Burgenland: Schlepper und Cyberkriminelle als Problem
Kriminalitätsstatistik
Illegale Migration ließ 2022 die Kriminalstatistik explodieren. Internetkriminalität stieg um 44,5%. Auch bei Eigentumsdelikten gab es eine enorme Zunahme.
Landespolizeidirektor-Stellvertreter Werner Fasching und Gerhard Braunschmidt, der Leiter des Landeskriminalamtes, präsentierten die Landeskriminalstatistik 2022.
© Foto: BVZ, Kirchmeir
„Die Zahlen im Burgenland schauen auf den ersten Blick wirklich nicht gut aus“, sagte Landespolizeidirektor-Stellvertreter Werner Fasching bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2022 am Dienstag, 7. März.
„Das hängt mit der Migration zusammen“, fügte er hinzu.
81.000 illegale Grenzübertritte wurden im Vorjahr verzeichnet, davon fand ein Großteil schlepperunterstützt statt. „Häufig bringen Schlepper die Migranten bis zur ungarischen Grenze, die Personen gehen zu Fuß über die Grenze, die Schlepper bleiben in Ungarn“, schilderte Fasching die übliche Vorgangsweise.
Die burgenländische Polizei sei auch in diesem Fall verpflichtet, Anzeige zu erstatten, und zwar gegen „unbekannte Täter“, wenn die Schlepper nicht nach Österreich einreisten und hier auf frischer Tat erwischt werden konnten.
40% der Delikte betreffen Schlepperkriminalität
Seit dem Vorjahr weist die burgenländische Kriminalstatistik die Anzeigen wegen Schlepperkriminalität gesondert aus. 7.103 Anzeigen waren 2022 der Schlepperei zuzuordnen, 9.428 Anzeigen wurden wegen anderer Kriminalitätsfälle erstattet. Vier von zehn angezeigten Delikten betrafen somit den Tatbestand der Schlepperei.
Insgesamt wurden im Burgenland im Vorjahr 16.531 Anzeigen erstattet, das sind um rund 80% mehr als 2021.
Die Aufklärungsquote leidet unter dem hohen Anteil der Schlepperkriminalität mit den vielen unbekannten Tätern, die sich im Ausland aufhalten: Von allen angezeigten Straftaten konnten 2022 nur 35% geklärt werden, ohne Schlepperei waren es 58,8%.
Bezirke Neusiedl und Oberpullendorf von Schlepperei am meisten betroffen
Am meisten betroffen von der Schlepperkriminalität waren im Vorjahr die Bezirke Neusiedl und Oberpullendorf. Im Bezirk Neusiedl wurden im Jahr 2022 6.326 Anzeigen erstattet, davon mehr als die Hälfte, nämlich 3.458, wegen Schlepperei.
In Oberpullendorf waren sogar mehr als drei Viertel aller Kriminalitätsfälle der Schlepperei zuzurechnen: Von insgesamt 3.566 Anzeigen betrafen 2.720 Schlepperdelikte. Im Jahr 2021 waren im Bezirk Oberpullendorf insgesamt „nur“ 1479 Anzeigen registriert worden.
Nach zwei pandemiegeprägten Jahren mit Lockdowns nahmen im Vorjahr auch wieder Straftaten zu, die im engen Zusammenhang mit Veranstaltungen stehen. So wurden während und nach dem Nova Rock Festival bei Nickelsdorf viele Anzeigen wegen Handy- und Taschendiebstählen und Suchtmitteldelikten erstattet.
Im Bezirk Jennersdorf wurden um rund 30% mehr Anzeigen erstattet, in absoluten Zahlen stieg die Zahl der Kriminalitätsfälle von 328 auf 443, die Hälfte davon betraf Betrugsdelikte.
7.403 Tatverdächtige wurden im Vorjahr ausgeforscht, davon waren knapp 40% Fremde, das ist eine Steigerung um 2,4% gegenüber 2021. Die meisten ausländischen Straftäter kamen aus Ungarn, gefolgt von Slowakei, Rumänien, Deutschland und Serbien.
