aus der Nachwuchsarbeit vieler Musikkapellen nicht mehr wegzudenken. Mehrere Vereine betreiben regelmäßig Instagram-Kanäle, veröffentlichen Fotos und Videos ihrer Auftritte oder geben Einblicke in das Vereinsleben. Der Musikverein Bernstein ist zusätzlich auf TikTok aktiv. Die digitale Präsenz soll vor allem Jugendliche dort erreichen, wo sie einen großen Teil ihrer Freizeit verbringen. Gleichzeitig betonen die Vereinsvertreter aber, dass Social Media den persönlichen Kontakt nicht ersetzen kann. Entscheidend seien weiterhin das gemeinsame Musizieren, das Miteinander im Verein und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Genau diese Mischung aus moderner Kommunikation und gelebter Vereinskultur sehen viele Musikkapellen im Bezirk Oberwart als Schlüssel, um auch künftig genügend Nachwuchs für die Blasmusik zu begeistern.