Steigerung auch bei Gewalttaten im Burgenland
1.344 Gewaltdelikte wurden im Vorjahr angezeigt, das ist eine Steigerung gegenüber 2021 um 269 Straftaten. Die Aufklärungsquote lag bei den Gewalttaten bei 86,3%.
„Die Gewaltschutzmaßnahmen tragen Früchte“, berichtete Kripo-Chef Gerhard Braunschmidt. „Für Gefährder wurden Beratungsstellen eingerichtet, wo sie sich innerhalb von fünf Tagen melden müssen.“ Vom Gewaltschutzzentrum Oberwart werde „hervorragende Arbeit geleistet“, so Braunschmidt.
421 Betretungs- und Annäherungsverbote wurden im Vorjahr ausgesprochen, das ist eine deutliche Zunahme im Vergleich mit 2021 (348 Betretungs- und Annäherungsverbote).
Auch bei den Gewalttaten in der Privatsphäre gab es einen Anstieg um 6,5% auf 426. Wichtig seien in diesem Zusammenhang die sicherheitspolizeilichen Fallkonferenzen, die bei Hochrisikofällen einberufen werden, so der Kripo-Chef. Verschiedene Stakeholder entscheiden bei diesen Fallkonferenzen, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um Gewalttaten zu verhindern. 2020 gab es drei solche Konferenzen, 2021 waren es neun und im Vorjahr 19.
Zwei von drei Eigentumsdelikten bleiben ungeklärt
2.555 Anzeigen wurden im Vorjahr wegen Eigentumsdelikten erstattet, das ist eine Zunahme um 60% als im Jahr 2021. Die Aufklärungsquote lag in diesem Bereich bei 31%. 99 Eigentumsdelikte betrafen Wohnungseinbrüche, bei den Fahrraddiebstählen wurde ein Anstieg von 247 (2021) auf 323 (2022) verzeichnet.
„Der Radtourismus rund um den Neusiedler See springt wieder an, das nützen auch die Täter“, erläuterte der Kripo-Chef die zuletzt erwähnte Zahl. Er empfiehlt unter anderem, in hochwertige Fahrradschlösser zu investieren und bei E-Bikes beim Abstellen den Akku abzunehmen.
Eine zunehmende Herausforderung stellt im Burgenland die Internetkriminalität dar. Im Vorjahr wurde bei den angezeigten Fällen eine Steigerung um 44,5% von 903 auf 1.305 Straftaten verzeichnet. Fälle von Bestellbetrug, Kryptowährungsbetrug, aber auch die vielen Fälle, wo sich Kriminelle z. B. als Polizisten ausgeben, zählen zu dieser Deliktsgruppe.
71.000 € in Kryptowährung und 80.000 € in „Top-Model“ investiert
Gerhard Braunschmidt schilderte die markantesten Fälle. Ein Burgenländer habe beispielsweise 71.000 Euro in Kryptowährung investiert und blitzte, als er den vermeintlichen Gewinn abschöpfen wollte, bei den Anbietern auf taube Ohren. Schließlich reagierten die Täter gar nicht mehr - das Geld war weg.
Ein anderer Burgenländer freundete sich im Internet mit einem „Top-Model“ an und überwies fleißig Geld, als die Frau behauptete, krank geworden zu sein. In 17 Überweisungen ließ der Burgenländer 80.000 Euro an die Täter fließen. „Bleiben Sie misstrauisch!“, empfiehlt der Kripo-Chef.
56 Fälle betrafen im Vorjahr die Betrugsmasche „Falscher Polizist“. Anrufer behaupteten beispielsweise, dass in der Umgebung Einbruchsdiebstähle registriert worden seien und auch das Haus des Opfers auf einer „Liste“ stehe. Man solle Geld und Wertgegenstände vor dem Haus deponieren, Kollegen von der Polizei würden zum Abholen vorbeikommen.
„Es gab sogar Personen, die extra zur Bank gingen, um Geld abzuheben!“, berichtete Gerhard Braunschmidt.
In 10 Fällen übergaben die Opfer Geld und Wertgegenstände, der Schaden liegt bei 356.296 Euro.